Verdienter Derbysieg

Die BVB-Abwehr hat beim 2:1 auf Schalke alles im Griff

Borussia Dortmund feiert den ersten Derbysieg seit über drei Jahren. Das 2:1 auf Schalke ist verdient, der BVB macht sich das Leben aber selbst schwer. Die Abwehr hat alles im Griff.

Seit dem 1:1 in Hoffenheim hatte das eigentliche Dortmunder Stamm-Duo in der Innenverteidigung nicht mehr nebeneinander auf dem Platz gestanden. Im Revierderby agierten Maniuel Akanji und Abdou Diallo dann, als hätte es diese lange Trennung nie gegeben.

Tedescos Plan geht nicht auf

Welche taktische Erwägung S04-Trainer Domenico Tedesco auch im Sinn gehabt hatte, als er dem angeschlagenen Guido Burgstaller Weston McKennie an die Seite stellte und dem BVB in einem 4-3-1-2 begegnete, ist nicht überliefert. Schon nach wenigen Minuten aber war offensichtlich, dass der Plan nicht funktionierte. McKennie war gegen Diallo bemitleidenswert unterlegen, Burgstaller, angeschlagen seit Wochen, rieb sich in weiten Laufwegen auf, ohne dadurch an Durchschlagskraft vor dem Dortmunder Tor zuzuzlegen. Der Schweizer Akanji und der Franzose Diallo erlebten einen ruhigen Nachmittag bis zur Pause.

Tedesco reagierte auf die erschreckende Harmlosigkeit mit einer Umstellung und überraschte dann erneut: Er brachte Hamza Mendyl, eigentlich Linksverteidiger, für Burgstaller, der nicht weitermachen konnte. Der gelernte zentrale Mittelfeldspieler Nabil Bentaleb rückte in die Sturmzentrale. Das alles vor dem Hintergrund, dass in Cedric Teuchert und Yeven Konolpyanka gelernte Offensivspieler noch auf der Bank saßen. Sie passten offenbar nicht in Tedescos Überlegungen.

Der BVB hat leichtes Spiel

So hatte der BVB, den Lucien Favre auf zwei Positionen (Diallo, Alcacer für Zagadou, Götze) verändert ins Derby schickte, eigentlich leichtes Spiel. Dortmund wirkte deutlich kombinationssicherer, hatte mehr Sicherheit im Ballvortrag und mehr Geschwindigkeit auf dem Weg nach vorne. Das 1:0 passte dazu perfekt in Favres Plan: Der Freistoß von Marco Reus aus dem linken Halbfeld kam mustergültig in den Schalker Strafraum, Thomas Delaney schlich sich von weit hinter der Strafraumkante in Richtung Elfmeterpunkt und war dort schneller als Salif Sane, der den Kopfball des BVB-Dänen nicht verhindern konnte - Ralf Fährmann im Tor der Königsblauen war chancenlos (7.).

Aus der Führung und der veränderten taktischen Ausgangslage für die Heimmannschaft schlug der BVB allerdings viel zu wenig Kapital. Der Versuch, nach Balleroberungen in höchstem Tempo Schalkes Kette anzulaufen, endete oft mit einem ungenauen letzten Ball.

Kaum Torchancen im ersten Durchgang

Vor den Toren war folglich wenig los. Schalkes dickste Chance der ersten 45 Minuten hatte Burgstaller, der nach einer Ecke und Kopfball von Nastasic aus der Drehung BVB-Torhüter Roman Bürki anschoss. Dem Österreicher sprang dabei der Ball zuvor allerdings an die Hand (27.). Auf der Gegenseite gab es auch nur eine echte Torchance: Alcacer scheiterte (aus Abseitsposition) mit einem Schlenzer knapp neben das Schalker Tor.

Die Dortmunder Überlegenheit zur Pause war frappierend und umfasste alle Ebenen des Spiels - bezeichnend auch zwei Szenen, in denen Akanji den eingewechselten Mendyl wie einen Jugendspieler mit regulärem Körpereinsatz ablief.

Überraschender Elfmeterpfiff

Eigentlich lief alles wie gewünscht für die Schwarzgelben, doch dann überraschte Schiedsrichter Daniel Siebert mit einem Videobeweis nach einem Zweikampf zwischen Reus und Amine Harit. Und beim Betrachten der Bilder entdeckte der Unparteiische aus Berlin offenbar ein Foul des Dortmunders, der seinem Gegenüber auf den Fuß gestiegen sein soll. Es war ein überraschender Elfmeterpfiff, der die Dortmunder Delegation komplett von der Bank an die Seitenlinie trieb. Alle Proteste freilich fruchteten nicht - und Daniel Caligiuri verwandelte sicher (61.). Eine Partie, die der BVB dominiert hatte, drohte zu kippen.

Das Tor brachte Emotionen in das Spiel zurück, die durch die Dortmunder Überlegenheit schon lange gewichen war. Hakimi sah für einen Schubser gegen Caligiuri die Gelbe Karte, unverkennbar zeigte der Ausgleich auch in den Folgeminuten beim BVB Wirkung. Dann aber ging es viel zu schnell für den schwachen Schalker Sebastian Rudy, dem Jadon Sancho nach Zusammenspiel mit Raphael Guerreiro davon lief - und der Engländer behielt beim Abschluss ins Eck einen klaren Kopf. 2:1 - Dortmund führte wieder (74.). Reus vergab vor Fährmann gar das 3:1 (79.).

Guerreiro trifft den Pfosten

Schalke suchte nach einer Antwort. Tedesco brachte in Konoplyanka endlich einen offensiven Flügelmann, es war aber Guerreiro, der auf der Gegenseite nur den Pfosten traf (85.) - die eigenen Konter spielte der BVB auch nach der erneuten Führung sehr unsauber aus und hielt die Gastgeber damit weiter im Spiel. Doch es war bezeichnend, dass den Königsblauen bis zum Schlusspfiff nicht eine konstruktive Torannäherung mehr gelang.

Unterm Strich hielt das Derby einmal mehr nicht, was man sich im Vorfeld davon versprochen hatte. Den erste Sieg gegen den Rivalen seit einer gefühlten Ewigkeit feierte der BVB dennoch überschwänglich. Denn er war hochverdient.

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