Ninya Wingender mit El Corazon (li.) sowie Lotte Beckmann und Nickelback.
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Auch sie müssen derzeit auf Reitunterricht verzichten: Ninya Wingender mit El Corazon (li.) sowie Lotte Beckmann und Nickelback.

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Guter Unterricht ist auch Tierschutz - das sagen Reitsportler zur Corona-Krise

  • Christine Horn
    vonChristine Horn
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Fast wöchentlich ändern sich die Vorgaben für die Erteilung von Reitunterricht. Ein Unding, sagt Catrin Wingender vom Silverthof in Oer-Erkenschwick.

Zu Beginn des Teil-Lockdowns Anfang November hieß es, dass Reitunterricht verboten sei. Dann wiederum wurde Einzel-Unterricht wieder erlaubt. Ende vergangener Woche dann die erneute Kehrtwende: Nur eine Aufsicht für Reitschüler ist erlaubt. Individuelle Korrekturen und die Hilfe bei der Erarbeitung von Lektionen sind hingegen verboten. Catrin Wingender, die mit ihrem Mann Knut den Silverthof in Oer-Erkenschwick betreibt, versteht dieses Vorgehen nicht. „Wenn ich Unterricht erteile, dann habe ich stets mehrere Meter Abstand. Vor Corona hatte ich natürlich auch mal die Lage der Schenkel korrigiert oder eine Handhaltung verbessert. Aber darauf kann man verzichten. Aber eben nicht auf die Betreuung von Pferd und Reitern bei der Ausbildung der Pferde.“

Sport-Pferde müssen speziell trainiert werden

Catrin Wingender sagt, dass sie selbst mit einem Coach-Phone Unterricht auf 300 Meter Entfernung erteilen kann. Dabei trägt sie ein Headset, während die Reitschüler einen Knopf im Ohr haben und direkt die Anweisungen und Korrekturen erhalten. Diese Technik wird gerne bei der Prüfungs-Vorbereitung auf Abreiteplätzen von Turnieren genutzt, wo die Trainer ihren Schützlingen oftmals gleichzeitig letzte Tipps vor dem Einritt in die Prüfung geben.

Für Catrin Wingender bedeutet Tierschutz mehr, als das Pferd nur zu bewegen. „Sport-Pferde müssen speziell trainiert werden. Die kannst du nicht einfach mal für vier Wochen aus dem Training nehmen“, erklärt die Oer-Erkenschwickerin. So denkt sie auch an die Ausbildung junger Pferde. „Es ist unser Job, den Reitern zu vermitteln, wie sie ihr Pferd richtig gymnastizieren und arbeiten. Das ist für mich Tierschutz. Was für mich gar nicht geht ist das Argument, das Pferd während des Lockdowns auf die Wiese zu stellen.“

Hinzu komme ein Sicherheitsaspekt. Ohne Unterricht bestünde die Gefahr, dass Pferde so kernig werden könnten, dass sie für ihre Reiter nur noch schwer zu kontrollieren seien. „Als Reitlehrerin könnte ich während des Unterrichts spontan Übungen einbauen, damit das Pferd gelassener und damit besser zu handeln sein würde“, erklärt Catrin Wingender. Und sie weiß auch um Reitschüler, die ihre Pferde bei einem Bauern untergestellt haben, denen dort aber keine Reithalle zur Verfügung steht. Gerade in der dunklen Jahreszeit sei es da fast unmöglich, nach Schule oder Job am späten Nachmittag oder Abend die Pferde noch tierschutzgerecht zu bewegen.

Petition mit mehr als 6000 Unterschriften

Auf dem Silverthof, der schon im Frühjahr wegen der Pandemie eine Veranstaltung absagen musste, wünscht man sich, durch Einhaltung strengster Auflagen in einen Alltag mit Unterricht zurückkehren zu können. Dass bis auf den Moment, in dem man auf dem Pferd sitzt, überall die Maske getragen wird, verstehe sich von selbst. An die Einhaltung des strengen Hygienekonzepts hätten sich ohnehin alle Pferdebesitzer längst gewöhnt. „Die Verantwortlichen beim Pferdesportverband Westfalen sind sehr bemüht“, betont Catrin Wingender. Sie hat die Petition mit dem Hashtag „Reitunterrichterlauben“, die derzeit im Umlauf ist, unterschrieben. Ebenso wie mehr als 6000 andere Menschen auch.

Nicht nur auf dem Silverthof hofft man nun auf eine neue Beurteilung des Reitunterrichts. Denn einen Vergleich zum Beispiel mit der Schließung von Fitnessstudios lassen die Pferdesportler aus einem ganz einfachen Grund nicht gelten: „Ein Laufband kann mal vier Wochen ausgeschaltet bleiben. Ein Pferd hingegen nicht“, so Catrin Wingender.

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