Schmelzer im Interview

Meine Nervosität war hier am größten

MagdeburgMAGDEBURGDortmundMagdeburg - Für Borussia Dortmunds Kapitän Marcel Schmelzer war die Rückkehr in seine Heimatstadt Magdeburg, wo er 17 Jahre lang gelebt und Fußball gespielt hat, ein besonderer Moment. Nach dem Spiel sprach der Linksverteidiger über das 5:0 beim FCM, Kritik an der Mannschaft und seine Nervosität.Lange musste er auf diesen Moment warten, dann hat er zugegriffen: Borussia Dortmunds Youngster Alexander Isak (18) feiert beim überzeugenden 5:0-Pokalsieg beim 1. FC Magdeburg sein Startelf-Debüt in einem Pflichtspiel für den BVB. Und nimmt einiges mit.Nach dem souveränen 5:0-Pokalsieg in Magdeburg am Dienstag herrscht Erleichterung bei Borussia Dortmund. Beim Auswärtsspiel gegen Hannover 96 (Samstag, 15.30 Uhr) soll der nächste Liga-Erfolg her.

War das ein kleiner Befreiungsschlag?

Nein, das würde ich nicht so bezeichnen. Ich würde sagen, dass wir verdient eine Runde weiter gekommen sind. Wir sind ehrlich gesagt verärgert darüber, wie in den vergangenen Tagen über uns berichtet wurde. Natürlich haben wir nicht die Ergebnisse eingefahren, die wir uns vorgestellt haben. Aber wir sind immer noch Tabellenführer und jetzt im Pokal eine Runde weiter.

Was war der Schlüssel für den Sieg?

Dass wir so gut eingestellt waren auf den Gegner. Wir wussten, dass uns eine hitzige Atmosphäre erwartet. Die Stimmung war extrem laut. Wir wussten auch, dass Magdeburg in der Liga sehr gut dasteht. Wir waren auch darauf eingestellt, dass es ein enges Spiel werden könnte. Wir hätten ein wenig eher für Ruhe sorgen können, wenn wir gleich nach drei Minuten getroffen hätten. Aber auch so haben wir am Ende verdient gewonnen.

Hatten Sie den Eindruck, dass Ihre Mannschaft wieder entschlossener zu Werke gegangen ist?

Nein. Der Pokal ist ein anderer Wettbewerb, es gibt keine zweite Chance. Das war kein einfaches Spiel, die Atmosphäre war großartig.

Wie haben Sie Ihre Rückkehr in die Heimat erlebt?

Sehr emotional. Das war das Spiel, in dem meine Nervosität in den vergangenen fünf, sechs oder sogar sieben Jahren am größten war. Es war etwas Besonderes für mich, in meiner Heimat zu spielen. Einfach schön, ein Pflichtspiel hier zu bestreiten.

"Ich habe meine Chance bekommen", sagte der junge Schwede, "und ich denke, ich habe sie ganz gut genutzt." Mit dieser Einschätzung lag der Mittelstürmer richtig. Ein Tor vorbereitet, eins in echter Vollstrecker-Manier erzielt - nachvollziehbar, dass Isak zum "Man of the Match" gekürt wurde.

"Der Anfang war schwer"

Dabei hatte alles schwierig begonnen. Sowohl seine Zeit in Dortmund, in der er seit Januar vergeblich auf Bewährungschancen gehofft hatte, als auch im Spiel. "Der Anfang war schwer", meinte Isak. In Magdeburg fand er als Vertreter von Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang (muskuläre Beschwerden) nur mit Mühe in die Partie. Physisch, das hat der Teenager in Deutschland lernen müssen, muss er noch zulegen. Aber dann, kurz vor der Pause, blitzte erstmals sein Können auf. Eine Hereingabe von Andrey Yarmolenko nickte er perfekt zur Seite, Gonzalo Castro musste nur noch abstauben.

Diese Szene gab ihm eine Portion von dem Selbstvertrauen, an das es gemangelt haben dürfte. Kurz nach der Pause vollendete er dann einen Dortmunder Schnellangriff in bester Mittelstürmer-Manier. Je mehr Platz der BVB für sein Angriffsspiel bekam, desto mehr trumpfte Isak auf. Bemerkenswert auch, wie er mit guter Übersicht die Bälle auf seine Mitspieler ablegte.

Mega-Potenzial

"Der Junge hat Mega-Potenzial", sagte sein Mitspieler Nuri Sahin. Isak habe viel dazugelernt, und vor dem Spiel hätten sich die Borussia-Profis darüber unterhalten, dass er mit einem guten Spiel den nächsten Sprung schaffen könnte. Schließlich habe der Klub auch viel Geld für die Sturmhoffnung bezahlt. Knapp zehn Millionen Euro.

Nun hat Isak erstmals zurückgezahlt. "Jetzt hoffe ich natürlich, dass ich weitere Chancen bekomme", sagte er. Er hat alles dafür getan. Auch wenn die Kader-Position hinter Aubameyang nur begrenzte Perspektiven mit sich bringt.

Zunächst die gute Meldung: Mahmoud Dahoud, der am Dienstag wegen eines Tritts in den Nacken ausgewechselt und direkt im Krankenhaus untersucht worden war, stand am Mittwoch schon wieder auf dem Trainingsplatz. Ebenso Julian Weigl. Der Mittelfeldspieler hatte nach dem Frankfurt-Spiel über stärker werdende Rückenprobleme geklagt.

