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Aufregender Regionalliga-Fußball vor großer Kulisse: Gegen Rot-Weiß Essen konnte sich Aufsteiger TuS Haltern über eine satte Einnahme freuen.

Amateursport

Das Coronavirus macht auch dem Sport an der Basis im Kreis schwer zu schaffen 

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Nicht nur die Profis und der Fußball sind betroffen: Das Coronavirus und die Sorgen um eine Infektion machen auch dem Sport an der Basis schwer zu schaffen.

  • Tischtennisspieler verlegen Spiele oder sagen ab.
  • Veranstalter von Wettbewerben stehen unter Druck
  • Vereine müssen um Einnahmen fürchten. 

"Wir werden nie 1000 Zuschauer oder mehr haben“, sagt Heiko Gröne, Vorsitzender des Dattelner Tischtennis-Vereins TTC Blau-Weiß mit Blick auf die Forderungen des Landes NRW, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen abzusagen. Für gewöhnlich sind es im unterklassigen Tischtennis nicht mal ein Dutzend. Und doch treibt das Coronavirus auch den Sport um.

„Der größte Feind ist für uns der Ball“, sagt Gröne. Die Dattelner hatten am vergangenen Freitag um Verlegung ihres Bezirksliga-Meisterschaftsspiels gegen Westfalia Senden gebeten und von der Staffelleitung das Okay bekommen. In Senden gibt es Corona-Verdachtsfälle.

Zwei Jahre darauf hingearbeitet

Warum der Ball der größte Feind für den Tischtennisspieler ist, erklärt Gröne so: „Selbst, wenn der Fall unwahrscheinlich ist: Sollte ein Spieler infiziert sein, kann er niesen oder schneuzen, anschließend fasst er den Ball an. Später nimmt der Gegenspieler den Ball, wischt sich den Schweiß aus dem Gesicht oder über den Mund – schon ist es passiert.“

Gröne hat vor allem die eigene Jugend im Hinterkopf: „Am 29. März geht die U18 in die Aufstiegs-Relegation. Ein Ziel, auf das sie zwei Jahre lang hingearbeitet hat. Was passiert, wenn sie unter Quarantäne gestellt wird?“

Wie den Dattelnern geht es Hobbysportlern überall im Kreis, das Virus bedroht den Sportbetrieb. Am Sonntag wurde in der Fußball-Landesliga das Spiel zwischen dem SV Dorsten-Hardt und Westfalia Ahaus vom Verband abgesetzt. Gastgeber SV Hardt hatte Bedenken angemeldet, in Ahaus gibt es mehrere Infektionsfälle.

Das Telefon steht nicht mehr still

Voller Sorge blicken viele Organisatoren von Sportveranstaltungen aufs nächste Wochenende. Wie Claudia Laser-Hartel, Vorsitzende des Tanzsportclubs (TSC) Recklinghausen. Bei ihr steht das Telefon nicht still. Eine Frage beschäftigt die Anrufer: Finden die fürs Wochenende geplanten Liga-Turniere im Jazz- und Modern/Contemporary in der Suderwicher Günter-Hörster-Halle statt?

„Nach aktuellem Stand ja“, sagt die Oer-Erkenschwickerin. Sie beruft sich auf Empfehlungen des Tanzsportverbandes und des Deutschen Olympischen Sportbundes: „Bei uns werden keine 1000 Besucher sein, in die Halle dürfen maximal 500.“

Dennoch will der TSC die Entwicklung beobachten und Empfehlungen des Kreisgesundheitsamtes abwarten. Eine Absage wäre ein Schlag: Pokale, Musikanlage und Verpflegung sind geordert und müssen bezahlt werden.

Nicht gefährdet scheint nach den Vorgaben des Landes das Programm der Amateurkicker im Kreis, auch das Westfalenliga-Derby Spvgg. Erkenschwick – TuS 05 Sinsen nicht. Das Hinspiel wollten 300 Zuschauer sehen. Auf eine fette Einnahme hat dagegen der TuS Haltern in der Regionalliga gehofft. Der Aufsteiger empfängt Rot-Weiß Oberhausen. Wegen des zu erwartenden Andrangs von Gäste-Fans ein „Sicherheitsspiel“, für das der TuS ins Lohrheidestadion in Wattenscheid umzieht.

Nur noch Sponsoren und Dauerkarten-Inhaber?

Ob und unter welchen Umständen, das Spiel stattfindet, war am Dienstag offen: Der Westdeutsche Fußball-Verband sieht von generellen Spielabsagen ab und verweist auf die Gesundheitsämter vor Ort. Gast RWO erwägt, bei seinen Heimspielen nur Sponsoren und Dauerkarten-Inhaber Zutritt zu gewähren: Damit würde die Zuschauerzahl von 1000 nicht erreicht.

Gut wer angesichts der auch für den Sport ernsten Lage nicht den Humor verliert. Wie Christian Knappmann vom Fußball-Oberligisten Westfalia Herne. Wo sie nun schon keine Bundesliga-Spiele besuchen dürften, hätten Fans die „moralische Pflicht, die Amateure vor Ort zu supporten“, sagt der Trainer. Und fügt mit Blick aufs nächste Spiel am Sonntag schlitzohrig hinzu: „Wir von Westfalia freuen uns auf999 Besucher gegen Ennepetal.“

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