+
Tür zu: Die Sportstätten in der Region bleiben in diesen komplett geschlossen.

Corona-Krise - mit Voting/Update

Kein Sport, kein Mitgliedsbeitrag? - Vereine fürchten finanzielle Engpässe

Alle Autoren
    schließen
  • Meike Holz
    Meike Holz
  • Olaf Nehls
  • Kevin Korte

Die Sportstätten sind geschlossen, die Vereinsmitglieder können ihr Hobby nicht ausüben. Nehmen das viele Mitglieder als Anlass, um ihre Beiträge zu sparen, und treten aus?

  • Sportvereine in der Region fürchten finanzielle Engpässe.
  • Eine kurze Zeit könne man noch überbrücken.
  • Appelle in Sozialen Medien.

Update, 31. März: Viele Sportvereine in der Region befürchten in diesen Wochen einen Mitgliederschwund: Kein Sport, keine Beiträge? Die Sorgen der Vorstände scheinen unbegründet zu sein, da die Reaktionen der Aktiven deutlich sind.

„In schwierigen Zeiten muss manzusammenstehen“, betont etwa  der Recklinghäuser Ulli Gatzemeier. „Für mich ist es überhaupt keine Frage. Ohne unsere Beiträge können die Vereine nicht überleben.“ Der Sportschütze der ABSG Recklinghausen weiß, dass Vereine laufende Kosten begleichen müssen " Deswegen ist es wichtig, dem Verein die Treue zu halten.“ 

SSV  Recklinghausen hofft auf Solidarität

Auch Marc Sprick, Vorsitzender des StadtSportVerbandes (SSV) Recklinghausen, warnt vor voreiligen Schritten: „Zeigt eurem Verein gegenüber Solidarität und gebt den vielen Vereins-Verantwortlichen, Übungsleitern und allen, die zur Aufrechterhaltung des Sportbetriebes – nach der Corona-Krise – beitragen, die Chance, ihr wertvolles, ehrenamtliches Engagement auch weiterhin ausüben zu können.“ 

Trainer verzichten auf Aufwandsentschädigung

Die Folgen eines vermehrten Mitgliederaustritts hat auch Marco Beneke im Blick. „Wenn man mit so etwas anfängt, wird der Großteil unserer Sportvereine in näherer Zukunft nicht mehr bestehen“, redet der Trainer der D-Jugend-Fußballer der SG Hillen nicht lange um den heißen Brei herum. „Viele Vereine quälen sich jetzt schon irgendwie durch und kommen gerade so über die Runden. Wenn dann jetzt noch die einzig verbliebenen Einnahmen wegbleiben, wird es sehr schwer für fast alle Vereine“, sagt der Recklinghäuser. Beneke fordert: „Wir alle müssen alle solidarisch sein. Bei uns im Verein verzichten alle Trainer zum Beispiel auf ihre Aufwandsentschädigung, um denVerein zu entlasten.“

Pandemie stellte Vereine  vor Probleme

Die ursprüngliche Meldung vom 29. März: Das Corona-Virus stellt viele Sportvereine vor erhebliche Probleme. In den Appellen der Klubs an die Öffentlichkeit schwingt immer mit, dass sie das Geld brauchen – um die Krise zu überbrücken, aber auch, um hinterher mit vielen Angeboten für ihre Mitglieder da zu sein.

Das große ProblemAbgaben an den Verband, Miete für die Vereinsräume oder Löhne für Vereinsangestellte und Übungsleiter werden weiter gezahlt. Die Kosten laufen also weiter und die müssen die Klubs über ihre Haupteinnahmen decken: den Mitgliedsbeiträgen. Wir haben uns bei vier Vereinen im Kreis umgehört.

TuS 09 Erkenschwick

Im Vorstand des mit knapp 1500 Mitgliedern größter Sportverein am Stimberg bleibt man noch gelassen. Im April will der Klub keine Beiträge abbuchen. Finanziell sei der Verein durch die Coronakrise noch nicht in Schieflage geraten, berichtet der Vorsitzende Frank Kaiser. Drei, vier Monate könne der Verein die Zeit überbrücken. „Dann wird es aber auch bei uns eng“, sagt Kaiser.

