Leichtathletik

Von der Steinzeit zur Tartanbahn

Dorsten - Der Dorstener Leichtathletik Club feierte am Samstag im Vereinsheim des VfL RW Dorsten seinen 60. Geburtstag harmonisch-familiär - auf ganz andere Art und Weise

Mit den Geburtstagfeiern ist das so eine Sache. Mal ist die Fete groß, hat aber den Charme eines Beerdigungskaffees, mal bleiben die Gäste einfach weg, was auch nicht so toll ist. Was aber der Dorstener Leichtathletik-Club da auf die Beine stellte, war familiär, spritzig, erdig, wissenschaftlich, jung. 60 Jahre jung.

Schon die Begrüßungsrede von Franz Krüger, dem Vorsitzenden des DLC, hatte großen Unterhaltungswert. Für so ziemlich jeden der Anweswenden hatte er ein schwungvolles Wort über. SSV-Vorsitzender Helmut Winkler, quasi ehrenamtlicher Betreuer der heimischen Vereine, bekam den Begriff "dynamisch" mit auf den Weg, sein hauptamtlicher Kollege Michael Maiss, Sportkoordinator der Stadt, immerhin noch "flexibel".

Es macht die Qualität eines Vereins aus, wenn auch der Chef der örtlichen Kreissparkasse zu den Geburtstagsgästen gehört. Und wenn der auch noch per Fahrrad anreist, demonstriert das einen Teil der gesamtsportlichen Einstellung der Gemeinde. Wie gesagt, familiär-harmonisch. Dazu gehörte natürlich auch, dass Krüger die drei Deutschen Meister des Vereins begrüßte, von denen Michael Längler (einst begnadeter Mittelstreckler) aus Freudenberg im Sauerland die weiteste Anreise hatte.

Der DLC ist mit seinen 60 Jahren nach wie vor ein eigenständiger Verein mit verschiedenen Abteilungen (u.a. Volleyball), aber startet mit seinen Leichtathleten unter dem Dach der Leichtathletik-Teams Dorsten, zu dem auch noch die LG Dorsten und der VfL Rot-Weiß (einst die Keimzelle des DLC) gehören. Alles - wie gesagt - sehr familiär-harmonisch. Krüger: "Die Tatsache, dass mehrere Vereine als Startgemeinschaft unterwegs sind, garantiert, dass der Name ,Dorsten', anders als beispielsweise bei den Ruderern mit ihren hervorragenden Leistungen, in den Startlisten erhalten bleibt." Harmonisch.

Es geht aber auch anders. Das dokumentierte dann Leo Monz-Dietz, der als "Laufpapst" anschließend zum großen Wurf ausholte. Nicht nur die Form seiner Dokumentation, die er anhand vieler alter Zeitungsausschnitte quasi an die Wand warf, demonstrierte Erfolg - trotz aller Widrigkeiten. Plakativ wurde er mit regionalem Bezug, was zumindest Michael Maiss nachdenklich stimmte: "Recklinghausen und Dülmen haben zwei, Erkenschwick, Waltrop und Marl jeweils eine. Nur Dorsten hat keine Kunststoffbahn." Und Krüger ergänzt: "Dennoch ist Dorsten national die erfolgreichste Stadt des Kreises." Immer noch harmonisch, aber zumindest mahnend? Die Fußballer klagen natürlich auch mit Recht, weil immer noch Kunstrasenplätze fehlen. Die Leichtathleten allerdings stehen trotz aller Kunst immer noch mit leeren Händen da. Helmut Winkler nickte wissend.

Dann wurde es familiär-wissenschaftlich. An der Leibniz-Universität in Hannover lehrt Professor Dr. Karsten Krüger, der - weil alles familiär war - nicht nur Sohn des Vorsitzenden ist, sondern auch noch seine bezaubernde Frau und fünf Enkelkinder des "Chefs" mitbrachte, die für richtig Leben in der Bude sorgten. Krüger jun., selbst lange erfolgreicher Läufer des DLC, ist Sportwissenschaftler. Und er zeigte überaus unterhaltsam auf, wie wesentlich der Sport für die Gesundheit ist. Hätten Sie es gewusst? Jäger und Sammler in der Steinzeit legten für ihren Lebensunterhalt täglich rund 30 bis 40 Kilometer pro Tag zu Fuß zurück. Ein normaler Finanzbeamter - das haben Krüger und seine Studenten ermittelt - der heute mit einem Parkplatz vor der Behörde gesegnet ist, hingegen nur noch 400 bis 700 Meter. Die Empfehlung Krügers liegt übrigens bei sieben Kilometer pro Tag zu Fuß. Klarer Fall: Zivilisation macht lauffaul. Und ist eben nicht gesundheitsfördernd.

Und auch die stellvertretende Bürgermeisterin Christel Briefs wusste noch was Sportliches zum Besten zu geben: "Seit mein Hund gestorben ist, fehlt mir etwas. Nicht nur die treue Hundeseele, die ich ins Herz geschlossen habe, sondern auch die Bewegung." Und das sagte sie, während noch das letzte Bild von Krügers Power-Point-Präsentation an der Wand prangte: Überwinde den inneren Schweinehund!

Harmonisch, bündig, fröhlich, schlüssig. So kann man wirklich gut Geburtstag feiern.

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