Vor Wolfsburg-Spiel

Akanji zurück im BVB-Training - Entwarnung bei Diallo

Beim BVB ist die Erleichterung über den Stolper-Sieg gegen Union groß. Die Verantwortlichen verteidigen die XXL-Rotation. Glück im Unglück hat Abdou Diallo.

Wie sich das so anfühlt auf der Bank, wenn in einem K.o.-Spiel kurz vor Ende der Verlängerung der eigenen Mannschaft ein Elfmeter zugesprochen wird, der über Wohl und Wehe entscheiden kann, darüber gab es von BVB-Sportdirektor Michael Zorc einige Einblicke nach dem Zittersieg der Borussia gegen Union Berlin (3:2 n.V.). Ob er sich Sorgen gemacht habe, dass Marco Reus vielleicht nicht treffen könnte? Zorc grinste und meinte: "Nein. Wir haben schon gejubelt, als der Schiedsrichter den Elfmeter gepfiffen hat." Und Reus enttäuschte die Erwartungen nicht, verwandelte "perfekt und sicher", wie Zorc lobend erwähnte. Reus ließ sich auch nicht davon aus der Ruhe bringen, dass die Berliner die Ausführung des Strafstoßes hinauszögerten, um ihn nervös zu machen.

"Ich entscheide mich vorher für eine Ecke"

Dass es beinahe drei Minuten dauerte, ehe er nach dem Pfiff von Guido Winkmann dann auch tatsächlich anlaufen durfte, war dem Kapitän gar nicht bewusst. "Man konzentriert sich", meinte er, "man versucht alles andere auszublenden. Es ist nicht so einfach, wenn es zu Verzögerungen kommt, aber ich versuche, mich auf meinen Schuss zu fokussieren." Wohin er schießt beim Elfmeter, steht beim Dortmunder Mittelfeldspieler übrigens schon vor dem Anlaufen fest. Sich kurzfristig umzuentscheiden und auf den Torhüter zu reagieren, ist nicht die Herangehensweise von Marco Reus. "Ich entscheide mich vorher für eine Ecke." Reus wie alle anderen im BVB-Dunstkreis fühlte sich nach den intensiven 120 Minuten bestätigt. Pokal, meinte er, "das ist halt nur ein Spiel, da weiß auch der Gegner, dass alles möglich ist." Und Union, das bestätigten alle, habe es richtig gut gemacht. "Sie waren sehr aggressiv und waren auch nach vorne gefährlich", beschrieb Julian Weigl.

Die XXL-Rotation mit gleich sieben Wechseln in der Dortmunder Startelf im Vergleich zum Hertha-Spiel am vergangenen Samstag wurde von allen Akteuren verteidigt. "Du kannst nicht immer mit der gleichen Mannschaft antreten", meinte Zorc, er gestand ein, "dass wir viele Spieler drin hatten, die keinen Rhythmus hatten. Das Ergebnis war daher am Ende das Wichtigste, auch wenn wir wissen, dass wir besser spielen können." Trainer Lucien Favre gab zu: "Es war schwierig, aber wir müssen den Spielern Pausen geben." Zum engen Spiel habe auch der starke Gast "seinen Teil beigetragen. Dennoch müssen wir uns daran gewöhnen, gegen solche Gegner physisch besser dagegenzuhalten."

Mehr Tempo durch Reus und Sancho

Wie vor zwei Jahren, als es gegen denselben Gegner sogar ins Elfmeterschießen gegangen war, entschied der BVB das Spiel am Ende mit einer gehörigen Portion Glück, der individuellen Klasse und der vielleicht etwas größeren Entschlossenheit für sich. Mit der Hereinnahme des zunächst geschonten Axel Witsel bekam das Dortmunder Spiel deutlich mehr Struktur, mit der Hereinnahme von Reus und Jadon Sancho zur Verlängerung standen zudem zwei Spieler auf dem Platz, die mit ihren Dribblings für Tempo und Überraschungsmomente sorgten. Zwei Attribute des Dortmunder Spiels, die zuvor nur sporadisch aufgeblitzt waren.

Nach der Partie, als sich auch die Erleichterung legte, ging der Blick schnell nach vorn. "Drei brutal wichtige Spiele", wie Reus formulierte, warten vor der nächsten Liga-Pause noch auf die Borussia. "Den Sack dann mal früher zuzumachen, wenn wir in Führung liegen und es eng ist" wünschte sich Weigl vor den Duellen in Wolfsburg am Samstag, in Madrid gegen Atletico am Dienstag sowie dem Liga-Kracher gegen die Bayern. Reus mahnte trotz der besonderen Umstände des Pokalspiels mit einer Elf, "die so noch nie zuvor zusammengespielt hat", eine Analyse an, "was wir besser machen müssen. Das Spiel hat gezeigt, dass wir eine Menge zu tun haben."

Delaney zurück, Götze fehlt

Sorgen bereitet aktuell vor allem die dünne Personaldecke in der Abwehr. Glück im Unglück hat Abdou Diallo, der sich gegen Union lediglich eine Adduktorenzerrung zugezogen hat und laut Vereinsangaben "eine Tage" pausieren muss. Manuel Akanji trainierte am Donnerstag wieder mit der Mannschaft, Favre ließ offen, ob die eine echte Einheit mit den Reservisten ausreichend ist, um ihn schon wieder in eine Bundesliga-Partie zu schicken. Tendenz: Der Schweizer wird maximal auf der Bank sitzen.

Also müssen es wohl die richten, die gegen Union ab der elften Minute die Deckung zusammenhalten mussten. Ömer Toprak kämpfte dabei in seinem ersten Spiel nach ewig langer Pause in der Verlängerung sichtlich mit seinem streikenden Körper, auch Dan-Axel Zagadou bestritt die 30-minütige Extrazeit "quasi auf einem Bein", wie Reus scherzhaft formulierte. "Wir haben einen großen Kader, aber die Verletzungen ballen sich in der Defensive", gestand Zorc. "Wir werden eine Bestandsaufnahme machen und müssen sehen, wer uns zur Verfügung steht." Kleiner Lichtblick: Thomas Delaney steht nach auskurierter Zehenprellung wieder zur Verfügung. Für Mario Götze hingegen kommt nach seiner Bronchitis das Spiel zu früh.

"Jedes ihrer Spiele war bislang eng"

Favre rechnet im Duell bei den Wölfen mit dem nächsten wehrhaften Gegner. "Sie haben jetzt zwei Mal hintereinander gewonnen, sie haben Selbstvertrauen. Jedes ihrer Spiele war bislang eng."

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