Matthias Freitag, Vorsitzender des Schwimmbezirks Nordwestfalen
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Matthias Freitag ist selbst begeisterter Schwimmer. Seit 2014 ist der Oer-Erkenschwicker auch Vorsitzender des Schwimmbezirks Nordwestfalen, dem knapp 26.000 Mitglieder angehören

Schwimmen

Von Lehraufträgen und Problemen - das bewegt Wassersportler in der Corona-Zeit

  • vonOlaf Nehls
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  • Jochen Börger
    Jochen Börger
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Die Corona-Pandemie schlägt auch im Schwimmsport ins Kontor – wie es 2021 weitergeht, weiß noch niemand.

Wenn diese Angebote auch zukünftig ins Wasser fallen, sieht es düster aus. Fakt ist: Die Schwimm-Ausbildung von Kindern und Jugendlichen wird in der Statistik des laufenden Jahres einen nie für möglich gehaltenen Einbruch erleben. Wie beurteilen Verantwortliche in Vereinen und Verbänden die Lage?

„Die ganze Situation ist sehr unbefriedigend“, sagt beispielsweise Heike Stange, Vorsitzende des SV TuS 1925 Herten. Noch vor dem Corona-Lockdown konnte ihr Verein jüngst die Jahreshauptversammlung durchführen, die mehrheitlich einen richtungsweisenden Beschluss fällte: Für das Beitragsjahr 2021 wird den Hertener Mitgliedern der Breitensport-Gruppen vom geleisteten Mitgliedsbeitrag des ersten halben Jahres ein Anteil von 75% Ermäßigung gewährt. Für Familienbeitragszahler wird ein entsprechender Anteil für das im Breitensport aktive Mitglied reduziert. „Wir hoffen zumindest damit jene Mitglieder zu entschädigen, die wegen der Pandemie nicht mehr schwimmen können“, sagt Heike Stange – wohlwissend, dass auch ihr Verein von Kündigungen nicht verschont bleiben wird. Allein durch die Beitragsermäßigung rechnet die Klubvorsitzende mit einer Mindereinnahme von rund 8000 Euro.

Generell wird sich der Weg beim Thema Schwimmausbildung schon in naher Zukunft also schwieriger gestalten. Frank Rabe, Generalsekretär des Schwimmverbandes NRW, hatte schon Mitte des Jahres deutlich gemacht, dass sich die Vereine der besonderen Herausforderung einer großen Zahl an Nichtschwimmern stellen müssen. Einen Masterplan zu erstellen, wie man lange Wartelisten für Schwimmkurse aufholen kann, fällt gerade in Corona-Zeiten schwer. Bis zu 6000 Kinder sind jährlich landesweit in den Ferien durch die Landesinitiative „NRW kann schwimmen“ in den Sport eingebunden. Doch selbst wenn die Fördergelder auf das kommende Jahr übertragen werden, bleibt ein ganz anderes – organisatorisches – Problem. „In den Ferien sind wir, wie fast das ganze Jahr, bei 100 % unserer Möglichkeiten“, sagte Rabe schon im Sommer 2020. Denn Corona hat zwar zur Verschärfung der Lage beigetragen. Doch schon vor Ausbruch der Pandemie betrugen die Wartezeiten für einen Schwimmkurs bis zu einem Jahr. „Das alles wird für uns Vereine sehr schwer aufzuholen sein“, sagt auch die Hertener Klubchefin Heike Stange und nennt ein weiteres Beispiel, wie sehr die Pandemie das Angebot beeinflusst. „Ob wir die Wassergewöhnung für die ganz Kleinen im kommenden Jahr wie gewohnt anbieten können, das ist noch fraglich.“

„Schwimmen ist mehr als nur Sport. Schwimmen ist ein Lehrauftrag an die Vereine“, sagt Matthias Freitag. Der 39-jährige Oer-Erkenschwicker ist seit sechseinhalb Jahren Vorsitzender des Schwimmbezirks Nordwestfalen, dem 70 Vereine mit knapp 26.000 Mitgliedern angehören. „Der Unterricht in den Schulen läuft weiter. Das ist auch gut so. Aber was nützt es einem Schüler, wenn er den Dreisatz beherrscht, aber ertrinkt, wenn er mal ins Wasser fällt“, fragt Freitag, selbst Vater von zwei kleinen Kindern. „Man hätte die wenigen Lehrschwimmbecken, die wir noch haben, offen lassen müssen. Mit den entsprechenden Hygienekonzepten und verkleinerten Gruppen ist Schwimmausbildung, auch für Babys und Kleinkinder, möglich“, lautet Freitags Analyse.

Es müsse gewährleistet sein, dass die Schwimmlehrer die Kinder bis zur Erlangung des Bronzeabzeichens begleiten können. „Erst dann kann ein Kind richtig schwimmen“, meint Matthias Freitag. „Sonst“, so befürchtet es der Funktionär, „werden wir die Auswirkungen in ein paar Jahren zu spüren bekommen, wenn die Zahl tödlicher Badeunfälle dramatisch ansteigt.“

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