Alfred Gislason (Handball-Nationaltrainer)
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Nicht jeder Handball-Fan aus dem Vest wird sich in den nächsten Tagen vor den heimischen Fernsehern die WM-Spiele der Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason (l.) anschauen.

Handball

Ist eine Weltmeisterschaft sinnvoll? - das sagen Experten aus dem Kreis Recklinghausen

  • Meike Holz
    vonMeike Holz
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  • Jochen Börger
    Jochen Börger
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Macht eine Weltmeisterschaft mitten in einer Pandemie-Zeit Sinn? Viele Experten aus dem Vest sind sehr skeptisch.

Eine Handball-Weltmeisterschaft, die erstmals mit der Rekordbeteiligung von 32 Mannschaften ausgetragen wird, in Zeiten der Corona-Pandemie – geht das überhaupt gut?

„Ich habe gemischte Gefühle“, gibt Daniel Schnellhardt, Trainer der Drittliga-Damen der PSV Recklinghausen, offen zu. Einerseits fragt sich der 36-Jährige, ob es richtig ist, in Zeiten wie diesen einen Wettbewerb dieser Größenordnung durchzuführen. Sicherlich werden finanzielle Gründe eine Rolle gespielt haben, da eine Vielzahl von Sponsoren involviert ist. Andererseits ist Schnellhardt froh, endlich wieder Spiele seines Sports verfolgen zu dürfen, auf den er hierzulande seit Monaten verzichten muss. „Ich werde mir die Partien ansehen.“

„Die Spieler haben auch eine Verantwortung“

Schnellhardt hat Verständnis dafür, dass einige Nationalspieler ihre WM-Teilnahme absagten. „Sie haben eine Verantwortung ihren Familien und auch Arbeitgebern gegenüber.“ Da aber nicht nur Bundestrainer Alfred Gislason auf Leistungsträger verzichten muss, hinterfragt der Teamchef der Recklinghäuser Handballerinnen den Stellenwert der Titelkämpfe. „Bei einer Weltmeisterschaft sollten doch immer die besten Spieler aufeinandertreffen“, sagt Daniel Schnellhardt.

Kritik gibt es an der sogenannten „Pandemie-WM“ nicht zuletzt wegen der Ankündigung, dass – wenn auch nur 20 Prozent der Hallenkapazität ausgeschöpft werden – Zuschauer die Spiele in Ägypten verfolgen dürfen. „Das wären mehr als 1000 Besucher“, erklärt der PSV-Trainer. „Und das ist schwer zu verkaufen in Zeiten, in denen appelliert wird, soziale Kontakte möglichst zu reduzieren und zu Hause zu bleiben. „Nachher wird man schlauer sein, ob es richtig war oder nicht“, sagt der Coach.

„Das Ganze hat schon ein Geschmäckle“

Eine klare Meinung zur Austragung der WM hat auch Andreas Krebs, Abteilungsleiter des FC 26 Erkenschwick. Er geht aber sogar noch einen Schritt weiter und verzichtet erstmals in seinem Leben auf das WM-Schauen vor dem Fernseher. „Das Ganze hat schon mehr als nur ein Geschmäckle, wenn man bedenkt, welch extremer Kontaktsport Handball ist“, meint der Chef der FC-Handballer. Jüngst schaute sich Krebs noch den Triumph des THW Kiel in der Champions League an. „So schön das war, es hatte aber auch schon etwas Komisches.“

Ein großer Boom wird nicht erwartet

Auf jeden Fall wird Stefan Schlechter, Trainer der Bezirksliga-Herrenmannschaft und F-Jugend von Westfalia Scherlebeck, bei den Spielen der DHB-Auswahl vor dem Fernseher sitzen. Er freut sich sogar darauf, wieder Handballspiele zu sehen. „Um wieder ein Gefühl dafür zu bekommen.“ Damit stehe er wohl nicht allein da, vermutet der Hertener. Das Interesse an Sport sei derzeit groß, weil er in diesen Zeiten für etwas Abwechslung sorgt.

Wann und ob er mit seinen Teams in dieser Saison noch einmal ins Geschehen eingreifen kann, ist nach wie vor fraglich. Und selbst wenn das Gislason-Team wie im Wintermärchen 2007 den Titel holen sollte, würde das keinen Handball-Boom auslösen. „Es wird schon schwer genug, dass die, die jetzt pausieren müssen, wiederkommen.“

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