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Nicht nur die Spieler feierten ausgelassen, auch die Fans auf den Rängen entfachten eine ekstasische Stimmung.

Schwarzgelbe "Raupe Nimmersatt"

BVB schreibt Geschichte - Fans in Ekstase

BERLIN - Es waren Bilder für die Ewigkeit: Die Mannschaft von Jürgen Klopp ist mit dem Sieg über die Bayern in die Geschichte eingegangen. Das erste Double der Klubhistorie entfachte am Samstag eine ekstatische Stimmung, die im deutschen Fußball ihresgleichen suchte. Die schwarzgelbe „Raupe Nimmersatt“ hatten die Bayern gefressen – und die Endorphine sprudelten über.

Der „Held von Berlin persönlich übernahm die Ouvertüre im Olympiastadion: Nobby Dickel, Doppel-Torschütze beim letzten Dortmunder Pokalsieg 1989, hatte vor dem Anpfiff genau acht Minuten Zeit, die BVB-Anhänger in die richtige Stimmung zu versetzen. Er ließ das im weiten Rund fast andächtige klingende Vereinslied „Leuchte auf mein Stern Borussia“ spielen und gab dann, bevor er die Mannschaftsausstellung der Borussia gemeinsam mit den Fans verlas, das Motto des Abends aus: „90 Minuten Vollgas!“ Ganz besondere Atmosphäre Und der schwarzgelbe Anhang, der sich größtenteils um das Marathontor herum versammelt hatte, gehorchte dem Pokal-Helden aufs Wort und brüllte sich die Kehle aus dem Leib. Übertönt wurden die Dortmunder nur selten von den Fans des FC Bayern, gegen den von der Stadionanlage unterstützten Sänger Rea Garvey hatten jedoch auch sie keine Chance. Der Reamonn-Frontmann durfte seinen neuen Hit singen, der Stimmung im Stadion war das allerdings nur wenig zuträglich. Die beste Show an diesem Abend lieferten immer noch die 22 Akteure auf dem Rasen und die 75708 Zuschauer auf den Rängen. Als um 19.55 Uhr der große Moment gekommen war und die Mannschaften angeführt von „Gold-Mädchen“ und Pokalträgerin Magdalena Neuner den Rasen betraten, war sie erstmals in voller Gänsehaut-Wirkung zu spüren, die ganz besondere Atmosphäre dieses laut BVB-Trainer Jürgen Klopp „größten deutschen Fußballspiels der letzten Jahre“. Schnell Hand am Pott In den Gesichtern der Spieler zeigte sich die Anspannung, nur vorsichtig ließen manche von ihnen beim Einlauf den Blick im Stadion kreisen. Bloß nicht übermannen lassen, bloß nicht den Fokus verlieren. Mit deutlich mehr Final-Erfahrung gingen die Münchner in diese Partie, doch sie waren es, die sich zunächst von der Bedeutung dieser Partie beeindrucken ließen. Denn nur 2:32 Minuten nach dem Anpfiff explodierte die Stimmung im Dortmunder Fanblock. Shinji Kagawas 1:0 ließ die Dämme brechen, auf dem Platz trug Lukasz Piszczek den kleinen Japaner über den halben Platz, auf den Rängen tobten die Fans. Der BVB hatte nach nicht einmal drei Minuten die erste Hand am Pott. Doch der Abend war noch lang - und die Bayern längst nicht aus dem Spiel … Spiel gedreht 20 Minuten später riss Arjen Robben mit seinem Elfmetertor gegen den verletzten BVB-Keeper Roman Weidenfeller die Dortmunder aus dem Jubelrausch. Jetzt war es die Bayern-Kurve, die plötzlich Oberwasser hatte und den Lärmpegel für den Moment nach oben trieb. Das Spiel war wieder völlig offen. Auf den Rängen stieg die Anspannung spürbar und auf dem Rasen glitt dem BVB das Spiel aus den Händen. Doch aus dem Nichts drehte sich noch vor der Pause das Blatt wieder. Erst versenkte ausgerechnet der Ex-Bayern Mats Hummels mit Glück einen Elfmeter, dann versenkte Robert Lewandowski mit seinem Tor gleich die ganze Münchner Mannschaft. Es war Zeit für den Klassiker: „Zieht den Bayern die Lederhose aus“, skandierten die völlig euphorisierten BVB-Anhängern, denen zum Teil die Sicherung durchbrannten. Gefährliche Szenen Mehr als zehn bengalische Feuer entfachten einige Unverbesserliche kurz vor dem Wiederanpfiff und vernebelten so das Stadion. Es waren gefährliche Szenen, die sich da im dicht gedrängten Fanblock abspielten – und die mit Fußball nichts zu tun hatten. Erst als sich der Nebel verzogen hatte, ging es unter dem stimmungsvoll gefärbten Berliner Abendhimmel weiter. Monoton trommelten die Bayern-Fans vor sich hin, genau wie ihre Mannschaft schienen sie auch nicht mehr recht an einen Erfolg zu glauben. Das letzte Fünkchen Resthoffnung trat Lewandowski mit seinem zweiten Treffer aus. Die schwarzgelbe „Raupe Nimmersatt“ hatte ein viertes Mal zugeschlagen und die Münchner Edelkicker verschlungen. Es waren Bilder für die Ewigkeit, die sich am Spielfeldrand boten. Jürgen Klopp fiel über seine Co-Trainer her, wie kleine Kinder auf Koffein tollten die Borussen über den Rasen. Dazu stimmten die Fans ihren neuen Lieblingshit an: „Ein Schuss, kein Tor, die Bayern!“ Lewandowski lässt Berlin beben Nur kurz bremste Riberys Anschlusstreffer die Euphorie, dann ließ Lewandowski die ganze Hauptstadt beben. Triumphierend baute er sich vor der Kurve auf. Die Bayern zappelten nicht einmal mehr, so am Boden waren sie. Wie verrückt sprangen die Dortmunder nach dem Abpfiff vor ihren Fans herum, mittendrin Jürgen Klopp, der völlig ausgelassen mit seiner Faust Luftlöcher in die Berliner Luft boxte. Die Mannschaft enterte die Treppe über dem Marathontor, Moritz Leitner kletterte sogar noch ein Stück höher und schwenkte eine übergroße Fahne. Die Botschaft war deutlich: Der deutsche Fußball-Gipfel, er gehört jetzt uns! Sollte die Duden-Redaktion einmal eine neue Definition für das Wort „Ekstase“ benötigen, brauchen sie sich als Inspiration nur dieses denkwürdigen Finales anschauen. Der BVB feierte gemeinsam mit seinen Fans die Bayern-Dämmerung, als gäbe es kein Morgen. Noch nicht satt Triumphierend stemmte Sebastian Kehl um 22:13 Uhr den Pokal in die Höhe. Der BVB war mit dem dritten Titel binnen zwei Jahren endgültig ganz oben angekommen. Der Jubel der Dortmunder sprach indes eine andere Sprache: Sie feierten, als hätten sie nach einer ewigen Durststrecke das erste Mal etwas gewonnen. Die Bayern dürften spätestens in diesen Momenten gespürt haben, dass die Vorherrschaft vorbei ist. Denn diese Borussen sind noch lange nicht satt.

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