Konnten sich beim FC Bayern nicht durchsetzen: Jan Kirchhoff (r.) ereilte in München dasselbe Schicksal wie Mario Götze.
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Konnten sich beim FC Bayern nicht durchsetzen: Jan Kirchhoff (r.) ereilte in München dasselbe Schicksal wie Mario Götze.

In jungen Jahren beim Rekordmeister gelandet

Ex-Bayern-Profi gibt zu: Diese zwei Fehler habe ich in München gemacht

Beim FC Bayern sind schon einige hoffnungsvolle Talente gescheitert. Auch Jan Kirchhoff zählt zu dieser Kategorie. Der aktuelle Uerdinger sieht den Grund dafür jedoch in erster Linie bei sich.

  • Jan Kirchhoff spielt seit Sommer 2019 für den KFC Uerdingen in der 3. Liga.
  • Einst galt der Defensivallrounder als großes Talent und spielte sogar beim FC Bayern.
  • Dort machte er laut eigener Angabe zwei entscheidende Fehler.

München - Mit 29 Jahren befindet sich Jan Kirchhoff im besten Fußballeralter. Doch die Höhepunkte seiner Karriere liegen schon lange zurück. Woran er selbst einen beträchtlichen Anteil hat, wie der 18-malige U21-Nationalspieler im Interview mit Spox gesteht. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man als Fußballprofi viele Dinge als Selbstverständlichkeit ansieht“, erklärt Kirchhoff und erinnert sich: „Ich hatte ehrlich gesagt auch eine Zeit lang keinen Bock mehr darauf und keine Motivation. Ich habe dann nicht mehr so viel in meinen Beruf investiert, um erfolgreich zu sein, sondern habe es als reinen Beruf und nicht mehr als echten Leistungssport gesehen.“

Diese gelebte laissez-faire-Mentalität war aber nicht sein größter Fehler. Den sieht der gebürtige Frankfurter in seiner raschen Flucht aus München Anfang 2014 nach einem halben Jahr beim FC Bayern mit überwiegend kurzen Einsätzen: „Wenn ich wirklich eine Sache zurückdrehen könnte, dann hätte ich länger in München bleiben und mehr Demut zeigen sollen.“ Er sei damals „überehrgeizig, zu ungeduldig und auch besessen von meinem Ziel (gewesen), gewisse Dinge zu erreichen“. Immerhin hatte er es mit nur 22 Jahren bereits zum größten deutschen Verein geschafft.

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Ex-Bayern-Profi Kirchhoff: „Bester Fußballer, der ich in meiner Karriere war“

Doch dann folgte eben der abrupte Abgang zum FC Schalke 04, wo sich Kirchhoff jedoch noch vor seinem ersten Einsatz einen Syndesmosebandriss zuzog und damit den Rest der Saison verpasste. Eine Zwangspause zum schlimmstmöglichen Zeitpunkt, denn: „Ich war zu der Zeit der mit Abstand beste Fußballer, der ich in meiner Karriere war.“ Und so wurde Kirchhoff in jungen Jahren komplett ausgebremst.

Nach nur 20 Einsätzen in anderthalb Jahren für die „Königsblauen“ brachte auch die Rückkehr an die Säbener Straße 2015 keine Besserung. Diesmal fing ihn nach einem weiteren enttäuschenden halben Jahr der AFC Sunderland auf - per fixem Transfer. Doch auch dort setzte sich der 1,95 Meter lange Defensivallrounder nicht wie erhofft in Szene und fand sich nach Vertragsende 2017 plötzlich in einer ungewissen Situation wieder: vereinslos und mit ungewisser Perspektive.

Ex-Bayern-Profi Kirchhoff: Nach einem halben Jahr in Bolton zum zweiten Mal vereinslos

Ende Februar 2018 - nach fast acht Monaten in der Zuschauerrolle - schufen ihm die Bolton Wanderers einen Ausweg. Plötzlich hatte Kirchhoff wieder eine sportliche Heimat - in der zweiten englischen Liga. Aber eben auch nur für ein halbes Jahr. Es folgte ab Sommer die nächste Phase ohne Arbeitgeber.

