Leichtathletik

"Die haben mir den Titel förmlich aufgedrängt"

DORSTEN - Mit einem Deutschen Meistertitel kehrte der Dorstener Leichtathlet Egon Kleine-Homann am Wochenende von den Hallentitelkämpfen der Senioren aus Erfurt zurück. Seine Freude darüber war allerdings nicht ungetrübt.

Eine Woche vor der DM hatte Egon Kleine-Homann bei den Kreismeisterschaften in Düsseldorf die Kugel noch 11.43m weit gestoßen. In Erfurt wollte er dieses Eregbnis toppen. Doch dann machte dem 75-Jährigen, der für SuS Schalke 96 startet, der Rücken einen Strich durch die Rechnung. Gleich im ersten Versuch machte es am Samstag "Knack" und die Kugel landete bei 10,50m. Für Kleine-Homann natürlich ein herber Schlag, doch die Weite sollte ? genau wie alle anderen Versuche des Dorsteners ? zum Deutschen Meistertitel reichen, und das war der nächste Grund, warum Kleine-Homann mit der DM in Erfurt nicht ganz zufrieden war.

"Die haben mir die Medaille ja förmlich aufgedrängt", sagte er am Montag scherzend mit Blick auf die Konkurrenz. Denn die bestand infolge der aktuellen Grippewelle gerade mal aus zwei weiteren Athleten und die konnte Egon Kleine-Homann in Erfurt nicht das Wasser reichen. Friedhelm Saure aus Fröndenberg stieß in seinem besten Versuch 10,01m und wurde Vizemeister, Dietmar Keller von der LG Röthenbach/Pegnitz kam mit 8,59m auf Platz drei. Egon Kleine-Homann dagegen legte gleich fünf Weiten jenseits der 10-m-Marke hin und wurde schließlich mit 10,72m souveräner Deutscher M75-Meister.

Einen Ehrenplatz wird die Medaille in seiner Titelsammlung wohl nicht einnehmen, aber: "Wegschmeißen werde ich sie natürlich auch nicht. Ich bin aber kein Titelsammler. Ich muss mit meiner Leistung zufrieden sein, darauf kommt es an." Und da kam ihm halt die Rückenverletzung in die Quere. "Die 200 Meter", so der Dorstener, "bin ich aus Frust noch gelaufen." Doch die Beeinträchtigung war zu groß, Kleine-Homann wurde in 33,95sec Fünfter, auf den eigentlich geplanten Start über 400m musste er ganz verzichten.

Dabei hat er gerade über diese Strecke Pläne. "In Erfurt habe ich mit meinen Kollegen aus der 4x400-m-Weltmeisterstaffel von 2015 gesprochen. Wir wollen im September bei der WM in Malaga starten." Dort ist die Konkurrenz allerdings groß: "Die Kenianer stecken Hunderttausende von Euro in ihre Läufer, die USA 220.000 Dollar in ihr WM-Team. In Deutschland müssen wir dagegen Anreise, Unterkunft und alles andere selbst bezahlen. So sieht es bei uns leider mit der Senioren-Leichtathletik aus."

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