TV Datteln 09

Auch auf die rund 1200 Mitglieder des TVD kommen schwere Zeiten zu. Geschäftsführer Claas Müller erklärt: „Wichtige Einnahmequellen fallen weg.“ Wie beispielsweise das Vereinsfest zum Tanz in den Mai. „Das ist ein wichtiger Posten in unserem Haushalt.“ Bei Facebook hat der Verein nun eine Spendenaktion gestartet. Bis zum Wochenende hattenknapp 30 Menschen gemeinsam etwas mehr als 500 Euro gespendet. „Jede Spende hilft uns, sei sie auch noch so klein“, sagt Müller.

SV Neptun Recklinghausen

Auch in Recklinghausen sind die Sorgen groß:  „Viele Vereine werden die Corona-Krise nicht überleben“, befürchtet Thorsten Nickel, Vorsitzender des SV Neptun. Für den Schwimmverein kommt eine Entwicklung erschwerend hinzu: Ab Mitte Mai wird erneut das Hallenbad an der Herner Straße für Bauarbeiten geschlossen – wenn denn Schwimmer dann wieder ihre Bahnen ziehen könnten. Schon vor drei Jahren war das der Fall. „Wir haben seinerzeit rund 100 Mitglieder verloren“, erklärt Nickel.

SV Hochlar 28

Fehlende Einnahmen machen auch den Fußballern des SV Hochlar 28 zu schaffen: „Die Eintrittsgelder aus den Heimspielen fehlen. Zusätzliche Einnahmen durch den Verkauf im Vereinsheim gehen ebenfalls verloren“, berichtet Geschäftsführer Gordon Rotthoff. Ein weiterer Problempunkt: „Für 2020 brauchen wir auch die Zuwendungen unserer Sponsoren. In unserem Fall sind das viele Kleinunternehmen, die von der Krise besonders hart getroffen sind. Da traut man sich fast gar nicht, eine Rechnung zu schreiben“, sagt Rotthoff.

Mehrere Vereine haben sich in den vergangenen Tagen – zumeist in den Sozialen Medien – mit gleichlautenden Aufrufen an ihre Mitglieder zur gegenwärtigen Situation geäußert.

Das sind die Kernpunkte:

• Die Vereine bitten ihre Sportler auch in dieser schwierigen Lage um gegenseitige Rücksichtnahme, Solidarität und Verständnis.

• Der Erlass der Landesregierung untersagt den Sportbetrieb noch bis zum 19. April.

• Ob es dann sofort wieder losgeht oder wie lange die Zwangspause noch dauern kann, kann niemand sagen. In dieser Frage sei man an die Entscheidungen des Bundesland NRW, der zuständigen Gesundheitsämter und der kommunalen Ordnungsbehörden gebunden.

• Die Vereine versprechen, sie würden nach der Aufhebung der Maßnahmen „mit frischen Schwung und höchster Motivation“ wieder für ihre Mitglieder da.

• Bis dahin müsse man sich in Geduld üben – und Solidarität.

• Mit Solidarität ist diejenige gegenüber dem Verein gemeint. „Kurzum: Ihr habt nicht ohne Grund - teilweise erst seit einigen Monaten, teilweise schon seit Jahrzehnten - unseren Verein als eure sportliche Heimat ausgewählt. Lasst uns in diesen Tagen besonders stark an einem Strang ziehen und dieser Krise trotzen“, heißt es in den Aufrufen. Und weiter: „Mit der Fortdauer eurer Mitgliedschaft setzt ihr das richtige Zeichen. Diesen wichtigen Vertrauensbonus werden wir als Vereinsverantwortliche garantiert in geeigneter Form zurückgeben.“

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Millionen-Coup mit falschem Geldtransporter: Urteil erwartet
Millionen-Coup mit falschem Geldtransporter: Urteil erwartet
Nicht auf Biegen und Brechen: VfB Waltrop wartet noch mit dem Wiedereinstieg
Nicht auf Biegen und Brechen: VfB Waltrop wartet noch mit dem Wiedereinstieg
Neue Partei in Herten: Vorsitzende gibt nach sieben Tagen bereits wieder auf - das sind die Gründe
Neue Partei in Herten: Vorsitzende gibt nach sieben Tagen bereits wieder auf - das sind die Gründe
SEK stürmt Wohnhaus in Essen: Mann feuert Schüsse vom Balkon ab
SEK stürmt Wohnhaus in Essen: Mann feuert Schüsse vom Balkon ab
Protest gegen AfD-Veranstaltung in der Stadthalle Waltrop
Protest gegen AfD-Veranstaltung in der Stadthalle Waltrop

Kommentare