Manfred Stübbe (Vorsitzender Reitverein Börste)
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Winterruhe in Recklinghausen: Vereinsvorsitzender Manfred Stübbe hofft wie viele seiner Kollegen, dass es möglichst bald zu Lockerungen für die Vereine kommen wird.

Reiten

Keine Turniere, kein Vereinsleben, kein Unterricht - so sieht der Alltag im Reitsport aus

  • Olaf Krimpmann
    vonOlaf Krimpmann
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Die Corona-Pandemie trifft auch die Reitsportler mit voller Wucht. Vor allem Vereine und Betriebe, die Schulpferde halten, haben es gerade schwer.

Zwar ist es den Vereinen erlaubt, die Vierbeiner zu bewegen – hier steht das Tierwohl im Vordergrund. Aber ein geregelter Unterricht ist nicht möglich. Das reißt Löcher in die Klubkassen. Wie in Recklinghausen-Börste. Es liegt alles brach“, berichtet der Vorsitzende des Ländlichen Reit- und Fahrvereins Recklinghausen, Manfred Stübbe. Der rührige Funktionär mag sich gar nicht ausmalen, wo der Verein stünde, hätte es nicht finanzielle Soforthilfe vom Landessportbund (LSB) gegeben. „Das ging recht pro-blemlos“, berichtet Stübbe. Dennoch sagt er auch: „Wir hoffen, dass demnächst wenigstens Einzeltraining erlaubt sein wird.“

Vor allem privat bewirtschaftete Betriebe, die zum Beispiel auf Reiterferien setzen, stehen offenbar kurz vor dem Kollaps. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage, die der Pferdesportverband Westfalen durchgeführt hat. Im Kreisreiterverband Recklinghausen, in dem vornehmlich Sportvereine organisiert sind, sei die Stimmung zwar angespannt, berichtet der Vorsitzende Knut Wingender: „Aber von dramatisch scheinen wir noch entfernt.“ Ein Grund: Der Bestand an Schulpferden hat in den letzten Jahren abgenommen. In Börste setzen sie noch auf diese.

Ohne Bewegung werden Pferde krank

Neun Schulpferde hat der Verein in seinem Besitz, auf denen Kinder jeglichen Alters das Reiten erlernen. Der Unterhalt ist dabei der entscheidende Faktor: Etwa sechs Euro kostet ein Schulpferd am Tag, hat der Pferdesportverband Westfalen ausgerechnet. „Aber das sind dann nur wirklich die reinen Kosten für Stroh und Futter“, sagt Manfred Stübbe. „Der ideelle Teil wird da sicher nicht abgebildet.“

Werden Pferde nicht ausreichend bewegt, werden sie krank, die Gefahr einer Kolik steigt. In Recklinghausen sind täglich zwei Stunden in der Reithalle reserviert, an denen die Schulpferde unter Aufsicht bewegt werden. Geld bringt das keins ein, die Kosten bleiben – rund 180 Euro pro Pferd je Monat, in der Summe in Recklinghausen damit gut 1 600 Euro. Daher ist der Wunsch nach einer Öffnung des Unterrichts in den Vereinen so groß: Über die Gebühren für Reitstunden werden die vereinseigenen Pferde finanziert. Treue Sponsoren, Spenden, die Hilfen des LSB, dazu eine große Portion ehrenamtliches Engagement – so hangeln sich die Reitvereine durch die Pandemie.

Investitionen liegen vorerst auf Eis

Was bleibt auch übrig? Manfred Stübbe: „Wir können unsere angestellten Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit schicken.“ Pferde müssen sieben Tage die Woche versorgt werden. Die Gebühren, die Einsteller entrichten, wiegen die Kosten nicht auf. Bei Einstellern handelt es sich um Privatpersonen, die ihr Pferd bei einem Verein oder einem landwirtschaftlichen Betrieb gegen Gebühr unterbringen. „Investitionen wie ein neues Strohlager, das wir eigentlich anpacken wollten, liegen jetzt auf Eis“, berichtet etwa Burkhard Wolters, 2. Vorsitzender des ZRFV Dorsten. Wie viele Branchen sind Reitvereine von den Corona-Hilfen des Bundes ausgenommen: Grund sind Einnahmen, die Vereine durch die Einsteller erzielen. Die werden den Ausfällen gegengerechnet, so sagt es der Pferdesportverband.

Auf weitere Hilfen wollen viele Vereine auch gar nicht bauen. Manfred Stübbe: „Wir hangeln uns durch den Lockdown und schaffen das irgendwie. Wichtig wäre es jetzt aber, eine Perspektive zu bekommen.“

Turniersaison steht in den Sternen

Die Folgen der Corona-Pandemie werden den Reitsport weiter begleiten. Erste für März geplante Turniere sind abgesagt, sogar eine größere Veranstaltung im Mai sei fraglich, so Burkhard Wolters vom ZRFV Dorsten: „Wir müssten für unser Mai-Turnier schon jetzt ausschreiben, wissen aber nicht, ob wir die Halle nutzen dürften und wie die Kontaktnachverfolgung aussehen wird.“

Auch die Dressurtage auf dem Silverthof Mitte Juni stehen auf der Kippe. Knut Wingender, Vorsitzender der TG Silverthof: „Welcher Sponsor hat jetzt Geld, um eine Prüfung zu sponsern? Alle haben mit der Pandemie zu kämpfen.“

Selbst das August-Turnier in Börste ist fraglich. Manfred Stübbe: „Eigentlich müssten wir jetzt in die Puschen kommen – aber das fällt schwer.“

Bereits abgesagt ist das „Turnier der Sieger“ in Münster, das vom 19. bis 22. August 2021 geplant war.

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