Hans-Otto Matthey, Kreisvorsitzender des Fußballkreises Recklinghausen, lehnt im Eintracht-Stadion an der Bochumer Straße in Recklinghausen an der Bande.
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Vollendet sein 70. Lebensjahr: Der Kreisvorsitzende Hans-Otto Matthey.

Porträt

Von der Abwehr in den Sturm - der Kreisvorsitzende Hans-Otto Matthey wird 70

  • Olaf Krimpmann
    vonOlaf Krimpmann
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Seit mehr als 19 Jahren steht Hans-Otto Matthey dem Fußball- und Leichtathletikkreis vor. Funktionär war der Recklinghäuser nicht immer – aber so gut wie immer. Heute, am 5. Oktober 2020, vollendet „HOM“ sein 70. Lebensjahr.

Viele Posten hat Hans-Otto Matthey in den vergangenen 50 Jahren im Fußball bekleidet, bis auf die Trainertätigkeit war so ziemlich alles dabei. Aber wer weiß, vielleicht kommt die auch noch? „Mir persönlich geht es gut, ich hatte immer viel Glück in meinem Leben“, sagt der Recklinghäuser, für den dennoch feststeht: 2022 ist Schluss an der Spitze des Kreises.

Seinen „70.“ heute feiert er aus bekannten Gründen nicht groß. Die Stationen einer bemerkenswerten Laufbahn kann man an etlichen Positionen auf dem Spielfeld festmachen. Matthey hat sich dabei sukzessive von hinten nach vorne gearbeitet.

Verteidiger

Matthey war im Fußball ein Spätentwickler, kam erst in der A-Jugend zum Fußball, zu „seinem“ SV Hochlar 28. Der Sprung in die Senioren war schleppend. „Ich war immer die Nummer 14 oder 15“, berichtet der „KV“. Seinen Stammplatz hatte er dafür hinter den Kulissen sicher: Schon als 19-Jähriger erwarb er erste Meriten im Jugendvorstand.

Mit 26 Jahren bescherte er seinem Klub saftige Ordnungsgelder: Weil die Alten Herren stets zu wenige Leute hatten, setzten sie Matthey verbotenerweise als ihren elften Mann ein – als Verteidiger, der die Manndeckung wörtlich nahm. „Hart, aber nie unfair“, sei er gewesen. Zehn Mark Ordnungsgeld kostete jeder Einsatz, Kreiskassierer Otto Bultmann freute sich.

Unverkennbar: Hans-Otto Matthey als junger Spieler beim SV Hochlar 28.

Offensives Mittelfeld

Jugendgeschäftsführer mit 19 Jahren, kurz darauf Vereinsgeschäftsführer – was auf dem Spielfeld nicht recht laufen sollte, klappte hinter den Kulissen. Da avancierte Matthey schnell zum Spielgestalter. Der Bau des Vereinsheims, damals in Eigenregie, fiel in seine Zeit als Vorsitzender. Nach dem Bau der Turnhalle an der Wiggermannstraße kam die Gymnastikabteilung dazu, zu der Zeit ein innovativer Schritt: Frauen traten in einen Fußballverein ein!

Den Vereinsvorsitz übernahm er mit 30 Jahren. „Damals waren wir im Vergleich zu vielen anderen junge Hüpfer“, blickt der Jubilar zurück. Als Matthey den Vorsitz an Walter Schubert abgab, war der SV Hochlar 28 von 300 auf 750 Mitglieder angewachsen. „Ich war ein Macher“, sagt er über diese Zeit.

Sturm

Beim Kreis war der Städtische Angestellte da längst angekommen, als Staffelleiter und Nachfolger des legendären Hans Stender. Als sich gegen den „ewigen Kreisvorsitzenden“ Wilhelm Hegemann unter den Vereinen eine Opposition bildete, da Hegemann – mittlerweile 87-jährig – den Kreis auf eine ihm eigene Weise führte, wurde Hans-Otto Matthey in Stellung gebracht.

2001 übernahm er die Kreisspitze, musste zwangsläufig alles neu denken: Nur zwei Monate nach Amtsantritt verstarb sein Mentor Otto Bultmann, und „der Alte“ – Hegemann – hatte außer einer gut gefüllten Kreiskasse wenige Strukturen hinterlassen. Staffelleiter Gerhard Herholz stand fest an Mattheys Seite, Klaus Roschkowski, schon in Hochlar sein Vertrauter und Freund im Vorstand, wurde Kreiskassierer.

Richtig Fahrt nahm Matthey ab 2003 auf. Der elektronische Spielbetrieb, das DFB-Net – heute Selbstverständlichkeiten, Matthey hat die Digitalisierung in Westfalen vorangebracht. Gegen viele Widerstände. „Bei einer Veranstaltung in Büren wurde ich noch ausgebuht“, blickt Matthey zurück. Bei der Präsentation lief ausgerechnet das Internet nicht, keiner wollte das „moderne Zeug“ haben. „Und heute? Fällt einmal das DFB-Net aus, ist das Geschrei groß.“ Auch in der Qualifizierung setzte Matthey noch heute gültige Maßstäbe, war beim Verband Ausschussvorsitzender 2010 - 2013.

Tor

Ganz klar: Ehefrau Petra und auch Tochter Britta halten Hans-Otto Matthey seit Jahrzehnten den Rücken frei und haben schon so manch drohenden „Gegentreffer“ pariert. „Ich habe zwei Frauen in meiner Familie, die wissen, wie die Abseitsregel funktioniert“, lacht der „KV“. Mit seiner Petra feiert Matthey 2021 das Fest der Goldhochzeit. Als sie sich kennenlernten, war Hans-Otto schon in Hochlar engagiert – ein Leben für den Fußball war irgendwie von vornherein für beide bestimmt. „Heiraten dufte ich sie aber erst, nachdem ich meinen Führerschein hatte“, lacht der Jubilar. Heute sind beide in ihrer Freizeit gerne mit dem Rad unterwegs.

Das Ehrenamt, für viele eine Belastung – für Hans-Otto Matthey war und ist es immer Berufung und Segen zugleich. „Ich kann jeden nur ermutigen, auch in jungen Jahren ins Ehrenamt zu gehen. Das prägt, dabei lernt man fürs Leben. Leute zu führen ist schließlich auch im Beruf unheimlich wichtig. Mir hat das Ehrenamt jedenfalls sehr viel gegeben, es bereitet mir weiter große Freude“, sagt der Recklinghäuser.

Bei den Jubiläumsfeierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Fußballkreises wurde Hans-Otto Matthey 2019 die zweithöchste Auszeichnung des Verbandes, der Ehrenring, verliehen.

Der nächste Spieltag

2022 ist definitiv Schluss, sagt er. Die Nachfolge im Kreisvorstand (neben Matthey werden Kreiskassierer Klaus Roschkowski und der Schiedsrichterausschussvorsitzende Harald Woller aufhören) will er vor dem Kreistag in eineinhalb Jahren noch geregelt wissen. Motiviert ist er, der 2019 die zweithöchste Auszeichnung des FLVW erhielt, den Ehrenring, und der mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet wurde, wie eh und je. „Mir geht es gut“, hat er bereits eingangs gesagt.

Auch wenn ihm hoffentlich noch viele Jahre vergönnt sein werden, irgendwann auch ohne Funktionärsamt, wagt Hans-Otto Matthey ein Resümee. „Mein Leben war bislang ein gutes Leben, als Note vielleicht eine Zwei Plus.“

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