Zeitspiel

Neven Subotic und die BVB-Wachablösung 2012: Als ein Gesicht mehr sagte als tausend Worte

Der BVB feiert mit dem Double 2012 die erfolgreichste Saison der Geschichte - und den wohl größten Triumph über den FC Bayern. Ein Gesichtsausdruck wird zum Sinnbild. Unser Zeitspiel.

Zugegeben: Die feine englische Art war es nicht. Ehrlich gesagt, war es sogar ziemlich unsportlich. Trotzdem zaubert diese Szene den meisten BVB-Fans im Rückblick wohl noch immer ein breites Grinsen ins Gesicht: Ein fassungsloser Arjen Robben schlägt am Mittwochabend, 11. April 2012, im Signal Iduna Park am Elfmeterpunkt die Hände über seinem lichten Scheitel zusammen, schaut benommen ins Leere.

Subotic wie von der Tarantel gestochen

Und ein wie von der Tarantel gestochener Neven Subotic schreit dem Niederländer aus kürzester Distanz ein paar vermutlich sehr unschöne, leider (oder vielleicht: zum Glück!) nicht offiziell überlieferte Worte entgegen. Dabei zeigt er ein Gesicht, dass wohl auch dem damaligen BVB-Coach Jürgen Klopp, selbst bekannt für eine recht emotionales Mimenspiel, Respekt eingeflößt hätte.

Subotics Gesicht wird an diesem Abend und in den kommenden Wochen zum Sinnbild des Triumphs über den Erzrivalen. In diesem Moment war klar: Am heutigen Abend - und in der Spielzeit 2011/12 - gibt es für den Rekordmeister FC Bayern München im Duell mit dem BVB nichts zu holen. Die Borussen entschieden das Spiel am Ende mit 1:0 für sich, zogen vier Spieltage vor Schluss auf sechs Punkte davon und verteidigten ihren Meistertitel aus dem Vorjahr.

Deklassierung im DFB-Pokalfinale

Genau einen Monat später fügten sie den Münchnern zu allem Überfluss eine noch viel empfindlichere Niederlage zu. Im Berliner Olympiastadion deklassierten sie das Team von Jupp Heynckes mit 5:2, schnappten den Bayern so auch noch den DFB-Pokal vor den Augen weg und gewannen zum ersten und bisher einzigen Mal in der Vereinsgeschichte das Double aus Pokal und Meisterschale.

Doch wie war es überhaupt zu der emotionsgeladenen Szene zwischen Subotic und Robben gekommen? Die Bayern reisen als Herausforderer nach Dortmund, wollen mit einem Sieg im Kampf um die Meisterschaft nach Punkten gleichziehen.

Spannende, aber keine hochklassige Partie

Es entwickelt sich eine spannende, wenn auch nicht gerade hochklassige Partie, in der der BVB in der ersten Hälfte den Ton angibt. Die beste Chance vor der Pause hat BVB-Stürmer Robert Lewandowski, der den Ball in der 37. Minute per Kopf an den Pfosten setzt. Doch der BVB kann seine Chancen nicht in Zählbares ummünzen, mit 0:0 geht in die Kabine.

Nach dem Wiederanpfiff agieren die Herausforderer aus München mutiger und übernehmen zunehmend die Spielkontrolle. Doch es sind die Borussen in Person von Lewandowski, die in Führung gehen. Einen flachen Distanzschuss von Kevin Großkreutz lenkt der Pole per Hacke und mit dem Rücken zum Tor stehend an Manuel Neuer vorbei - und bringt den Signal Iduna Park zum Beben.

Der "fliegende Holländer" nimmt Weidenfellers Geschenk an

Acht Minuten später kommt es auf der Gegenseite zur Szene, die die Gemüter erhitzt. Bayerns Flügelstürmer Robben zieht mit Tempo in den Strafraum. BVB-Keeper Roman Weidenfeller stürmt heraus, will die Situation klären. Robben, ohnehin bei vielen als "fliegender Holländer" verschrien, nimmt das Geschenk an, geht zu Boden, Schiedsrichter Knut Kircher zeigt auf den Punkt.

Der Gefoulte tritt selbst an, zielt aus seiner Sicht in die untere rechte Ecke, doch sein Schuss ist zu unplatziert. Weidenfeller riecht den Braten, taucht ab und kann den Ball festhalten. Und während Robben entgeistert die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, kommt Neven Subotic herangerauscht. Und: Kurz vor Schluss setzt Robben den Ball nach einer Heringabe aus wenigen Metern freistehend über das leere BVB-Tor. Der Rest ist Geschichte.

Subotic beschönigt seine Worte am Sky-Mikrofon

Auf die Frage, was er Arjen Robben in der Szene an den Kopf geworfen habe, gibb Subotic nach Abpfiff gegenüber dem Fernsehsender "Sky" übrigens zu Protokoll: "Ich habe keinen Bock auf Schwalben, irgendwas in der Art." Eine wohl eher euphemistische Umschreibung des damaligen BVB-Verteidigers.

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