Dörthe kickt in den USA

Abschied und Neuanfang

DORSTEN - Für die Dorstenerin Dörthe Hoppius ging nach vier Jahren ihr Studienaufenthalt im kalifornischen San José zu Ende. Da kam auch Wehmut auf.

Jetzt ist es wieder ein halbes Jahr her, seitdem ich mich gemeldet habe, und viele Entscheidungen sind gefallen. Wie ich in meinem letzten Bericht schon erwähnt hatte, habe ich mich in diesem Semester darum gekümmert, einen neuen Verein zu suchen. Die Entscheidung dauerte ein bisschen länger als gedacht, aber ich habe mich dazu entschieden, beim MSV Duisburg in der 1. Bundesliga aufzulaufen.

Für mich ist der MSV die beste Entscheidung. Nachdem ich jetzt vier Jahre im Ausland gespielt habe, kann ich wieder heimatnah Fuß fassen. Ich freue mich sehr, dass Duisburg so viel Vertrauen in mich hat und mir die Chance gibt, der Mannschaft nächste Saison zu helfen. Als ich jünger war, bin ich noch bei Spielen des damaligen FCR Duisburg zuschauen gegangen. Kaum zu glauben, dass jetzt ein paar Jahre später ich dort auf dem Rasen spielen werde.

Sonst habe ich versucht, in meinem letzten Semester alles zu genießen und mitzunehmen. Ich habe noch einige neue Strände gesehen, war Fallschirmspringen in Hollister, bin mit meinen besten Freundinnen in die Dominikanische Republik geflogen, um unseren letzten Spring Break noch einmal so richtig zu genießen, und ich habe noch ein Team in Morgan Hill trainiert. Es ist immer schön, wenn man ein Vorbild für junge Mädchen sein kann und dann auch noch sehen kann, wie sie sich verbessern.

Ansonsten war mein Semester schulisch gesehen relativ entspannt. Das Praktikum, das ich für meinen Abschluss machen musste, konnte ich von zu Hause aus absolvieren. Ich habe der Organisation Root & Rebound geholfen, deren Wohnungs-Liste für Ex-Häftlinge zu erneuern. Vor allem hier in Kalifornien ist es sehr schwer, eine Wohnung zu finden, die man sich auch noch leisten kann. Für Leute, die gerade aus dem Gefängnis kommen, ist dies dann quasi unmöglich. Besonders Leute mit einer sexuellen Straftat (was hier schon Urinieren am Straßenrand sein könnte), haben nur sehr wenige Möglichkeiten, eine Wohnung nach dem Gefängnis zu finden, wenn sie keine Familienangehörigen oder Freunde haben. Wenn diese Leute keine Wohnung finden können, landen sie wieder auf der Straße und werden dann höchstwahrscheinlich wieder straftätig. Ein sehr großes Problem also, bei dem ich hoffentlich ein bisschen helfen konnte.

Ansonsten hatte ich nur zwei weitere Kurse, die sehr interessant waren und sich mit den aktuellsten Problemen in Amerika beschäftig haben wie zum Beispiel Waffengesetze, Schießereien in der Schule, Brutalität der Polizisten, Rassismus etc.

Am 24. Mai feierte ich dann mit meinem Vater, der aus Deutschland eingeflogen war, meinen Abschluss. Jetzt kann ich offiziell sagen, dass ich meinen Bachelor in Criminal Justice mit Honors (hoher Notendurschnitt) bestanden habe. Nach den Feierlichkeiten hieß es dann, meine letzten vier Jahre in drei Koffer zu verstauen, was natürlich unmöglich ist! Außerdem bin ich mit meinem Vater noch einmal in ganz Kalifornien und auch Nevada und Arizona rumgefahren. Ich habe ihm den Yosemite Nationalpark, Grand Canyon und das Death Valley gezeigt. Zudem waren wir in Las Vegas, Santa Barbara, Santa Monica, Los Angeles, San Diego etc.

Es ist kaum zu glauben, dass ich jetzt nach vier Jahren wieder zurück nach Deutschland fliegen werde und das schöne Kalifornien zurücklasse. Ich bin dankbar für meine Erfahrungen und Freunde, die ich hier gefunden habe, und würde jedem empfehlen, sein Studium und Sport in den USA zu kombinieren. Man lernt die Sprache perfekt, lernt Leute aus verschiedenen Ländern und Kulturen kennen, man lernt, eigenständig zu sein und man hat eine ganze Menge Spaß und macht Freunde, die zu Familie werden.

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