Real-Leihgabe

Hakimi verkörpert beim 5:1 des BVB Sturm und Drang

Genie und Wahnsinn liegen bei Achraf Hakimi auch gegen Hannover eng beieinander. Beim 5:1 zeigt sich die Real-Leihgabe von ihrer Schokoladenseite - als Torschütze und Vorbereiter.

Nicht nur in den Augen von Lucien Favre ist der 20-Jährige "ein sehr guter Spieler." Es dauerte bis zum fünften Spieltag, bis sich auch die Fans ein persönliches Bild vom Marokkaner machen konnten. Hakimi traf gleich bei seinem ersten Auftritt im Signal Iduna Park, als der BVB den 1. FC Nürnberg mit 7:0 aus dem Stadion schoss. Seitdem verpasste er kaum ein Pflichtspiel - und es wird vor allem darüber diskutiert, ob es gelingen kann, ihn nach Ablauf der zweijährigen Leihe in Dortmund zu halten.

Schmelzer auf der linken Seite verdrängt

Hakimi verkörpert Sturm und Drang. Das zeigte er exemplarisch auch beim ersten Heimspiel des neuen Jahres in einer Partie, in der man dies nicht unbedingt erwarten konnte. Denn Hakimi liebt es zu kontern, er hat es gern, viel freie Fläche vor sich zu sehen, um seine langen Läufe anzuziehen. Es war eigentlich nicht damit zu rechnen, dass ihm Hannover 96 diesen Freiraum bieten würde.

Doch der Linksverteidiger, der seit seiner Premiere nur ein Bundesligaspiel (am 16. Spieltag bei Fortuna Düsseldorf) verpasst und der Marcel Schmelzer verdrängt hat, machte eine Menge aus den Möglichkeiten, die ihm die Niedersachsen auf der linken Seite boten. Beim 1:0 zog er mutig nach innen, riss die Abwehr mit einem tollen Vertikalpass auf Raphael Guerreiro auf und nutzte nach dem klugen Doppelpass des Portugiesen die freie Schussbahn, um 96-Keeper Michael Esser mit einem platzierten Ball ins lange Eck zu überwinden.

Ein besonderer Spieler

Das 2:0 stand beispielhaft dafür, wie offensiv Hakimi seine Rolle als Linksverteidiger interpretiert: Er gewann den Zweikampf gegen Albornoz am gegnerischen Strafraumeck, nach der Balleroberung bediente er mit einem klugen Querpass Torschütze Marco Reus (60.).

Hakimis offensive Qualitäten machen ihn nach nur einem halben Jahr in Deutschland zu einem besonderen Spieler. Doch es gab auch gegen die am Ende überforderten Niedersachsen, die nach dem 0:2 in sich zusammenfielen und durch Mario Götze (63.), Guerreiro (67.) und Axel Witsel (90.) noch drei weitere Gegentore kassierten, die Szenen, in denen deutlich wird, dass Hakimi noch lernen muss - vor allem defensiv.

Begrenzte Entwicklungschancen in Madrid

Bei Hannovers früher Torchance durch Hendrik Weydandt, der Roman Bürki nach nicht einmal 120 Sekunden zu einer Glanztat zwang, verteidigte der Marokkaner Flankengeber Albornoz äußerst luftig. Als er wenig später gegen Weydandt unkonzentriert den Ball verlor und zum taktischen Foul an Nicolai Müller gezwungen war, sah er früh die Gelbe Karte (10.). Das könnte sich in Partien gegen wehrhaftere und stärkere Gegner rächen.

Szenen wie diese haben allerdings dazu geführt, dass die Borussia überhaupt erst die Chance bekam, diesen Spieler zu verpflichten. In Real Madrids mit Top-Spielern bestücktem Kader waren seine Entwicklungschancen begrenzt. Das Modell, ihn in Deutschland auf hohem Niveau weiterzuentwickeln, praktizierte Real seinerzeit schon bei Dani Carvajal, den sie zu Bayer Leverkusen schickten und dann zurückholten, als er reif genug war. Bei Hakimi ist ein ähnlicher Weg vorgezeichnet.

Zwei starke Phasen genügen

Denn es funktioniert auch bei ihm. Dortmunds Chancen, ihn fest zu verpflichten, schrumpfen mit jedem Spiel, das Hakimi ähnlich dominant spielt wie das am Samstag gegen Hannover - auch wenn die Niedersachsen am Ende kein Maßstab waren. Deren Ehrentreffer zum 1:4 (86.) begünstigte ein nachlässiges Zweikampfverhalten von Axel Witsel und Mahmoud Dahoud. Abdou Diallo fälschte schließlich den Schuss des Ex-Dortmunders Marvin Bakalorz unhaltbar ab. Darüber regte sich Bürki zu Recht auf, doch Witsel sorgte mit dem Tor zum Endstand für ein positives Ende einer merkwürdigen Partie, in der der Borussia zwei starke Phasen (10 bis 30. Minute und 55. bis 70.) genügten, um am Ende einen klaren Erfolg einzufahren.

Hakimi erlebte die letzten Minuten auf der rechten Seite und hatte dort den Part von Piszczek übernommen. Seine Fähigkeit, auf beiden defensiven Außenbahnen gleich stark wirken zu können, ist ein weiterer Trumpf dieses Spielers, dem eine große Karriere offen steht. Vielleicht ja sogar längerfristig im schwarzgelben Trikot. Der BVB, das hat der Klub in Person von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bereits angekündigt, wird alles daran setzen, ihn länger zu binden. Ob Watzkes persönliche Drähte zu Real-Präsident Florentino Perez helfen können, wird in den kommenden Monaten eine spannende Frage bleiben.

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