Vier Punkte Rücktstand

Nach Bürkis Patzer bricht der BVB in Bremen zusammen

Zwei schwere Patzer kosten den BVB an der Weser die Chancen auf die neunte Deutsche Meisterschaft. Nach dem 2:2 gegen Werder Bremen beträgt der Rückstand auf die Bayern nun vier Punkte.

In einer Partie, die die Borussia lange beherrschte, brachte erst der dicke Fehler von Roman Bürki die Gastgeber zurück ins Spiel. Vor dem Ausgleich patzte dann auch noch Manuel Akanji folgenschwer. Innerhalb von drei Minuten verspielte der BVB wohl seine Chancen auf den Titel.

"Es ist erst vorbei, wenn?s vorbei ist"

Viel war vor der wegweisenden Partie im Weserstadion von der neuen Aufbruchsstimmung die Rede. Von der neuen Hoffnung, die Borussia Dortmund quasi in den Schoß fiel am vergangenen Sonntag, als nach dem 2:4 im Revierderby die Bayern die Steilvorlage nicht nutzen konnten und nur 1:1 in Nürnberg spielten. "Wir haben die Hausaufgaben gegen Schalke nicht gemacht, daher hat dieses Spiel nun vorentscheidenden Charakter", sprach Sportdirektor Michael Zorc vor dem Anpfiff Klartext. Nachdem die Bayern am Nachmittag ihre Pflichtaufgabe gelöst hatten, stand der BVB unter Druck. Nur ein Sieg zählte.

Als die Mannschaft kurz vor dem Anpfiff noch einmal in die Kurve zu den eigenen Fans ging, da stand auch schwarz auf weiß, was die Marschroute sein musste für die 90 Minuten und die zwei weiteren Spiele, bis der Vorhang fällt: "Es ist erst vorbei, wenn?s vorbei ist", stand auf dem schwarzgelben Spruchband. "Natürlich", bekräftigte auch Trainer Lucien Favre, "wollen wir jetzt Deutscher Meister werden."

Optimaler Start

Strahlte die Mannschaft vor sieben Tagen gegen Schalke diesen Willen und diese Entschlossenheit nur in den ersten 15 Minuten aus, sah man am Samstag von Beginn an wieder das andere, das bessere BVB-Gesicht - begünstigt sicher auch durch einen optimalen Start in dieses Spiel. Nach Zuspiel von Thomas Delaney scheute Christian Pulisic auch das Dribbling gegen vier Bremer nicht, die viel zu passiv verteidigten und verdutzt zusehen mussten, wie der Amerikaner überlegt auch noch an Jiri Pavlenka vorbei zur Führung einschob (6.).

Dortmund war fortan Herrscher über die Räume im Weserstadion. Bremen lief viel hinterher, weil der Ball flüssig und schnell durch die BVB-Reihen lief. Auf die beiden Rotsperren aus dem Schalke-Spiel hatte Favre offensiv wie zu erwarten reagiert. Er brachte Paco Alcacer und zog Mario Götze auf die Zehn zurück. Die zweite Änderung überraschte hingegen: Pulisic zu bringen, bedeutete mehr Tempo in der Offensive, vor allem aber eine gravierende defensive Umstellung: Manuel Akanji rückte auf die rechte Seite, weil Favre Lukasz Piszczek einen Startelf-Einsatz wohl noch nicht zutraute. Abdou Diallo wechselte zudem von der linken Seite in die Mitte, an seinem Stammplatz der vergangenen Monate agierte zurückgezogen Raphael Guerreiro.

Taktik geht voll auf

Favres Taktik ging voll auf: Vom Duo Pulisic/Guerreiro kamen über links jede Menge Impulse fürs Dortmunder Offensivspiel, defensiv ließ Akanji zwar einige Anpassungsschwierigkeiten erkennen, die die Bremer in Person von Ludwig Augustinsson aber nur zu einigen (schwachen) Flanken nutzen konnten. Bremen brauchte gut eine halbe Stunde, um nach dem Rückstand wieder Mut zu fassen. Milot Rashica sorgte für den ersten gefährlichen Abschluss (35.), es war die Phase, in der dem BVB die Kontrolle der Partie zu entgleiten drohte. Zu passiv in den Zweikämpfen, dazu einige leichte Ballverluste in den schwarzgelben Reihen - Werder bekam Oberwasser.

Doch Paco Alcacer zog den Norddeutschen wieder den Stecker - sein direkt verwandelter Freistoß lenkte das Spiel wieder in die andere Richtung (41.). Pulisic, der vom jungen Friedl nur durch ein Foul zu stoppen war, war als Vorbereiter erneut beteiligt.

Alcacer im Abseits

Werder wollte neuen Mut schöpfen in der Pause, sah sich aber vor allem gefährlichen Kontern der Borussia gegenüber. Pulisic setzte einen Kopfball knapp neben den langen Pfosten, dann bestätigte auch der Video-Referee den Abseitspfiff von Schiedsrichter Marco Fritz beim vermeintlichen 3:0 von Alcacer (59.).

Werder-Trainer Florian Kohfeldt reagierte und brachte nach einer Stunde Kevin Möhwald und Claudio Pizarro. Doch nach einer emotionalen Woche mit der umkämpften und strittigen Pokalniederlage gegen die Bayern schien das Feuer erloschen - der Funke sprang nicht mehr über auf die Mannschaft, die nach der dem Pokal-Aus folgenden Niederlage in Düsseldorf und angesichts des schweren Restprogramms nicht mehr an ihre Europapokal-Chance glaubte - bis Roman Bürki ein schwerer Patzer unterlief.

Harmloser 20-Meter Schuss

Dortmunds Keeper ließ einen harmlosen 20-Meter-Schuss von Möhwald durch die Arme und Beine rutschen (70.). Plötzlich war die Stimmung wieder da, plötzlich war der Glaube zurück - und Dortmund verlor völlig den Faden. Julian Weigl rettete in höchster Not gegen Möhwald (73.), dann der nächste folgenschwere Patzer: Akanji ließ sich an der Torauslinie von Augustinsson düpieren, der spitzelte den Ball in die Mitte - Pizarro drosch die Kugel in die Maschen. Dortmund drohte innerhalb von 180 Sekunden die Deutsche Meisterschaft zu verspielen.

Der Schock kroch den Spielern in die Beine, Favre reagierte mit einem Doppel-Wechsel und brachte Dahoud und Bruun Larsen. Verzweifelt stemmte sich der BVB gegen den entscheidenden Rückschlag, hatte aber Glück, dass Bürki einen Schuss von Rashica entschärfen konnte (86.). Pulisic setzte auf der Gegenseite einen Schuss ins lange Eck knapp daneben, es sollte die größte und letzte Chance auf den Lucky Punch gewesen sein.

"Wir brauchen ein Wunder"

Die Dramatik, die dem Spiel lange fehlte, hatte allein der BVB in die Partie gebracht. Auch Maximilian Philipp kam noch, vier Minuten Nachspielzeit blieben. Gegen die entblößte BVB-Abwehr verpasste Pizarro noch den Siegtreffer für Werder, das sich aber mit dem 2:2 belohnte und erneut Comeback-Qualitäten zeigte.

Die Enttäuschung in den schwarzgelben Reihen war nach dem Schlusspfiff riesig. An die Meisterschaft mag nun niemand mehr glauben. "Wir brauchen ein Wunder", meinte Thomas Delaney enttäuscht.

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