Das Sportporträt

Der "Lembecker Jupp Heynckes" wollte mehr als nur Fußball

LEMBECK - "Ich bin der Jupp Heynckes vom SV-Lembeck", sagt die 70-jährige Lembecker GymnastiktrainerinIngrid Liebers und lacht: "Der hat auch in dem Alter noch als Trainer gearbeitet."

Als sie 70 wurde, lud Ingrid Liebers die Mitglieder der von ihr betreuten Lembecker Turngruppen zum Frühstück ins Clubheim ein und 76 Sportlerinnen und Sportler kamen. Und auch als die rührige Übungsleiterin dann im Januar 2018 bei der Sportlerehrung der Stadt und des Stadtsportverbandes Dorsten mit der goldenen Stadtplakette geehrt wurde, durfte sie sich über einen ganzen Tisch voller "Fans" freuen, die ihre "Mutter der Kompanie" lautstark feierten.

Denn die veränderte die Lembecker Sportlandschaft einst nachhaltig und prägt sie bis heute. Als die gebürtige Bielefelderin vor vielen Jahren aus Ostwestfalen nach Lembeck kam, dachte sie: "Hier gibt es nur Fußball, da fehlt doch was", und begann mit dem Aufbau ihrer ersten Gymnastikgruppe im "Haus der Familie". Es folgte eine Turngruppe für Mutter und Kind , die rund 20 Jahre lang Bestand hatte.

Mit der Übungsleiter-C-Lizenzerwarb Liebers schon früh die notwendige fachliche Qualifikation und hat diese seitdem immer wieder mit den notwendigen Weiterbildungen ergänzt. Ihr Ehemann Peter übernahm zu dieser Zeit die Verantwortung als 1. Vorsitzender des SV Lembeck, den er gerne zu einem Mehrspartenverein aufbauen wollte. Da kamen die Ideen seiner Ehefrau gerade recht. Liebers' Tatendrang wurde dadurch noch angeregt und so ist sie seit 1980 Übungsleiterin in der Damen-Gymnastik und erweiterte diese 1990 noch um eine schonende Wirbelsäulengymnastik.

Ingrid Liebers kümmerte sich aber auch gerne um den Nachwuchs und trainierte fast 15 Jahre lang zwei Kinder- und eine Jugendtanzgruppe. Für den Lembecker Karneval formte sie eine Showtanztruppe die zehn Jahre lang mit großem Erfolg bei den Sitzungsabenden auftrat. Mit dem Aufbau einer Aerobicgruppe hatte sie das richtige Gespür für den damaligen Zeitgeist und freute sich über den großen Zulauf. Das war für sie auch ein entscheidender Wandel, denn mit der Aerobicwelle kam die Musik als neues, begleitendes Element dazu.

Aktuell leitet Ingrid Liebers immer noch mit Leidenschaft die Frauensportgruppe "Immer fit". Viele der Damen sind schon lange dabei und Liebers sagt stolz: "Die sind alle fit." Im Training sind ihre zentralen Ansatzpunkte die Stärkung der Bauch- und Rückenmuskulatur zur besseren Stabilität. Aber auch Kraft und Konditionsaufbau werden gefördert. Beim Ball-Zuwerfen, Fangen und Weitergeben wird durch abgestimmte Hand-Augenkombination die Gehirntätigkeit aktiviert und angeregt.

Schon bei der Trainingseröffnung heizt Ingrid Liebers den Damen mit flotter Musik und schnellen Schrittkombinationen bei gleichzeitigem Arm- und Beineinsatz kräftig ein und lässt sie danach auf dem Steppbrett "tanzen". Bei Übungen auf der Bodenmatte steht sie allen helfend bei, denn auch in der Rückenlage soll die Ausführung, um Verletzungen zu vermeiden, sicher und korrekt erfolgen.

2006 wollten einige ältere Leichtathleten auch ein spezielles Training haben und sprachen Ingrid Liebers darauf an. Sie sagte: "Ja, aber nur, wenn mein Mann auch mitmacht." Heute treffen sich im Schnitt 15 Rentner regelmäßig in der Montagsgruppe von 11 - 12 Uhr. Damit alle zum Mittagessen wieder zu Hause sind. Liebers sagt: "Im Training bin ich keine Frau", und überwacht mit Argusaugen die Ausführungen von verschiedenen Kombinationen aus Handhantel, Ball und Bodenübungen auf der Matte. Zu Anfang gab es allerdings staunende Gesichter denn die Herren hatten vorher noch nie eine Trainerin, die sie mit Musik in Schwung bringt. Ingrid Liebers erzählt: "Das hat sich aber schnell gelegt, und die Männer haben mit mir zusammen meinen 60. Geburtstag gefeiert." Die Männer sind hoch zufrieden und loben ihre Trainerin: "So eine kriegen wir nicht wieder."

Bei der Wirbelsäulen-schonenden Gymnastik betreut Ingrid Liebers Damen zwischen 40 und 70 Jahren und fördert auch in dieser Gruppe mit Rhythmus und Musik Koordination, Ausdauer und die Herz-Kreislauffunktion.

Liebers reizt dabei besonders die Vielseitigkeit der Anforderungen in den verschiedenen Gruppen. Lächelnd gesteht sie: "Ich bewege pro Woche rund 120 Leute", und ist immer um Abwechslung bemüht. Dabei schaffen Aerobic, Konditionstraining oder Pilates immer wieder neue Anreize für die Teilnehmer.

Die Musik stellt sie entsprechend den Übungsanforderungen selbst zusammen, und so hören die Teilnehmer neben Klassikern wie "Daddy Cool" von Boney M. auch den Erfolgssong "It?s Raining Men" von den Weather Girls. Für die Tanzgruppen hat Ingrid Liebers Choreografien entworfen, hält sich mit weiteren Fortbildungen auf dem neuesten Ausbildungsstand, und achtet in den Gruppen immer besonders auf das aktuelle Leistungsniveau und die Befindlichkeiten der einzelnen Teilnehmer.

Neben dem harten Training sorgen gemeinsame Ausflüge, Essen oder auch Radtouren für Abwechslung. Liebers findet den Zusammenhalt in den einzelnen Gruppen untereinander sehr positiv und war mit der Dienstaggruppe zu deren 30-jährigen Bestehen mit 40 Frauen auf Malle.

Da Ingrid Liebers alle Übungen vorturnt, ist die Fitness bei ihr kein Problem. Um sie auch weiter zu erhalten, trainiert sie als Teilnehmerin in der Zumbagruppe ihrer Enkelin mit.

Liebers hat selbst immer noch viel Spaß an der Bewegung und sagt: "Genau diese Beweglichkeit will ich auch weiterhin bei meinen Teilnehmern verbessern." Ihr Hobby ist der Breitensport und sie will gerne weitermachen.

Ehemann Peter sagt: "Ingrid hat ein großes Interesse am Menschen und hat sich ihre eigene persönliche Sportwelt erschaffen."

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