Zeitspiel

30 Jahre nach dem DFB-Pokalsieg - 1989 beginnt eine neue Zeitrechnung beim BVB

23 Jahre ohne Titel - in der heutigen BVB-Zeit kaum vorstellbar! Vor dem Pokalerfolg 1989 erlebte die Borussia aber diese lange Durststrecke. Dass sie endete, lag vor allem an Nobby Dickel.

Zu den kultigen Augenblicken der BVB-Heimspiele im Signal Iduna Park gehört die Bekanntgabe der Mannschaftsaufstellungen durch Stadionsprecher Norbert Dickel. Die größte Fußballtribüne Europas, die als "Gelbe Wand" bekannte Südtribüne, unterbricht den früheren Stürmerstar Dickel stets zu einem bestimmten Zeitpunkt mit einem Lied, das seinen Höhepunkt in der Zeile: "Wir lieben ihn, den Held von Berlin", findet. Der legendäre Flipper-Song der 70er/80er Jahre stand hier Pate.

Die Fans haben nicht - und werden wohl auch nie - vergessen, dass es Norbert Dickel war, der am 24. Juni 1989 zwei entscheidende Treffer zum 4:1-Sieg im DFB-Pokalendspiel gegen Werder Bremen beisteuerte.

Nobby Dickel schreibt sein eigenes Märchen

Und nicht nur das: Der Einsatz von Dickel hing vor dem Match am sprichwörtlichen seidenen Faden. Nur sieben Wochen zuvor musste sich der Goalgetter einer Meniskusoperation unterziehen. Der Rekonvaleszent tauchte schon schnell wieder beim (Einzel-) Training auf, arbeitete hart an sich und seiner Form.

Trotzdem: Sein Einsatz war unter sportlichen und ärztlichen Gesichtspunkten ein außerordentliches Risiko. Trainer Horst Köppel überließ die Einschätzung seiner Situation dem Stürmer selbst. Dickel meldete sich unmittelbar vor dem Finale spielbereit. Nicht alle modernen Märchen enden mit einem Happyend. Die Geschichte des Norbert Dickel allerdings mündete ein in seinen heutigen Kultstatus!

Mehr als 40.000 BVB-Fans im Olympiastadion

Auf dem Weg ins Endspiel von Berlin hatte der BVB Eintracht Braunschweig, Homburg, Schalke, Karlsruhe und Stuttgart ausgeschaltet. Unter den 76.500 Besuchern im Berliner Olympiastadion befanden sich mehr als 40.000 Dortmunder. Schon am Tag zuvor hatten sie Berlin "erobert" und durch ihr sportlich faires Verhalten viele Sympathien eingeheimst.

Doch die sprtliche kalte Dusche folgte auf dem Fuße: Kalle Riedle, damals noch Werderaner, erzielte per Rechtsschuss das frühe 1:0 für den Favoriten aus Bremen (14.). Borussias Antwort: Das 1:1 durch Norbert Dickel nach Pass von Frank Mill (21.). Teufelskerl Mill entpuppte sich nach der Halbzeitpause als Kopfball-Ungeheuer und besorgte das 2:1 (58.).

Empfang auf dem gerade eingeweihten Friedensplatz

Der nächste Treffer wurde wieder eine "fette Beute" für Norbert Dickel (73.). Und den Schlussakkord gönnte sich Michael Lusch nur 100 Sekunden später - 4:1, der Endstand. Die Borussen und ihr Trainer Horst Köppel lagen sich nach dem Schlusspfiff freudetrunken in den Armen. Werders Coach Otto Rehhagel, von 1976 bis 1978 auch Trainer von Borussia, war mehr als konsterniert.

In Dortmund feierte man mit einer öffentlichen Spielübertragung in der Aula des Max-Planck-Gymnasiums die Geburtsstunde des Public Viewing. Und der Friedensplatz, erst genau eine Woche zuvor gemeinsam mit dem neuen Rathaus feierlich eröffnet, erlebte mit dem jubelnden Empfang des Deutschen Pokalsiegers 1989 am folgenden Sonntag seine Premiere als "Stadion Friedensplatz". Gigantisch.

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