Dennoch will Kirchhoff die Jahre im Mutterland des Fußballs keineswegs missen. „England war die tollste Erfahrung, die ich im Fußball gemacht habe. Es war richtig schön, in ein anderes Land zu kommen, die Sprache zu perfektionieren und neuen kulturellen Input zu bekommen. Ich habe das extrem genossen“, schwärmt er rückblickend bei Spox: „Ich muss auch sagen, dass mich die in Deutschland teils hohen Erwartungshaltungen oder die Suche nach dem berühmten Haar in der Suppe ein Stück weit belastet haben.“

Ex-Bayern-Profi Kirchhoff: Über Frau hat er eine Verbindung nach München

Gute Erinnerungen an das Abenteuer auf der britischen Insel hat Kirchhoff aber auch dank seiner Partnerin Ellen. „Ich habe meine Frau in England kennengelernt, sie studiert jetzt in München. Dort wollen wir auch nach der Karriere wohnen“, verrät der zweimalige Double-Sieger: „Daher ging es bei meinem letzten Wechsel auch darum, eine gute Verbindung nach München zu haben.“

Seit Sommer steht Kirchhoff beim KFC Uerdingen unter Vertrag. Ist Kapitän der Mannschaft. Nach dem Drittliga-Abstieg des 1. FC Magdeburg, bei dem er im Januar 2019 unterkam, schnürt der Ex-Bayern-Profi seine Stiefel für den besonders ambitionierten Verein aus Krefeld, bei dem mit Kevin Großkreutz sogar ein 2014er Weltmeister kickt.

Ex-Bayern-Profi Kirchhoff: Vereinsgelände in den USA angeschaut

Zweifel hätten seine Karriere zuletzt begleitet, vor der Unterschrift in Magdeburg habe sich Kirchhoff sogar damit beschäftigt, die Laufbahn frühzeitig zu beenden. „Es war eine Option, in die USA zu gehen. Dort hatte ich schon Probetrainings absolviert und mir die Vereinsgelände angeschaut“, beschreibt er eine interessante Variante: „Ich habe mir dann eine Deadline gesetzt und gesagt, wenn bis Dezember nichts für das Januar-Transferfenster kommt, dann war's das.“

Nun sorgt er vor, will seinen Trainerschein machen und wie seine Frau studieren. Dann kann Kirchhoff auch weitergeben, was sein Münchner Trainer Pep Guardiola ihn lehrte. Denn das sei eine Menge gewesen: „Wie Pep das Spiel vereinfacht und zeigt, wie man zum Ball oder im Feld steht, ist schon herausragend. Es sind dutzende kleine Details, die man auch vorher vielleicht kannte. Nach zwei Monaten Training unter ihm haben jedoch so viele Dinge mehr Sinn ergeben und waren für uns Spieler so viel einfacher umzusetzen.“

Ex-Bayern-Profi Kirchhoff

In diesen Genuss kam Kirchhoff jedoch nur für zwei Halbserien. Seit seinem endgültigen Abgang aus München beobachtet er die Bundesliga nur noch aus der Ferne. Wobei eine minimale Hoffnung auf eine Rückkehr in die Beletage des deutschen Fußball weiterhin lebt: „Wenn mir jemand anbieten würde, morgen als vierter Innenverteidiger in die Bundesliga zu wechseln, müsste ich wahrscheinlich trotzdem nicht lange überlegen. Weil ich immer noch den höchstmöglichen Anspruch habe und auf dem höchstmöglichen Niveau spielen möchte.“

Daran hat sich in all den Jahren nichts geändert. Trotz der Rückschläge und Enttäuschungen, die auf seine Zeit beim FC Bayern folgten.

Ein anderer Ex-Bayern-Profi wirft Niko Kovac vor, Schuld zu sein am Abgang mehrerer Stars. Wie Kirchhoff nach der Karriere könnte sich ein weiterer ehemaliger Roter eine Rückkehr nach München vorstellen.

mg

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