Revierderby

BVB in Schockstarre! Dortmund erlebt gegen Schalke sein persönliches Waterloo

Doppel-Rot, Derby-Niederlage und das wahrscheinliche Aus im Meisterschaftskampf: Der BVB erlebt beim 2:4 gegen Schalke sein persönliches Waterloo. In Dortmund macht sich Schockstarre breit.

Lucien Favre war aschfahl im Gesicht, als er versuchte, den dramatischen Verlauf des 94. Bundesliga-Derbys zwischen Schwarzgelb und Königsblau zu analysieren, er machte die Niederlage vor allem an der 17. Minute fest.

Entsetzen und Rätselraten

Die Situation, die diesem Spiel in der Tat eine nicht mehr für möglich gehaltene Wende gab, sorgte mal wieder für Entsetzen, Rätselraten und dann auch großes Unverständnis. Borussia Dortmund führte mit 1:0 und war auf einem guten Weg, als Schiedsrichter Felix Zwayer die Partie unterbrach und schnellen Schrittes Richtung Review-Area eilte.

Zwayer hatte offenkundig aus dem berühmten Keller in Köln ein Signal bekommen, aber so recht wusste niemand, was er da jetzt eigentlich überprüfen wollte. Zum Entsetzen aller Dortmunder zeigte er nach kurzer Betrachtung der Bilder dann auf den Elfmeterpunkt im Dortmunder Strafraum - Daniel Caligiuri trat an und verwandelte zum 1:1. Roman Bürki musste auch den 13. Strafstoß gegen sich als Keeper der Borussia aus dem Netz holen. Und fortan war das Spiel ein anderes.

Weigl springt der Ball an die Hand

Die Zeitlupe der TV-Bilder gab Aufschluss: Julian Weigl war nach einer Flanke der Schalker von Breel Embolo angeschossen worden, der Ball war ihm aus kürzester Distanz an die Hand gesprungen. Absicht konnte man ihm allerdings nicht unterstellen. Es war eine Szene, die die Diskussion um die Auslegung dieser undurchsichtigen Regel weiter anheizen wird.

Nach dem 1:1 war Schalke, das mit einem 5-3-2 die Räume extrem verdichtete, plötzlich wieder im Spiel. Und führte sogar, als Salif Sane sich im Kopfballduell gegen Manuel Akanji und Julian Weigl durchsetzte - Dortmunds Schwäche beim Verteidigen von Standardsituationen wurde wieder einmal bestraft, das Unheil nahm seinen weiteren Lauf.

76 Prozent Ballbesitz

Schalkes Führung hatte auch noch zur Pause Bestand, weil es dem BVB nicht gelang, 76 Prozent Ballbesitz in gefährliche Aktionen in der Nähe des königsblauen Strafraums umzusetzen. Im 4-2-3-1 war der BVB nicht griffig. Schalke ließ den BVB kombinieren in den Räumen, wo es relativ ungefährlich war, doch die Kurzpässe brachten wenig Raumgewinn. Vor allem in Tornähe spielte sich die Borussia regemäßig fest, bekam die Offensivkräfte Marco Reus und Mario Götze überhaupt nicht ins Spiel und schwächte sich durch einige leichte Fehler im Abspiel zudem immer wieder selbst.

Schalke machte das - wie von Lucien Favre befürchtet - gegen den Ball gut und lieferte bis zur Pause wohl eins der besten Spiele der Ära von Interimstrainer Huub Stevens ab. Reus war in den Zwischenräumen vor Benajmin Stambouli und hinter Omar Mascarell nur selten eine Anspieloption, Dynamik und Überraschungsmomente gab es nur von Jadon Sancho, dessen wunderschöner Lupfer aus dem Stand beim 1:0 Götze in eine freie Kopfballposition gebracht hatte (13.).

Dortmund wirkt nach dem Rückstand ratlos

Mit der im Abstiegskampf gebotenen, freilich einige Male die Grenze auch überschreitenden Härte nervten die Schalker zudem ihre Gegenspieler zusehens. Caligiuri, Serdar und Embolo sahen zu Recht Gelb, hinterließen damit aber in den Dortmunder Rehen offensichtlich auch Eindruck. Nach dem Rückstand wirkte Dortmund ohnehin verunsichert und ratlos, taktisch nicht in der Lage, auf die veränderte Spielsituation zu reagieren.

Favre korrigierte eine Aufstellung und Taktik, die sich gegen einen so defensiven Gegner als nicht wirksam gezeigt hatte. Er brachte Paco Alcacer und stellte auf 4-3-3 um. Doch das war Makulatur, als sich seine Mannschaft quasi selbst den Genickschuss verpasste. Ausgerechnet Reus, nicht bekannt als gnadenloser Zweikämpfer, wollte wohl ein Zeichen setzen, als er im Mittelfeld zur Grätsche gegen den davoneilenden Suat Serdar ansetze. Er traf den Schalker übel hinten an der Achillessehne, Zwayer stand direkt daneben und zögerte nicht - Rot für den BVB-Kapitän (62.).

Doppelte Bestrafung

Die doppelte Bestrafung erfolgte durch das wunderschöne Freistoßtor von Caligiuri. Roman Bürki flog vergeblich gegen den perfekt getreten Ball, auch Schalkes zweiten Ball aufs Dortmunder Tor holte er aus dem Netz. Und als Marius Wolf ähnlich dumm in den Zweikampf gegen Serdar ging, ebenfalls von hinten, blieb Zwayer nichts anderes übrig: Zweites Rot für den BVB (64.), die Vorentscheidung.

Von den Rängen höhnten die Schalker Fans "Deutscher Meister wird nur der BVB", Dortmund am Boden. Doch erst das Tor von Embolo, der einen Konter mit einem trockenen Schuss an den Innenpfosten abschloss (86.), bewahrte die Königsblauen vor dem großen Zittern. Zwei Minuten zuvor hatte Axel Witsel eine Kopfballvorlage von Jacob Bruun Larsen zum 2:3 vollstreckt - die Hoffnung auf eine der berüchtigten Aufholjagden im Signal Iduna Park währte allerdings nur kurz.

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