Spielbeobachter im Amateurfußball

In der Bezirksliga wird der Konkurrent zum Informanten

Bei den Profis gehört es zum Alltag, dass Trainer Gegner durch Scouts beobachten lassen. Aber wie sieht es eigentlich bei den Amateuren aus? Wir haben uns umgehört.

Auch für die Trainer der Fußball-Landesligisten FC Frohlinde und SV Wacker Obercastrop sowie bei der SG Castrop und der Spvg Schwerin in der Bezirksliga geht es Woche für Woche darum, sich auf den nächsten Gegner einzustimmen. Aber Scouting? Spielbeobachter? Gibt es das? Nicht so akribisch, sagen sie alle bei einer Umfrage unserer Redaktion. Aber schon ein bisschen speziell.

Frohlindes Coach Stefan Hoffmann sagt: "Wir machen das nicht mit einer extra abgestellten Person, die eine Aufwandsentschädigung bekommt." Bei der Vorbereitung auf den nächsten Gegner befragt man stattdessen Trainerkollegen aus der Liga befragt - also den Konkurrenten. Das bestätigt auch Hoffmanns Kompagnon Michael Wurst. Wurst wollte zuletzt einmal selbst als Spion fungieren und den neuen Ligarivalen SV Wacker Obercastrop beim Westfalenpokalspiel in Wetter beobachten. Aber nur aus einem Grund: "Ich wollte sehen, wie Abwehrorganisator Dirk Jasmund spielt. Das hat mich interessiert. Als ich hörte, dass er verletzt ist, bin ich lieber zum Training nach Frohlinde gefahren."

Der nächste Frohlinder Gegner ist Aufsteiger DJK Wattenscheid. Dorthin wechselte vor der Saison Frohlindes Christopher Pache. Kann der Ex-Stürmer Informationen preisgeben? Hoffmann sagt: "Zu ihm habe ich keinen Kontakt. Er weiß aber alles über uns..."

Aytac Uzunoglu, Trainer des Aufsteigers Wacker Obercastrop, zapft gleich mehrere Quellen an. Er berichtet: "Wir informieren uns über Spielberichte in Zeitungen und deren Internetportalen, fragen ehemalige Spieler von uns, tauschen uns mit Trainerkollegen aus und schauen uns Videos im Internet an." Ein Konkurrent, der bei ihm gerne mal zum Informanten wird, sei Thomas Gerner, Coach des SV Sodingen.

Dass es Videos über die Landesliga-Partien im Internet gibt, sieht Uzunoglu nicht nur als Segen an. Ist ja klar, meint er: "Weil auch bei uns am Platz eine Kamera hängt, können die Gegner auch unsere Stärken und Schwächen studieren."

Dennis Hasecke, Trainer des Bezirksligisten SG Castrop, hatte einmal die Chance, sich selbst ein Bild von zwei Gegnern zu machen. Er war beim verlegten Spiel des SV Horst-Emscher II gegen Westfalia Langenbochum als Zaungast dabei. Ansonsten hält Hasecke es auch eher mit Anrufen bei befreundeten Trainerkollegen. Wie bei Marcel Cornelissen vom BV Renfort, der eine Woche vor der SG Castrop gegen den ehemaligen Oberligisten SC Hassel spielte.

Die Informationen waren offenbar sehr gut: Castrop gewann beim bis dahin souveränen Spitzenreiter aus dem Gelsenkirchener Vorort Anfang September mit 4:2. Nach dem Gespräch mit dem Rentforter Coach hörte dieser indes wenig später dort auf. Was allerdings vermutlich nichts mit dem Telefonat mit Hasecke zu tun hatte.

Der Schweriner Trainer Marco Gruszka kennt das professionelle Scouting aus seiner Profi-Karriere. Er spielte unter anderem beim FC St. Pauli. "Dort wurde viel mit Video-Analysen gemacht", sagt er. Auf Schwerin informiere er sich über Spielberichte oder auswärtige Zeitungen über den nächsten Gegner. Oder wie seine Trainerkollegen in der Stadt durch Kontakte mit anderen Trainern.

Gruszka gibt sich aber selbstbewusst: "Ich bin sowieso kein Freund davon, dass man sich zu viel über den Gegner einfallen lässt, um sich taktisch auf ihn auszurichten", sagt er. "Wir müssen nur auf uns schauen. Der Gegner sollte sich nach uns richten."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Auf in die fünfte Jahreszeit: Endlich werden die  Recklinghäuser Narren wieder regiert  
Auf in die fünfte Jahreszeit: Endlich werden die  Recklinghäuser Narren wieder regiert  
Karnevals-Geheimnis gelüftet: Das ist das neue Stadtprinzenpaar in Herten
Karnevals-Geheimnis gelüftet: Das ist das neue Stadtprinzenpaar in Herten
Mann will Polizisten beißen, Protest gegen Straßenbaubeiträge dauert an, Radfahrer rettet Reh
Mann will Polizisten beißen, Protest gegen Straßenbaubeiträge dauert an, Radfahrer rettet Reh
Warum die Feuerwehr die Heizung im Einsatzfahrzeug volle Pulle aufdrehte
Warum die Feuerwehr die Heizung im Einsatzfahrzeug volle Pulle aufdrehte
Der Protest geht weiter - warum die Gegner der Straßenbaubeiträge nicht aufgeben
Der Protest geht weiter - warum die Gegner der Straßenbaubeiträge nicht aufgeben

Kommentare