Bob: Dortmunder nach Pyeongchang

Olympia-Teilnehmer Weber: Dabei sein ist nicht alles

Dortmund - Der Dortmunder Christopher Weber macht sich zu den am 9. Februar beginnenden Olympischen Spielen nach Pyeongchang auf - dabei hatte er immer für etwas ganz anderes trainiert. Die Form für erfolgreiche Spiele hat der 26-Jährige schon.

Arme wie Baumstämme und eine Brustmuskulatur, die sich deutlich durch das Shirt abzeichnet: Der Dortmunder Christopher Weber ist nach einer anstrengenden Bob-Saison in Olympia-Form. "Ich fühle mich super, obwohl Sonntag mein erster freier Tag nach drei Wochen war", sagt der 26-Jährige. Am Königssee hatte Weber zusammen mit Johannes Lochner und seinen anderen Teamkameraden zum letzten Mal das Material getestet und geschaut, ob alles rundläuft - und das tat es. "Wir haben noch die ein oder andere Sache verbessert. Jetzt kann Olympia kommen", so Weber, der sich ein Lächeln nicht verkneifen kann, während er davon erzählt und sich entspannt zurücklehnt.

Sommerspiele als großes Ziel

Dabei war sein Weg zu den Winterspielen in Pyeongchang (Südkorea) alles andere als absehbar, denn eigentlich waren für den 26-Jährigen immer die Sommerspiele das große Ziel - als Sprinter. Dass er eines Tages als Anschieber zusammen mit Johannes Lochner im Zweier- und Viererbob unterwegs sein würde, habe er selbst nie gedacht. "Und jetzt steige ich am Samstag wirklich in den Flieger und kämpfe um Medaillen - das hätte ich damals für einen Witz gehalten."

Damals, vor gut anderthalb Jahren, sprintete Christopher Weber als Leichtathlet noch über 100 und 200 Meter. Und das sogar richtig gut. Mit einer Zeit von 10,76 Sekunden über 100 Meter war er der schnellste Dortmunder über diese Strecke. "Aber irgendwas hat mir immer gefehlt", erklärt der Dortmunder, der seine Stärken im explosiven Antritt und auf den ersten Metern sieht. "Wenn ich da an die 200 Meter denke - das war echt meine absolute Hass-Strecke. Danach ging's mir immer richtig schlecht." Ein Ausflug mit seinem Freund Pablo Nolte nach Winterberg und seine damit verbundene erste Fahrt im Bob weckten die Lust in ihm auf mehr. "Eigentlich habe ich mein Leben lang fürs Bobfahren trainiert, ohne es zu wissen, weil ich Sprinter war."

Knapp 98 Kilogramm wog das Kraftpaket im Oktober 2016, als er sich für den Bob-Sport und gegen die Leichtathletik entschied. Jetzt, knapp anderthalb Jahre später, bringt Weber 110 Kilo auf die Waage. "Ich hatte schon Masse, aber für einen Bobfahrer war das noch lange nicht genug." Beim Training für die Explosivität setzt der Dortmunder auf Sprünge auf Kästen, Froschsprünge, Ausfallschritte und Sprints. Aber auch an seiner Kraft hat Weber zuletzt hart gearbeitet. "Gewichte bolzen, Kniebeugen und Kreuzheben gehören bei mir dazu." Denn gegen ein Vorurteil wehrt sich Weber: "Es steckt viel mehr dahinter als nur anschieben und reinhüpfen."

Weltcupsieg im Viererbob

Doch den Übergang vom Sprinter zum Anschieber hat der 26-Jährige schneller hinbekommen als gedacht. Schneller Anschub, Sprung auf ein kleines Brett und ab und den Bob: Die Abläufe sind komplex, doch "wenn man das einmal drin hat und man sich in jeder Trainingseinheit verbessert, klappt das recht schnell". Und die Erfolge lassen sich schon in der ersten Saison sehen: Im Team von Johannes Lochner gewann er in seiner ersten Saison den Weltcup im Viererbob.

"Schon die Weltcup-Läufe waren etwas Besonderes, weil auch Wettbewerbe in Amerika dabei waren. Bei der Leichtathletik war das höchste der Gefühle ne Fahrt nach Kassel."

Olympia ist Höhepunkt der Saison

Trotzdem: Die Olympischen Spiele stellen für Weber den Höhepunkt der Saison dar, den Höhepunkt seiner bisherigen Sportler-Karriere. Doch das richtige Olympia-Gefühl stellt sich bei ihm noch nicht ein: "Ich habe immer gedacht, ich wäre dann mega nervös und finde das voll geil." Aber davon ist noch keine Spur. "Irgendwie berührt mich das gerade noch gar nicht. Ich glaube, dass ich mir im Kopf eine Sperre gesetzt habe."

Sowohl im Zweier- als auch im Viererbob schielt Weber auf Medaillen. "Klar möchte ich eine holen. Am liebsten sogar zwei - zwei goldene." Die maximale Ausbeute ist also das Ziel am 19. Februar im Zweier- und am 25. Februar im Viererbob. "Das olympische Motto ,Dabei sein ist alles' halte ich für vollkommen deplatziert."

Ohne Familie nach Pyeongchang

Viel anders machen als bei seinen Weltcup-Auftritten will Weber allerdings trotzdem nicht: morgens duschen, um frisch zu sein, und anschließend die Kopfhörer in die Ohren und sich mit Deutsch-Rap in Wettkampf-Stimmung bringen. Ansprechbar ist er dann kaum noch für jemanden - außer seine Mitfahrer. Deshalb macht es ihm auch nichts, das seine Familie nicht mit nach Pyeongchang gekommen ist. Zu teuer seien Flug und Unterkunft gewesen, aber "das ist jetzt auch nicht der Ort, der aus meiner Sicht besonders interessant für Touristen ist".

Sehen wird der Dortmunder in Südkorea sowieso nichts. "Ich fokussiere mich voll auf die Wettkämpfe." Genau deshalb lässt sich das Team Lochner auch nicht im Olympischen Dorf nieder. "Das ist ein riesiger Komplex mit sehr dünnen Wänden, und da ist richtig Halligalli. Das können wir nicht gebrauchen." Alles ist also auf das große Ziel Olympia-Medaille ausgerichtet - auch wenn es eine andere ist als die, für die er immer trainiert hatte.

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