So gehört es sich: Die Ersatzspieler von Borussia Mönchengladbach applaudieren mit dem nötigen Abstand ihren Kollegen auf dem Rasen. Im Amateurfußball sind aktuell aber nur vier Wechselspieler möglich.
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So gehört es sich: Die Ersatzspieler von Borussia Mönchengladbach applaudieren mit dem nötigen Abstand ihren Kollegen auf dem Rasen. Im Amateurfußball sind aktuell aber nur vier Wechselspieler möglich.

Fußball

Wie viele Wechsel sind erlaubt? NRW-Regierung stellt klar

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  • Thomas Braucks
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Die Amateurklubs im Kreis starten in die Vorbereitung und fragen sich: Wie viele Spielerwechsel sind in einem Test eigentlich erlaubt? Jetzt hat die NRW-Regierung reagiert. 

  • Testspiele im Fußball sind wieder erlaubt - mit 30 Teilnehmern. Trainer und Betreuer werden dabei nicht mitgezählt, wohl aber die Ersatzspieler. 
  • Wer in der Praxis dazu gehört, darüber wurde in einigen Städten heiß diskutiert. 
  • Die Landesregierung hat auf die Diskussion reagiert und die Sportverbände und Sportbünde am Donnerstagmorgen über die genaue Regelung informiert. 

Update, 23. Juli, 10.30 Uhr

Der Fußball- und Leichtathletik Verband (FLVW) hat seine Mitgliedsvereine nicht korrekt informiert, die aktuelle Corona-Schutzverordnung offenbar falsch interpretiert, wie wir bereits am Mittwoch berichteten. Das führte bei vielen Vereinen und Funktionären für Verwirrung. Darauf hat nun die Landesregierung - offenbar nach den Recherchen unserer Redaktion und einer Anfrage der Stadt Castrop-Rauxel - reagiert und die Sportverbände, Sportbünde und Kommunen über die richtige Auslegung informiert. 

Nachtrag aus Düsseldorf

In dem Nachtrag aus Düsseldorf von Andrea Milz, NRW-Staatssekretärin für Sport, heißt es: 

"Sinn und Zweck der Coronaschutzverordnung ist die Vermeidung von Kontakten in einem gewissen Zeitraum. Von Seiten der Landesregierung Nordrhein-Westfalen wird deshalb empfohlen, dass eine Person an einem Kalendertag in Verbindung mit der Sportausübung nicht mit mehr als 29 anderen Menschen den Mindestabstand von 1,5 Metern unterschreitet (vgl. § 9 Abs. 2). Dies muss auch bei Auswechselspielerinnen und -spielern sowie Schiedsrichtern etc. berücksichtigt werden, unter Einbeziehung möglicher Aufenthalte z. B. in Funktionsräumen. 

Trainer gehören zu den Zuschauern

Darüber hinaus ist die Anwesenheit weiterer Personen (Trainer, Betreuer etc.) während eines Wettkampfs zulässig, so lange dabei die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Diese Personen werden den 300 Personen nach § 9 Abs. 3 zugerechnet – unter der Beachtung der entsprechenden Schutzmaßnahmen und Sicherstellung einer Rückverfolgbarkeit nach § 2a Absatz 1. Außerhalb des Sports ist es nur maximal 10 Personen erlaubt, sich auf weniger als 1,5 Meter Abstand zu nähern (vgl. § 1 Absatz 2 CoronaSchvO). 

30 Fußballer dürfen teilnehmen

Zusammengefasst bedeutet dies, dass eine Mannschaft aktuell nur ein Spiel pro Kalendertag durchführen darf, wenn die maximale Anzahl von 30 Personen - die sich näher als 1,5 Meter kommen - eingehalten wird. Sofern die Mannschaften sich nicht durchmischen, können mehrere Spiele an einem Tag parallel stattfinden. Weitere Entscheidungen bzw. Vorgaben obliegen jedoch den kommunalen Behörden."

Hier unsere ursprüngliche Berichterstattung vom Mittwoch:    

Am Samstag hat sich TuS 05 Sinsen mit dem Oberligisten SV Rhynern zum ersten Testspiel verabredet. Und weil der TuS 05 ein seriös geführter Klub ist und nichts falsch machen will, hat der Verein den Marler Stadtsportverband (SSV) kontaktiert. 

Schnieders liegt falsch

Die Sinsener Frage lautet, wie denn ein Passus der Corona-Verordnung vom 15. Juli zu verstehen sei. Da heißt es: Kontaktsport für Gruppen von bis zu 30 Personen sei möglich. 

