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Durch seinen Bruder Nedim (links) kam Ali Caliskan zum SV Horneburg -? nun kicken sie gemeinsam in der Kreisliga B.

Fußball

Aus der Süper-Lig in die Kreisliga

DATTELN - Zu Beginn des Jahres hießen seine Gegner noch Besiktas Istanbul oder Trabzonspor – mittlerweile kämpft Ali Caliskan mit dem SV Horneburg um den Aufstieg in die Kreisliga A. Eine Geschichte voller Hoffnungen und leeren Versprechungen.

Dienstagabend, 19 Uhr: Auf dem Ascheplatz am Landwehrring trainiert der Kader des SV Horneburg – oder zumindest die acht Spieler, die sich auch vom kaltnassen Wetter nicht abschrecken lassen. Einer davon ist Ali Caliskan. Schlechtes Wetter ist er gewohnt – aus der Türkei. Bis vor wenigen Monaten nämlich spielte er noch in der U21-Süper-Lig, genauer bei Sivasspor in der gleichnamigen Stadt Sivas: „Da hatten wir im Sommer schon mal 40 Grad, im Winter Minus-Temperaturen und Schnee.“

Profivertrag

Der große Unterschied zu heute: In Sivas lief der 21-Jährige immer mit der Hoffnung auf, bald einen Profivertrag unterzeichnen zu können. „Klar, wir haben zwar auch Geld verdient. Aber um eine Familie zu ernähren, reicht das nicht aus.“ Untergebracht war er im Sportinternat, trainiert wurde mehrmals täglich. Dass ihn sein Weg von Teutonia SuS Waltrop über den VfB und die SG Wattenscheid in die höchste türkische Spielklasse im U21-Bereich führte, hatte er seinem Onkel zu verdanken: „Der hat gute Kontakte zu Malatyaspor, wo ich dann zunächst mit den Profis ins Trainingslager durfte. Da sollte sich dann auch entscheiden, ob ich einen Vertrag bekomme.“

Keine Zeit

Das Problem: Der zuständige Coach war im Trainingslager gar nicht anwesend, die Assistenten hatten wiederum keine Zeit, sich um Caliskan und weitere Jugendspieler zu kümmern. „Im Endeffekt haben wir nur Lauftraining gemacht und am Ende hieß es, die Leistung sei nicht ausreichend.“ Inzwischen war ein halbes Jahr vergangen. Von der Situation gefrustet, schickte er einem Freund, der damals bei Sivasspor spielte, einige selbst aufgenommene Fußballvideos zu. Dessen Trainer wiederum lud Caliskan direkt ein. Nach wenigen Einheiten war der Übungsleiter so begeistert von den Leistungen des 21-Jährigen, dass er ihm den lang erhofften Vertrag in Aussicht stellte. Der Vorstand von Sivasspor jedoch entließ den Trainer kurz darauf, der Nachfolger wiederum wollte nicht mit Jugendspielern arbeiten. So leistete Caliskan weiterhin seinen Dienst in der U21 – bis im vergangenen Winter ein Angebot aus der zweiten türkischen Liga herein flatterte. „Der Trainer wollte mich aber nicht gehen lassen und hat mir dafür einen Vertrag bei Sivasspor versprochen.“

Versprechungen

Doch auch diesem Versprechen folgten keine Taten. „Nach dem letzten Saisonspiel im Juni bin ich dann direkt nach Deutschland geflogen und hatte die Nase von Fußball erst mal voll.“ Sein Bruder Nedim, erster Torhüter des SV Horneburg, schlug vor, dass Ali sich doch beim SVH fit halten könne. Seitdem spielen die Geschwister gemeinsam in der Kreisliga B. Ganz ohne Fußball geht es wohl doch nicht. „Zusätzlich mache ich zuhause Fitnesstraining, aber das ist nicht das gleiche Pensum wie in der Türkei. Man merkt, dass man auch Fitness verliert.“

"Fußball ist nur noch ein Hobby"

Und in Zukunft? Caliskan will eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker machen. „Das ist mir nun erst mal wichtiger, Fußball ist nur noch ein Hobby.“ Ein endgültiger Status ist das aber nicht: Sollte doch noch einmal ein höherklassiger Verein anklopfen, will er sich das Angebot auf jeden Fall anhören. Das sei auch mit SVH-Trainer Rüdiger Bona so vereinbart: „Rüdiger sagte mir, dass mir der Verein keine Steine in den Weg legen wird. Und ich gehe fest davon aus, dass dieses Versprechen gehalten wird.“

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