Wiedersehen mit Hitz

Augsburgs Andreas Luthe: Der BVB hat zwei sensationelle Torhüter

Für Augsburgs Torhüter Andreas Luthe ist die heutige Partie beim BVB auf vielen Ebenen besonders. Im Interview spricht der 31-Jährige über seine Rolle beim FCA, Marwin Hitz und Heimaturlaub.

Sie kommen gebürtig aus Velbert, haben 15 Jahre beim VfL Bochum gespielt. Hat das Spiel in Dortmund ein bisschen was von Heimaturlaub?

(lacht) Ein bisschen bestimmt. Die Familie kommt ins Stadion, ich freue mich drauf. Der einzige Haken ist, dass ich am Samstag leider keinen Urlaub habe.

Mussten Sie viele Karten besorgen?

Es ging. Ein paar schon. Es ist ja gar nicht so leicht, in Dortmund an Karten zu kommen. Das Stadion ist ja immer voll.

Ist das ein besonderes Spiel, wenn man so lange beim kleinen Nachbarn in Bochum gespielt hat?

Es ist besonders für mich klar. Zum einen, weil es im Ruhrgebiet ist, zum anderen, weil wir uns mit dem Tabellenführer messen dürfen. Trotzdem ist es auch nur ein Bundesligaspiel.

Sie sind seit zwei Spielen die neue Nummer eins im Augsburger Tor - und eigentlich sind Sie zum ersten Mal in Ihrer Karriere die Nummer eins bei einem Bundesligisten. Mit 31 Jahren.

Ich war in den vergangenen Jahren als Stellvertreter von Marwin Hitz hier. Die Rollen waren klar verteilt. Aber in diesem Jahr hat sich das geändert. Ich bin in die Vorbereitung gegangen, um Nummer eins zu werden. Jetzt hat es über Umwege geklappt.

Sind Sie ein Spätzünder?

Das würde ich nicht sagen. Ich war einfach sehr loyal, als ich beim VfL Bochum war. Ich habe lange versucht, mit dem VfL in die Bundesliga aufzusteigen. Deswegen habe ich sehr lange in der zweiten Liga gespielt. Bochum ist mein Verein, ich habe mich nach dem Abstieg verpflichtet gefühlt, mit dem Klub wieder aufzusteigen. Das war immer der Plan und der Wunsch. Irgendwann musste ich aber erkennen, dass der Plan nicht funktioniert und meine Zeit als Fußballer immer weiter verstreicht. Aber zum Glück bin ich ja Torhüter. Da kann mit 31 noch viel passieren (lacht).

Haben Sie noch damit gerechnet, Stammtorhüter in der Bundesliga werden?

Ehrlich gesagt, schon. Ich bin als guter Zweitliga-Torwart nach Augsburg gewechselt und wusste, dass ich in Marwin Hitz jemanden vor mir habe, der in der Bundesliga zu den besten und konstantesten Torhütern gehört. Und ich war mir sicher, dass in den nächsten Jahren bei ihm was passieren würde, weil ich ihn einfach so gut finde. Das mussten irgendwann ja auch andere sehen. Ich hatte schon im Hinterkopf, dass sich dann vielleicht eine Chance ergibt, nachzurücken und selbst die Nummer eins zu werden. Und schlussendlich ist jetzt ja tatsächlich so gekommen.

Wie merkwürdig ist es für Sie, am Samstag nach Dortmund zu kommen und auf dem Platz zu stehen - und Marwin Hitz sitzt nur auf der Bank?

Das ist verrückt. Marwin und ich haben ein sehr gutes Verhältnis. Hatten wir hier auch schon. Ich habe am Mittwoch noch mit ihm bei WhatsApp geschrieben. Es ist schon komisch, dass er nicht spielt, weil ich ihn eben für so stark halte. Aber Roman Bürki hält im Moment absolut überragend. Der Konkurrenzkampf beim BVB ist natürlich noch einmal ein ganz anderer als bei uns. Und Borussia Dortmund hat eben zwei sensationelle Torhüter. Ich bin aber davon überzeugt, dass der BVB Marwins Qualitäten irgendwann brauchen wird.

Im Sommer fiel die Entscheidung von ihrem Trainer Manuel Baum zunächst ganz knapp nicht zu Ihren Gunsten, sondern zu Gunsten von Fabian Giefer aus. Wie sehr hatten Sie daran zu knabbern?

Es war hart für mich. Wie gesagt, in den vergangenen Jahren war die Situation eindeutig. Aber diesen Sommer bin ich mit dem ganz klaren Ziel in die Vorbereitung gestartet, die Nummer eins zu werden und habe gesagt: Ich will ins Tor. Dafür habe ich hart gearbeitet, aber es hat trotz einer guten Vorbereitung und eines guten Pokalspiels nicht geklappt. Natürlich war das bitter. Aber ich habe es akzeptiert und mich wieder eingeordnet.

Fabian Giefer hat dann nicht wirklich überzeugen können. Wie geht man als Spieler damit um, wenn man einerseits Teamkollege, aber andererseits auch Konkurrent ist?

Es ist nicht einfach, aber es ist das Geschäft. Ich habe ja auch gesehen, wie Fabian gelitten hat. Im Heimspiel gegen Bremen ist er von einem Teil unserer eigenen Fans ausgepfiffen worden. Das war schlimm. Jeder in unserer Mannschaft wusste, dass es einen ja auch selbst hätte erwischen können. Das war schon ein Schockmoment, egal, ob man Konkurrent ist oder nicht. So etwas geht einem einfach nah. Ich bin aber davon überzeugt, dass Fabian da wieder rauskommt, weil er ein sehr talentierter Torhüter ist, der noch viel vor sich hat.

Beim 1:1 gegen Bayern München in der Allianz Arena haben dann Sie gespielt und einen Punkt festgehalten.

Das ist Fußball. Es geht manchmal ganz schnell. Letzten Endes habe ich in München aber nur meinen Job gemacht. Ich hatte das Glück, dass die Mannschaft einen richtig guten Tag erwischt hat und ich ein gutes Spiel gemacht habe. Du brauchst dann ein paar Momente als Torwart, in denen du da bist. Aber das ist mit 31 eben auch nicht mehr ganz neu. Das schwierigere Spiel war aber eigentlich das gegen Freiburg danach, als es darum ging, die guten Eindrücke zu bestätigen.

Es hat geklappt. 4:1 gegen Freiburg und das angesprochene Remis in München. Was spricht dafür, dass Sie und Ihre Teamkollegen auch in Dortmund etwas mitnehmen?

Wir sind eine Mannschaft, die sehr unangenehm zu spielen ist. Das weiß auch der BVB, der sich in den vergangenen Jahren häufig schwergetan hat gegen uns. Wir sind eine Pressing-Mannschaft, die 90 Minuten lang alles reinwirft. Das werden wir auch am Samstag so machen. Uns mal eben locker wegzuspielen in der Champions-League-Woche, das wird dem BVB nicht gelingen. Wir wissen, dass Dortmund in einer überragenden Verfassung ist, aber ich glaube trotzdem, dass wir etwas mitnehmen können.

Richten Sie sich auf besonders viel Arbeit ein?

Der BVB wird sicherlich Chancen bekommen, dafür sind Sie offensiv einfach zu gut besetzt. Wir müssen dagegenhalten. Wenn bei uns alles passt, können wir Dortmund ärgern. In München hat es ja auch geklappt.

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