Das Problem: Mit Wechselspielern kommt man bei zwei Teams schnell auf mehr als 30 Spieler. Für den Westfälischen Fußballverband (FLVW) ist das kein Problem: „Die ‚30‘ bezieht sich auf die Personen, die aktiv am Spiel auf dem Platz beteiligt sind“, so der Vizepräsident Amateurfußball Manfred Schnieders

Verband meint: Beliebig viele Wechsel möglich

Für den FLVW sind das: Elf gegen elf Fußballer, dazu die Schiedsrichter, die beiden Trainer sowie Betreuer oder Physio. Summa summarum also keine 30 Personen. Eine Auswechslung ändere das nicht, so Schnieders auf der Homepage des Verbandes: „Eine Mannschaft kann also beliebig viele Spielerinnen oder Spieler einsetzen.“ 

Kicken und munter durchwechseln? Das sehen nicht alle so. Und schon gar nicht der SSV Marl. „Der Sinn der Corona-Verordnung ist ja die Begrenzung von Kontakten“, sagt Stadtsportverbands-Geschäftsführer Andrè Mölleken. Der SSV schließt sich dem Landessportbund an, wonach eine Kontaktobergrenze pro Sportler von 29 maßgeblich ist. 

Diese Grenze hat jetzt auch Petra Völker, Geschäftsführerin beim Kreissportbund, in einem Schreiben an alle SSV im Kreis noch einmal eingeschärft. Die Interpretation der Fußballer hält sie für grundfalsch. Wenn bei einem Fußballspiel nach Lust und Laune gewechselt würde, hätte ein Spieler, der von Anfang bis Ende auf dem Platz steht, nicht nur mit 29 anderen Kickern Sport getrieben. Es könnten sogar deutlich mehr werden. „Das entspricht nicht den Vorgaben“, sagt Petra Völker.

Ordnungsamt Marl setzt Grenzen

Das Ordnungsamt der Stadt Marl schließt sich dem an. Durchaus denkbar also, dass das Ordnungsamt auf dem einen oder anderen Fußballplatz kontrolliert. Dem TuS 05 Sinsen und allen Vereinen in der Stadt sei die Sichtweise des SSV Marl mitgeteilt worden, sagt André Mölleken. 

In anderen Städten im Kreis sieht man das entspannter. In Recklinghausen zum Beispiel. Es gebe eben unterschiedliche Auslegungen der Corona-Schutzverordnung, sagt SSV-Geschäftsführer Werner Metz, der im Fachbereich Bildung und Sport der Stadt Verantwortung trägt. 

Recklinghausen mahnt seine Vereine, auf der Hut zu sein. „Wir werden beim Fußball jetzt nicht die Spielerwechsel kontrollieren“, sagt Metz – im Vertrauen darauf, dass alle Klubs den Spielraum, den die jüngsten Lockerungen geben, verantwortlich zu nutzen wissen. 

Auch in Herten löst das Schreiben vom KSB keinen Alarm aus. „Wir sollten die Kirche mal im Dorf lassen“, sagt Brigitte Rode aus dem Sportbüro der Stadt.

Corona-Experte sorgt für Aufklärung 

Bleibt die Frage: Wer liegt nun richtig? Der Verband? Oder KSB und SSV mit ihrer strikten Auslegung? Aufklärung kam am frühen Mittwochabend vonAbteilungsleiter Markus Leßmann aus dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW. „Richtig ist die Interpretation des Landessportbundes“, stellte der Politiker klar. „Wenn eine Gruppe in einem Event Sport ohne Abstandsgebot macht, sind nicht mehr als 30 Teilnehmer erlaubt.“ 

Trainer und Schiri sind keine Sportler 

Aber: Zu den Kontaktsportlern zählen beim Fußball nicht die Schiedsrichter und die Trainer. „Zwar können Schiedsrichter auch mal angerempelt werden, doch das passiert beim Joggen auch“, sagt der Experte für die Corona-Schutzmaßnahmen.

Damit ist klar: Testspiele sind möglich, Spielerwechsel auch – aber nicht unbegrenzt: Jeweils elf Spieler pro Mannschaft stehen auf dem Platz, vier dürfen eingewechselt werden. Macht 30. Die Ersatzspieler, so Leßmann, sollten aber mit Abstand (1,5 m) auf ihre Einsätze warten.

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