Liverpool-Trainer im Fokus

Jürgen Klopp platzt live im TV erneut der Kragen: „Dann flippe ich wirklich aus“

In der Premier League läuft eine hitzige Diskussion, die Jürgen Klopp munter befeuert. Es geht um TV-Verträge, Auswechslungen und den Spielplan. Am Ende wird der Liverpool-Coach zensiert.

  • Jürgen Klopp mokiert sich öffentlich über die Auswechselregelung in England - und die Spielansetzungen.
  • Dafür kassierte er den Konter eines Trainerkollegen. Der wirft dem Liverpool-Teammanager offen Egoismus vor.
  • In einem TV-Interview wettert der LFC-Coach gegen die TV-Anstalten und fordert Veränderungen.

Update vom 23. November, 17.35 Uhr: Nächste Runde in der Debatte um die Überbelastung von Fußballprofis in der Premier League. Diesmal ist es Jürgen Klopp, der in einem TV-Interview Stellung nimmt und dabei ziemlich emotional wird. Der Trainer des FC Liverpool kritisiert neuerlich die Ansetzungen im Hinblick auf die TV-Verträge: „Wenn jemand am Mittwoch Champions League spielt, darf er nicht am Samstag um 12.30 Uhr wieder spielen“, fordert „Kloppo“ gegenüber Sky und ergänzt: „Passiert bei uns nächste Woche schon wieder.“ Nach der Partie am Mittwoch gegen Atalanta Bergamo spielt der amtierende Meister in der englischen Liga schon am Samstagmittag wieder - bei Brighton & Hove Albion.

Der 53-Jährige riet dazu, die TV-Verträge „der Realität anzupassen“, mit der Begründung: Die Welt sei angesichts Corona „ein anderer Ort, als sie war, als die Verträge unterschrieben wurden“. Ob er damit auch die eklatant hohen Fernsehgelder meint? Schließlich beruhen die Anstoßzeiten der Premier League auch auf den sprudelnden Einnahmequellen aus internationaler Vermarktung. Nichtsdestotrotz fordert der frühere Bundesliga-Trainer: „Die TV-Anstalten müssen zusammen reden.“

Jürgen Klopp: Liverpool-Coach wütet im Interview gegen TV-Anstalten und Auswechslungen

Darüber hinaus ärgert sich Klopp weiter die Reduzierung der Auswechslungen in der Premier League, mittlerweile sind statt fünf wieder nur drei erlaubt. „Wir haben alle Argumente gebracht. Wenn Leute da am Ende draus machen, dass wir aus Eigennutzen handeln, kann ich das offensichtlich nicht ändern, weil es ist einfach komplett an der Wahrheit vorbei“, so der Coach der „Reds“.

„Provoziert“ wurde Klopp übrigens durch die Frage eines Reporters, warum er im Topspiel gegen Leicester City (3:0) erst kurz vor Schluss sein Wechselkontingent ausschöpfte. Die Antwort: „Weil wir ständig dran denken müssen, dass jemand verletzt zu Boden geht. Wenn wir früher wechseln und jemand verletzt sich, beenden wir das Spiel zu neunt“, so der Kulttrainer. Der Rundumschlag des Deutschen wurde vielfach bei Twitter geteilt, bei Sky Sports selbst ist das entsprechende Interview offenbar nicht mehr abrufbar:

Er fordert, dass sich die beiden übertragenden TV-Anstalten auf der Insel - Sky und BT Sport - zusammensetzen und eine Lösung finden. Demzufolge wünscht sich der Übungsleiter eine Entzerrung des Spielkalenders. Als der Reporter im späteren Verlauf des Gesprächs darauf zurückkam, dass die Klubs dem milliardenschweren TV-Vertrag doch selbst zugestimmt hatten, entgegnete „Kloppo“: „Fangt endlich an zu sprechen und trefft Entscheidungen. Ich mag unsere Beziehung. Aber wenn mir noch jemand etwas über diese Verträge erzählt, flippe ich wirklich aus. Denn die Verträge sind nicht für eine Saison mit Covid gemacht.“

Ob das Anliegen des FC-Liverpool-Trainers Gehör findet? Mit Naby Keita hat sich am Wochenende ein weiterer Akteur des Titelverteidigers verletzt.

Klopp-Kritik sauber gekontert! Trainer-Kollege wirft Liverpool-Coach Egoismus vor

Ursprungsartikel vom 21. November: Sheffield/München - Jürgen Klopp* ist nicht nur wegen seiner Erfolge ein Phänomen. Dem Teammanager vom FC Liverpool fliegen nach wie vor die Herzen zu. Obwohl seine Mannschaft nach dem Champions-League-Triumph 2018/2019 zuletzt eine Saison lang die Premier League* quasi nach Belieben dominierte und dem Titelkampf* damit jegliche Spannung nahm. Für gewöhnlich kommt da schnell Neid auf in der Fußball-Welt und damit verbunden die unverhohlene Hoffnung auf rasche Erdung des Überfliegers.

