Lob und Tadel

Sebastian Kehl: Götze hat richtig Fahrt aufgenommen

Sebastian Kehl war die Erleichterung nach dem 3:1 anzusehen. Der Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung lobte Mario Götze, übte Kritik am Defensivverhalten - und sprach über den Titelkampf.

Wie groß ist die Erleichterung nach diesem 3:1?

Sehr groß. Es war lange ein sehr zähes Spiel. Das Wetter hat sein Übriges dazu beigetragen. Am Ende haben wir aber hochverdient gewonnen. Die Tore sind leider erst sehr spät gefallen, aber verdient war es trotzdem.

Warum hat sich die Mannschaft lange Zeit so schwer getan?

Ich glaube, wir haben es über weite Strecken gar nicht so schlecht gemacht. Stuttgart war wieder ein Gegner, der sehr tief stand, der gut verteidigt hat, der eine Fünferkette aufgebaut hat. Der VfB hatte eigentlich nur eine Chance. Und beim Gegentor helfen wir dann fleißig mit. Es war wieder eine Standardsituation - und es ist natürlich total ärgerlich, dass wir kurz nach dem 1:0 den Ausgleich kassieren. Aber die Jungs haben danach eine gute Reaktion gezeigt. Es war enorm wichtig, dass wir diese drei Punkte geholt haben, um ein bisschen Ruhe reinzubekommen.

Im ersten Durchgang hat der BVB viel richtig gemacht, aber die ganz großen Chancen haben trotzdem gefehlt. Woran lag das?

Die Präzision beim letzten Pass hat gefehlt. Wir haben uns oft gut in den Rücken der Abwehr gespielt, aber die entscheidenden Bälle haben nicht optimal funktioniert. Viele Räume waren nicht da, deswegen war es nicht einfach.

Sie haben das Gegentor nach einer Standardsituation angesprochen. Passiert nach ruhenden Bällen zu viel?

Ja, es ist zu viel.

Was kann man dagegen tun?

Wir sprechen das natürlich an und analysieren es. Wir müssen uns einfach besser und cleverer verhalten. Natürlich spielen wir Raumdeckung, aber deswegen ist man trotzdem verpflichtet, irgendwann mal den Mann zu übernehmen und mitzugehen. Es ist für den Gegner im Moment zu leicht. Das müssen wir abstellen.

Die Schwäche bei gegnerischen Standards kommt durchaus überraschend, weil es in der Hinrunde ja gut war. Wieso verschlechtert sich so etwas im Verlauf der Saison?

Die Trainingsarbeit ist dieselbe, der Fokus liegt vermutlich sogar noch ein bisschen mehr darauf. Jeder Spieler ist am Ende auch ein Stück weit für sich selbst verantwortlich. Im Raum, aber auch für den Mann, der dann kommt. Es geht darum, den Zweikampf anzunehmen, ihn zu führen, ihn zu gewinnen. Wenn ich den Ball nicht bekomme, dann darf der Gegner ihn auch nicht bekommen. Da reden wir auch über den unbedingten Willen, über Konzentration. Wie gesagt, wir müssen das besser machen. Heute wäre es fast schiefgegangen.

Wie bewerten Sie die Leistung von Mario Götze?

Er hat in den vergangenen Wochen viele gute Spiele abgeliefert. Er war auch heute wieder sehr engagiert, ist viel gelaufen. Er hat auf der Position im Mittelfeld, die er ja gegen Tottenham auch schon gespielt hat, viele gute Aktionen gehabt. Er bewegt sich gut in den Räumen. Mario hat nach anfänglichen Problemen in dieser Saison richtig Fahrt aufgenommen.

Ist das ein Plädoyer für den Mittelfeldspieler Götze?Also zwischen Stürmer und offensivem Mittelfeldspieler ist ja heutzutage alles schwimmend (lacht). Neuneinhalb. Zehn. Acht. Es gibt viele Positionen, die Mario spielen kann. Heute hat?s im Mittelfeld gut geklappt. Genau wie gegen Tottenham.

Die Tabellenführung ist trotz des Sieges erst einmal futsch. Wie sehr ärgert das?

Für uns war es zunächst mal wichtig, die drei Punkte zu holen, weil wir wirklich dieses Erfolgserlebnis wollten. Dass die Bayern so hoch gegen Wolfsburg gewinnen, davon war nicht unbedingt auszugehen. Aber wir haben uns ja die ganze Zeit nicht damit beschäftigt, was die Bayern machen. Noch haben wir es alles selber in der Hand.

Es könnte ja auch befreiend wirken, ab jetzt als Jäger aufzutreten?

Also ich will maximalen Erfolg. Jetzt gerade ist es wurscht, ob du auf Platz eins oder zwei stehst. Im Moment ist es noch egal. Ein paar Spiele sind ja noch. Was wir brauchen, ist diese Fokussierung, diese Intensität und diesen Willen - dann werden wir auch lange vorne dabei bleiben.

Kann dieser Sieg heute nach den schlechten Ergebnissen in den vergangenen Wochen so etwas wie ein Brustlöser sein?Die Wichtigkeit des Sieges habe ich ja gerade schon betont. Wir sehen, dass wir uns die Dinge und die Erfolge hart erarbeiten müssen. Wir bekommen nichts geschenkt. Die Reihenfolge muss stimmen, das habe ich nach dem Tottenham-Spiel auch schon gesagt. Wir müssen hart arbeiten, wenig individuelle Fehler machen. Wenn wir das leisten, haben wir in dieser Saison alle Chancen.

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