Drei Spieler verpassen Einheit der Reservisten

Weniger erfreulich: Pierre-Emerick Aubameyang, Christian Pulisic (beide muskuläre Probleme) sowie Mario Götze (Belastungssteuerung) verpassten die knapp 60 Minuten lange Einheit der Reservisten.

Sollte Aubameyang in Hannover erneut ausfallen, könnte Alexander Isak - gegen Magdeburg mit einem Tor und einer Vorlage - seine nächste Chance erhalten. "Er hat sich jetzt das Selbstbewusstsein auch für unser Team geholt. Dieses Spiel wird ihm einen Schub geben", erklärte Nuri Sahin.

Schwierige Englische Woche

Das dürfte ebenfalls für viele Teamkollegen gelten. Nach einer schwierigen Englischen Woche mit drei nicht gewonnenen Pflichtspielen sammelte der Bundesliga-Tabellenführer in hitziger Atmosphäre beim ehemaligen Europapokalsieger Magdeburg Selbstvertrauen.

Außerdem kehrte Kapitän Marcel Schmelzer in seiner Heimatstadt in die Startelf zurück, Raphael Guerreiro und Weltmeister Andre Schürrle feierten nach längeren Verletzungspausen ihre Comebacks.

Dortmund wieder auf Kurs

Dortmund ist wieder auf Kurs - und beendete eine Krise, die innerhalb des Klubs gar nicht als solche wahrgenommen wurde. Im Lager der Borussen sorgte das Herbeireden einer Krise sogar für Verärgerung. "Die gab es nicht. Wir sind Tabellenführer der Bundesliga und jetzt souverän weiter", betonte Sahin.

Beim Einzug ins Achtelfinale wurde jedenfalls deutlich: Wenn das System funktioniert und der BVB-Express ins Rollen kommt, ist er nur schwer aufzuhalten.

Mit dpa-Material

Für den ersten Knalleffekt des DFB-Pokalabends sorgten die Magdeburger Fans mit einer eindrucksvollen Choreografie samt Feuerwerk auf und oberhalb der Tribüne. Die erste Zündung schaltete jedoch der BVB, der die frühe Führung auf dem Fuß hatte. Nach einem überlegten Querpass von Marc Bartra traf erst Maximilian Philipp aus fünf Metern nur den Pfosten, im Nachschuss scheiterte der 18-jährige Alexander Isak bei seinem Startelf-Debüt (3.).

Bemühungen verpuffen

Danach verpufften die Dortmunder Bemühungen. Magdeburg stemmte sich in echter Außenseiter-Manier ins Spiel. Mehr als einen Schuss von Philipp Türpitz, den Roman Bürki im Nachfassen unter Kontrolle bekam, brachten die Platzherren zwar nicht zustande (23.). Aber sie erlaubten dem BVB bis auf eine gute Gelegenheit für Andrey Yarmolenko (22.) auch wenig. Die Dortmunder leisteten sich im Pass- und Positionsspiel ein paar Ungenauigkeiten zu viel. Das bremste die gewünschte Dynamik.

Trainer Peter Bosz spornte seine Mannen bereits nach einer Viertelstunde lautstark an, die Gastgeber bekamen von den blau-weißen Fans unter den 23.102 Zuschauern die volle Dröhnung auf die Ohren. Mit Leidenschaft versuchte der Drittligist, den Zwei-Klassen-Unterschied möglichst lange auszugleichen.

Dahoud wird geröntgt

Das gelang nur bis kurz vor der Pause. Mit seiner ersten Ballberührung sorgte dann Gonzalo Castro, der kurz zuvor am für den angeschlagenen Mahmoud Dahoud in die Partie gekommen war, für das erlösende und vorerst beruhigende 1:0. Nach Yarmolenkos Flanke legte Isak im Strafraum mit dem Kopf geschickt ab, dann zappelte der Ball im Netz (42.). Dahoud wurde nach einem Schlag in den Nacken umgehend geröntgt.

Kaum hatte sich Magdeburg nach Wiederanpfiff einmal in Mannschaftsstärke nach vorne getraut, konterte der BVB sehenswert. Zwei Steilpässe über Yarmolenko und Philipp, da tauchte Isak frei vor Magdeburgs Schlussmann Alexander Brunst auf und schob den Ball ganz überlegt und sicher ins hintere Toreck (47.). Für seinen Jubel sah der Schwede Gelb. Eine härtere Strafe könnte den Pyrotechnik zündelnden BVB-Fans drohen, die im DFB-Pokal unter Bewährung stehen.

Guerreiro feiert Comeback

Nach einer Stunde machte dann der gebürtige Magdeburger Marcel Schmelzer ("Ein sehr schöner Moment, in der Heimat zu spielen") Platz für Raphael Guerreiro, der sein Comeback nach Mittelfußbruch und dreimonatiger Pause feierte. Beide ließen mit ihren Mannschaftskollegen in der diesmal souveränen Defensive, in der auch Dan-Axel Zagadou überzeugte, nichts anbrennen. In der Schlussphase kehrte auch André Schürrle auf den Rasen zurück.

Da hatten die Schwarzgelben soeben den Einzug ins Achtelfinale perfekt gemacht. Nach einem Handspiel von Steffen Schäfer versenkte Yarmolenko den fälligen Strafstoß sicher unten links im Tor zum 3:0 (74.). Fünf Minuten später erhöhte Marc Bartra auf 4:0. Mit dem 5:0 sorgte Shinji Kagawa (90.) für ein angemessenes Resultat eines Fußballspiels, das der BVB letztlich komplett im Griff hatte. Die nächste Pokalrunde ist für die Woche vor Weihnachten terminiert.

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