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Der Fußball verbindet sie: Inaki Joachim (l.) und Julian Heß (r.) bieten in der Notunterkunft an der Bochumer Straße ein Sportprogramm für Flüchtlinge an. Der Albaner Behlul und der Ghanaer Charles (v.l.) sind zwei ihrer Schützlinge.

Fußball

Flüchtlinge spielen beim SV Altendorf

DORSTEN - Die Antworten kommen zögerlich und in gebrochenem Englisch. Charles zu verstehen ist nicht leicht, bei Behlul ist es noch schwerer. Doch wenn die beiden Flüchtlinge Fußball spielen, läuft die Verständigung problemlos. Dass sie ihren Lieblingssport betreiben können, verdanken sie zwei Spielern des SV Altendorf.

Inaki Joachim und Julian Heß studieren Sport. Die Mutter ihres Mannschaftskollegen Lars Weiß betreut die Flüchtlinge an der Bochumer Straße ehrenamtlich. Sie wollte den Menschen aus Syrien, Albanien und Afrika die Möglichkeit bieten, Sport zu treiben, und suchte nach geeigneten Übungsleitern. Die Teamkollegen ihres Sohnes waren da die logische Wahl – und beide sagten ohne Zögern zu.

Die Resonanz unter den Flüchtlingen war groß. „Beim ersten Mal haben wir elf gegen elf gespielt und an der Seitenlinie standen noch 20 Leute, die die Teams angefeuert haben“, erzählt Inaki Joachim. Inzwischen sind er und Julian Heß, wenn es die Uni zulässt, bis zu dreimal die Woche an der Bochumer Straße und leiten die Trainingsstunden. Inaki Joachim kümmert sich um die Erwachsenen, Julian Heß um die Kinder und Jugendlichen.

Rohdiamant

Die ersten Talente waren dabei natürlich schnell gefunden und mittlerweile führt der Weg nicht mehr nur von Altendorf nach Dorsten, sondern auch in die umgekehrte Richtung. Wenn die erste Mannschaft des SV Altendorf-Ulfkotte trainiert, holt Inaki Joachim jedes Mal drei Flüchtlinge an der Bochumer Straße ab und bringt sie zum Training in der Volksbank-Arena am Gildenweg. Charles und Behlul sind zwei von ihnen, der dritte trägt den vielsagenden Namen Diamond. „Der ist tatsächlich ein Rohdiamant“, berichtet Julian Heß über den 23-jährigen Nigerianer.

Die Initiative, auch im Verein zu trainieren, ging von den Flüchtlingen aus. „Es ist mein Traum, hier in Deutschland Fußball zu spielen. Und das möglichst hochklassig“, sagt Charles. Ob das gelingt, hängt aber nicht nur von seinen neuen Freunden beim SV Altendorf ab. „Beim Training sind sie versichert, bei Testspielen auch. Aber für Pflichtspiele brauchen sie natürlich einen Spielerpass“, erläutert Inaki Joachim.

Große Hürden

Der DFB und seine Landesverbände haben zwar signalisiert, dass sie das Passverfahren vereinfachen wollen. Es gibt aber auch noch eine andere, noch größere Hürde: „Noch steht ja gar nicht fest, ob die Flüchtlinge von der Bochumer Straße überhaupt in Dorsten bleiben, denn hier handelt es sich ja um eine Erstaufnahme handelt“, bringt es Julian Heß auf den Punkt.

Die Odyssee von Charles, Behlul und Diamond könnte sie also schon bald in eine andere deutsche Stadt führen. Den Weg auf den Fußballplatz werden sie sich dort dann wieder neu suchen müssen. Ob sie ihn finden, hängt auch davon ab, ob es dort Vereine wie den SV Altendorf und Spieler wie Inaki Joachim und Julian Heß gibt.

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