Start des Schülerlaufes beim Schleusenlauf des TV Datteln 09
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Großveranstaltungen finden seit langer Zeit nicht mehr statt.

Mitgliederentwicklung

Corona: Großvereine im Kreis verlieren Mitglieder - die Vereinsfunktionäre schlagen Alarm

  • vonOlaf Nehls
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Corona macht sich bei den Mitgliederzahlen bemerkbar. Erstmals seit Langem werden unter fünf Millionen Menschen in NRW in Vereinen Sport treiben. Vor allem die großen Mehrspartenvereine verlieren Mitglieder - auch im Kreis Recklinghausen.

och ist die Bestandserhebung des Landessportbundes (LSB) zur Mitgliederentwicklung nicht endgültig abgeschlossen, aber die bisherigen Zahlen sind schon jetzt durchaus repräsentativ. 90 Prozent der rund 18.000 Sportvereine in NRW haben bereits ihre Meldungen abgegeben. Ein Mitglieder-Rückgang von 3,5 Prozent wird letztlich prognostiziert. Die Gesamtzahl rutscht erstmals seit Langem wieder unter die Fünf-Millionen-Grenze ab.

Großvereine verlieren im Schnitt 10 Prozent der Mitglieder

Vor allem Großvereine mit mehr als 1000 Mitgliedern sind in Pandemie-Zeiten in NRW arg gebeutelt. Sie verzeichnen im Schnitt einen Verlust von zehn Prozent „Die Großvereine leiden auch deshalb wirtschaftlich, weil sie durch das Raster bestehender Förderprogramme fallen. Dabei sind auch sie ein wichtiger Innovationsmotor“, mahnte Stefan Klett, Präsident des LSB, am Wochenende bei der digitalen Mitgliederversammlung. Auch im Kreis klagen die Großvereine über einen Rückgang der Mitglieder, wie eine Umfrage unter den Vereinsfunktionären ergab.

Rund 30.000 Euro weniger Mitgliedsbeiträge

Auch beim TuS 09 Erkenschwick sind die Mitgliederzahlen im vergangenen Jahr stark zurückgegangen. Hatte der TuS 09 Anfang 2020 noch rund 1500 Mitglieder, so waren es zu Beginn dieses Jahres nur noch 1350. „Wir haben bei uns eine halbjährliche Kündigungsfrist. Und zum 30. Juni rechnen wir mit weiteren 100 Austritten“, sagt der Vorsitzende Frank Kaiser. Für den Verein ist das ein nicht unerheblicher finanzieller Schaden. „Rechnet man mit einem durchschnittlichen Monatsbeitrag pro Mitglied von zehn Euro, dann sind das 120 Euro im Jahr. Bei 250 Mitgliedern weniger macht das knapp 30.000 Euro“, so Kaiser. „Und bis auf die Kosten für die Übungsleiter, die natürlich geringer ausfallen, laufen alle anderen Kosten, wie Verbandsabgaben, Versicherungen, Strom und Wasser weiter.“

Gesundheits- und Rehasport fällt aus

Die Auswirkungen von Corona bemerkt auch Roland Köster, Vorsitzender des TV Datteln 09, mit rund 1100 Mitgliedern größter Verein in der Kanalstadt. „Die Zahl der Vereinsaustritte liegt bei uns zwar nicht viel höher als in den Jahren zuvor. Dafür bin ich unseren Mitgliedern auch sehr dankbar. Uns fehlen aber die Neuaufnahmen“, sagt er. Außerdem finden keine Großveranstaltungen mehr statt, die den Abteilungen immer auch finanziell geholfen haben. Ein großes Loch in die Kasse schlägt auch der Ausfall des gesamten Gesundheits- und Rehasport-Angebots. „Die Leute kamen mit Verordnungen vom Arzt zu uns. Die Krankenkassen haben die Reha-Maßnahmen dann bezuschusst. Das alles fehlt natürlich“, erklärt Roland Köster.

Auch der ATV Haltern hat Mitglieder verloren

Petra Völker, Geschäftsführerin beim Kreissportbund, kennt die Nöte der Vereine, ist selbst als Übungsleiterin beim ATV Haltern (rund 2700 Mitglieder) aktiv. „Vor allem die Vereine, die viele Fitness-Angebote machen und diejenigen, die einen hohen Anteil an Kindern und Jugendlichen haben, verlieren aktuell die meisten Mitglieder“, sagt sie. Das sei auch beim ATV Haltern der Fall, der im vergangenen Jahr um rund 100 Mitglieder geschrumpft ist, rechnet Völker vor.

„Sportvereine sind keine gewerblichen Institutionen“

Rund zehn Prozent, in absoluten Zahlen sind es ca. 200 Mitglieder, so schätzt Präsident Jürgen Brüns, habe der VfL Hüls in der Coronazeit verloren. „Unsere Aufgabe als Großverein besteht darin, den Sport in die Bevölkerung zu bringen. Das können wir aktuell natürlich nicht“, sagt der langjährige Marler Funktionär. Neuanmeldungen, für Brüns und den VfL in den Jahren zuvor stets die Bestätigung für gute Vereinsarbeit, gebe es zurzeit nicht. „Wer meldet sich jetzt in einem Sportverein an?“, fragt er. Doch Brüns sei auch dankbar dafür, dass viele dem VfL Hüls aktuell die Treue halten: „Das sind die Menschen, die einen Sportverein nicht als gewerbliche Institution betrachten.“

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