Bundesligaspieler im E-Hockey

Lars Dyringer braucht einen neuen Rollstuhl für sein Hobby

CASTROP-RAUXEL. - Lars Dyringer spielt Elektro-Rollstuhl-Hockey in der 1. Bundesliga. Eine bislang eher unbekannte Sportart, die allerdings sehr teuer ist. Denn um sein Hobby weiter ausüben zu können, braucht Dyringer einen neuen Rollstuhl. Für die Finanzierung hofft er auf viel Unterstützung.

Lars Dyringer holt mit seinem Rollstuhl leicht aus. Dafür muss er sein Gefährt auf der Stelle drehen. Die tennisballgroße Kugel, die innen hohl und deren Oberfläche zusätzlich mit Löchern übersät ist, erwischt er voll. Mit seinem Festschläger, der an der Spitze des Rammschutzes am Rollstuhl montiert ist. Dieser befindet sich vor den Beinen des Castrop-Rauxelers.

Dass Lars Dyringer damit gut umgehen kann, ist keine Überraschung. Der 21-Jährige gehört zu den Besten in Deutschland, denn er spielt mit den Ruhr-Rollers, die dem eigentlich durch den Handballsport bekanntem Verein TUSEM Essen angehören, in der 1. Bundesliga. Die Sportart des jungen Castrop-Rauxelers ist kaum bekannt. Für alle Akteure stellt das ein riesiges Problem dar. Fehlt Interesse und Popularität, dann ist auch immer wieder das Geld knapp. Im Behindertensport ist der Effekt umso größer. Der Rollstuhlfahrer leidet an der Krankheit Muskeldystrophie Typ Duchenne. Seine Muskeln werden dadurch immer schwächer. Und genau hier beginnt die Geschichte von Lars Dyringer, die genauso wert ist, erzählt zu werden, wie seine sportlichen Leistungen.

16.000 Euro werden benötigt

Crowdfunding boomt. Es ist der Versuch, Kapital zu gewinnen, mit dem später ein größeres Projekt umgesetzt werden kann. "Schwarmfinanzierung" ist ein deutsches Synonym, welches die Internet-Plattform "Gruenderszene" dafür verwendet. Genau dort findet es meist statt: im World Wide Web, relevant für Start-Ups, kleine Firmen oder - auf der untersten Ebene - Privatpersonen. So wie Lars Dyringer eine ist. Mit anderen Worten: Der Castrop-Rauxeler benötigt Geld. Eine ziemliche große Summe sogar, insgesamt 16.000 Euro. Für einen neuen Rollstuhl, damit er E-Hockey weiterhin auf diesem Niveau ausüben kann.

Etwas mehr als die Hälfte hat Dyringer, der aktuell sein Fachabitur am Berufskolleg in Castrop-Rauxel mit der Richtung Wirtschaft und Verwaltung meistert, bereits gesammelt Stand Donnerstagmittag waren es ungefähr 8.500 Euro. "Mein aktueller Rollstuhl ist schon älter und wird allmählich zu klein", sagt Lars Dyringer, der anfangs ein wenig zurückhaltend wirkt, aber dann immer mehr berichtet. "Auch von der Wendig- und Geschwindigkeit her ist er zu langsam."

Keine Unterstützung von der Krankenkasse

Zehn oder elf Jahre, so schätzt es der Castroper, müsste es jetzt her sein, als er mit der Sportart begonnen hatte. Damals in einer AG an der Schule am Haus Langendreer, einem LWL-Förderzentrum mit dem Schwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung. "Sonst hätte ich Rollstuhlhockey wohl niemals für mich entdeckt", glaubt Lars Dyringer. Kurz danach bekam der junge Mann seinen ersten Rollstuhl, der für den Sport gemacht ist. Diesen hat er immer noch. Auf die Krankenkasse kann er bei der Neuanschaffung aber leider nicht zählen. Die finanziert ausschließlich seinen Rollstuhl für den normalen Tagesgebrauch, weil E-Hockey offiziell nur ein Hobby ist.

Für Lars Dyringer ist es aber weit mehr als das. Daher versucht er nun, das Geld auf eigene Faust zusammen zu bekommen - wie es zwei Teamkollegen geschafft haben, die dafür aber knapp zwei Jahre Zeit benötigten. Dyringer will etwas schneller sein. "Möglichst sogar schon bis zum nächsten Bundesliga-Spieltag im Mai", sagt er. Einen Großteil des Betrags hat er seit Sommer vergangenen Jahres über Stiftungen gesammelt. Ungefähr 40 Anfragen hat er gestellt, vier davon haben eine Spende bewilligt. "Es heißt dann immer, dass es stiftungsintern geprüft wird. Irgendwann kommt dann eine Zu- oder Absage."

Bis zum Alter von neun Jahren konnte er laufen

Das größte Problem sei, dass die Sportart einfach nicht bekannt genug ist. Auch im Verband sind die Gelder knapp. Im Gegensatz zum Fußball. Dem runden Leder ist Lars Dyringer früher ab und zu hinterhergerannt. Bis er neun Jahre alt war, konnte er nämlich noch laufen. Darüber hinaus hat er Keyboard gespielt. Auch dafür kann er sich mittlerweile nicht mehr genug bewegen.

Mit Rollstuhlhockey hat er zum Glück eine Alternative gefunden, die ihm großen Spaß macht. Auf dem Spielfeld kommt er eher in der Abwehr zum Einsatz. Manchmal kommt er aber auch mit nach vorne, um selbst das 2,50 Meter breite Tor in der Halle zu treffen.

In der Liga geht es für Lars Dyringers Ruhr-Rollers noch um den Klassenerhalt in der 1. Bundesliga, aus der die Essener vor zwei Spielzeiten abgestiegen sind. Sie packten allerdings den direkten Wiederaufstieg. Lars DyringersTraum ist es übrigens, in der Nationalmannschaft zu spielen. Dann hoffentlich in einem neuen Rollstuhl.

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