Elfmeterschießen
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Reine Nervensache: Elfmeter, wie hier im Duell von Torwart Nedim Caliskan (SW Meckinghoven) 2019 gegen Emrah Bicakci (Kültürspor Datteln), haben immer ein besonderes Flair.

Fußball

Mann gegen Mann - das macht die Faszination Elfmeterschießen seit 50 Jahren aus

  • Meike Holz
    vonMeike Holz
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  • Jochen Börger
    Jochen Börger
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Seit einem halben Jahrhundert gehört das Elfmeterschießen zum Fußball wie die Bratwurst zu einem anständigen Kreisliga-Kick. Eine Bestandsaufnahme:

Selbst in die große Weltliteratur hat es diese vermeintlich so kleine, aber doch so wichtige Fußball-Regel geschafft. „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ betitelte Peter Handke 1970 seine Erzählung. Das passte damals in die Zeit, nachdem das Elfmeterschießen damals offiziell salonfähig wurde. Aber haben Torhüter seit einem halben Jahrhundert wirklich Angst, wenn der Kontrahent exakt elf Meter entfernt zur Tat schreitet? Lassen wir jene Zeitgenossen sprechen, die mit dem Elfer groß geworden sind.

Der Ex-Torwart (heute Trainer): Sein Name: Christian Kelm. Seine Heimat: Oer-Erkenschwick. Das Tor hütete er in Recklinghausen bei der Spvgg. 95/08, dem SV Hochlar 28 und in seiner Heimatstadt bei der Spvgg. Dort ist der 54-Jährige auch heute noch für die Ausbildung der Keeper verantwortlich. Elfer-Training ist im Repertoire, „aber speziell ausgerichtete Einheiten gibt es nicht“, erzählt „Kelmi“. Er selbst bezeichnet sich bei der Frage, ob er der klassische „Elfmeter-Killer“ sei, als einen „50:50-Typen“. Aber einmal war er hundertprozentig auf der Hut und wie ein Panther unterwegs. 1990, Bezirksliga-Spiel der schwarz-roten Reserve auf Asche gegen Hansa Scholven. Die Spvgg. führt mit 1:0, die Gelsenkirchener bekommen einen Strafstoß – und „Kelmi“ rettet mit einer beherzten Parade den Sieg.

„Die Zuschauer blende ich aus“

Der Schütze: Der Mann auf der anderen Seite in dieser „Eins-zu-Eins-Situation“, die schon so manches Adrenalin hat freisetzen lassen. Verantwortung ist dann gefragt. Sinan Özkaya ist so einer, der in solchen Minuten nicht einfach wegrennt. 31 Jahre alt, also durchaus mit fußballerischer Erfahrung gesegnet – was ja beim „Mann gegen Mann“ nur von Vorteil sein kann. Aktuell kickt er beim B-Kreisligisten BW Westfalia Langenbochum II. Özkaya gilt als Prototyp des sicheren Elfer-Schützen. Weil er ein ganz einfaches Rezept hat: „Die Zuschauer blende ich aus, lege mit den Ball zurecht, suche mir eine Ecke aus und schieße.“ Oft dreht er dann jubelnd ab – klar, Fehlversuche gab es auch schon mal. Über einen ärgert sich Özkaya dann aber doch. Im Oktober 2019 kämpfte er mit Bezirksligist SG Suderwich gegen die Spvgg. Erkenschwick um den Einzug ins Kreispokal-Achtelfinale. Der Favorit wankte, doch Özkaya verschoss den letzten Versuch. So kann es auch gehen.

Der Keeper: Am Mann zwischen den Pfosten muss man auch erst einmal vorbeikommen. Das gelingt in Spielen des FC/JS Hillerheide nicht immer. Weil beim A-Kreisligisten Michel Schnell zwischen den Pfosten steht.

„Als Torhüter kann man nur gewinnen“

„Als Torhüter kann man nur gewinnen und schon zu einem kleinen Helden werden“, sagt der 34-Jährige und erinnert sich an eine Entscheidung vom Punkt. Die war zwar nicht auf dem grünen Rasen und nicht aus elf Metern, bei der Hallenfußball-Stadtmeisterschaft hielt der Schlussmann aber glänzend. Schnell bekennt offen: Elfmeterschießen sind Glückssache. Der Schnapper beobachtet den Schützen: „Blickt er häufiger in eine Ecke? Das kann aber auch ein Trick sein.“ Zu lange abzuwarten, wie sich das Gegenüber entscheidet, geht auch nicht.

„Es macht Spaß“, sagt der Torhüter, der lange Feldspieler war und selbst auch antritt. Es macht Spaß“, sagt der Torhüter, der lange Feldspieler war und selbst auch antritt. Aber nur, wenn es ein Elfmeterschießen gibt. „Im regulären Spielverlauf selbst mache ich das nicht.“ Das ist Ehrensache.

52 Schüsse bis zur Entscheidung

Ein Elfmeterschießen wird seit 1976 weltweit angewendet, wenn ein Fußballspiel einen Sieger benötigt, dieser aber zum Ende der Spielzeit nicht feststeht.

Karl Wald, langjähriger Schiedsrichter, hatte Ende der 60er-Jahre die Idee zum Elfmeterschießen. Der gebürtige Frankfurter ärgerte sich darüber, das Spiele per Los oder Münzwurf entschieden würden.

Dieter Thun, Kapitän des VfL Wolfsburg, verwandelt am 23. Dezember 1970 den allerersten Elfmeter im allerersten Elfmeterschießen des DFB-Pokals.

Das längste Elfmeterschießen lieferten sich zwei tschechische Fünftligisten: Der SK Batov und FC Frystak brauchten sage und schreibe 52 Schüsse vom Punkt, bis das 22:21 amtlich war. Nach 90 Minuten stand’s 3:3.

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