Doch bei Klopp scheinen derlei Gesetzmäßigkeiten nicht zu gelten. Was wohl auch dem sonnigen Gemüt und der unverfälschten Art des gebürtigen Stuttgarters zu verdanken ist. Umso mehr sorgt jede offen vorgetragene Kritik an ihm für umso mehr Staunen. Doch Chris Wilder ging es mit seiner jüngsten Einlassung in Richtung Klopp sicher nicht in erster Linie darum, seinen Namen in die Schlagzeilen zu bringen.

Shakehands an der Anfield Road: Chris Wilder (r.) verlor mit Sheffield United beim FC Liverpool um Kapitän Jordan Henderson mit 1:2.

Egoismus-Vorwurf gegen Klopp: „Schauen nur auf ihre eigenen Klubs“

Der Coach von Sheffield United, dem Überraschungsteam der vergangenen Saison, kämpft vielmehr öffentlich um Gehör für die kleineren Klubs. Und so warf er seinem prominenten Trainer-Kollegen eine gehörige Portion Egoismus vor. Ohne das wirklich zu verurteilen.

„Legen wir die Karten auf den Tisch, ihm geht es um seinen eigenen Klub“, stellte der Ex-Profi bei einer Pressekonferenz fest: „Ich habe unbeschreiblichen Respekt vor diesen Top-Trainern, weil sie großartige Resultate erzielen und Titel gewinnen.“ Aber dann kommt das zur Sprache, was Wilder doch gegen den Strich geht: „Sie sind egoistisch und schauen nur auf ihre eigenen Klubs. Sie scheren sich nicht darum, was das für Sheffield United bedeutet oder für England. Es geht ihnen nur um Liverpool, ManCity und Chelsea - was ich verstehen kann und respektiere.“

Egoismus-Vorwurf gegen Klopp: Hintergrund ist eine Diskussion um die Anzahl der Auswechslungen

Doch worum geht es überhaupt? Unter den Trainern der Premier League ist eine Diskussion über die Anzahl der Auswechslungen in der eng getakteten Saison entbrannt. Während alle anderen großen Ligen die Regelung mit fünf Tauschmöglichkeiten pro Partie beibehielten, wechselte Englands Oberhaus zurück zur Anzahl, die vor der Corona-Krise erlaubt war.

Daran stören sich die Klubs der international mitmischenden Top-Klubs, zumal sie immer wieder Verletzungen zu beklagen haben und bis zur EM im kommenden Sommer quasi keine Verschnaufpause mehr winkt. Stattdessen jagt eine Englische Woche die nächste. Die Kritik aus Liverpool, Manchester und London, die sich auch gegen Ansetzungen am Samstagmittag nach Europapokal-Wochen richtet, ist auf der einen Seite nur zu verständlich.

Hätte gerne mehr Auswechsel-Möglichkeiten: Liverpools Teammanager Jürgen Klopp ist mit der neuen Regelung in der Premier League nicht glücklich.

Egoismus-Vorwurf gegen Klopp: Kleinere Klubs sehen in mehr Auswechslungen Schwächung

Was auch Wilder keineswegs bestreitet: „Ich würde es ja genauso sehen, aber ich kümmere mich um Sheffield United und uns helfen fünf Auswechslungen nicht.“ Ehrliche Worte. Das Argument der kleinen Premier-League-Vereine: Ihre Kader sind in der Breite bei weitem nicht so stark besetzt, so dass sich jeder Wechsel negativ auf die Qualität der Elf auswirkt. Während Klopp, Pep Guardiola oder Frank Lampard auch mit Spieler Nummer 16 das Niveau hochhalten können.

Folglich fürchten Wilder und Co., dass der Vorteil der reichen Klubs mit einer Rolle rückwärts noch zunehmen würde. Sein Team lag vor dem 9. Spieltag mit nur einem Punkt ohnehin schon am Tabellenende. Während andere Underdogs mehr aus der aktuellen Schwächephase der Granden machen: Leicester City, Sensationsmeister 2015/2016, ging als Tabellenführer in die Länderspielpause, der FC Southampton um Teammanager Ralph Hasenhüttl und Fast-Absteiger Aston Villa mischen im oberen Tabellendrittel mit.

Egoismus-Vorwurf gegen Klopp: „Mein Mitgefühl ist nicht gerade immens“

Auch Wilder dürfte auf die eine oder andere Überraschung gegen die Großen hoffen. Deshalb kann er mit der Kritik am Spielplan auch rein gar nichts anfangen: „Da ist mein Mitgefühl nicht gerade immens. Wenn ManCity am Mittwochabend in der äußeren Mongolei spielt und dann am Samstag um 12.30 Uhr wieder angesetzt ist, dann müssen sie eben am Samstag um 12.30 Uhr wieder spielen.“ So weit geht die Sympathie für Everybodys Darling Klopp dann doch nicht. Zumindest in Sheffield. (mg) *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Auch beim Topspiel bei Manchester City verlor Klopp einen wichtigen Spieler wegen einer Verletzung. Um Liverpools Stürmerstar Mohamed Salah gab es Verwirrung, nachdem ein Party-Video viral ging*. Jüngst holte Klopp bei den „Reds“ ein deutsches Wunderkind zu den Profis*.

Rubriklistenbild: © Laurence Griffiths / POOL / AFP

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