Brauereien in Dortmund

Wie die Bierhauptstadt eine Renaissance durchlebt

Dortmund - Bier trinken ist out und die Deutschen greifen seltener zum kühlen Blonden. Auch Dortmund, einst Mekka der deutschen Brauereiszene, hat nach etlichen Fusionen zum Ende des vergangenen Jahrhunderts an Glanz eingebüßt. Einzelne Unternehmer und eine Brauerei machen sich dran, den Ruf wieder aufzupolieren - mit speziellen Produktlinien.

Die Anlaufstätte am Innenstadtwall in Dortmund ist mittlerweile Kult. Eine alte, verwaiste Tankstelle, über deren Theke mittlerweile eine andere Art von Sprit geht. Das frische Zapfbier wechselt gerade den Besitzer, da kommt schon der Laster von der Bergmann- Brauerei und bringt Nachschub. Auch der Kiosk gehört dem Unternehmen, das 2005 wiederbelebt wurde und sich seither in der Stadt etabliert hat.

Rückläufige Verkaufszahlen

Europaweit steht Deutschland mit 104 Litern Bier pro Kopf auf dem zweiten Rang hinter Tschechien. Aber der Eindruck täuscht, denn die Zahlen sind seit Langem rückläufig. So trank der Durchschnittsdeutsche vor 30 Jahren noch knapp 150 Liter im Jahr. "Die demographische Entwicklung, sowie das veränderte Verbraucherverhalten und Körperbewusstsein führten dazu, dass der Absatz alkoholhaltiger Getränke seit Jahren rückläufig ist", erklärt Marc-Oliver Huhnholz vom Deutschen Brauer-Bund. Paradox ist dabei, dass die Anzahl an Brauereien kontinuierlich steigt.

Zwar mündeten strukturelle Veränderungen durch Konzentrationsprozesse im Jahr 2002 im Zusammenschluss aller traditionellen Dortmunder Brauereien und der über 30 Sorten unter dem Dach der Radeberger-Gruppe. Doch machen sich seit einiger Zeit kleine Privat- Brauereien - wie Bergmann - und Selbstständige auf, die Vielfalt in der früheren Bierhauptstadt neu aufleben zu lassen. Dazu zählen auch die "Flaschenbierfreunde", ein Verbund dreier Hobby-Biertrinker, zu denen auch Marcus Koch zählt. Das Trio brachte 2017 das Pils "Unser voller Ernst" auf den Dortmunder Markt. "Unsere Erfahrung im letzten halben Jahr ist, dass in den Dortmunder Köpfen eine große Sehnsucht nach den alten Zeiten, mehr Qualität und Vielfalt existiert", erklärt Koch.

Craft-Beer im Trend

Dass der Bierkonsum in diesem Jahr wieder steigt, ist gar nicht unwahrscheinlich: Nicht nur wächst die Craft-Beer-Szene beständig, auch die Nachfrage nach alkoholfreiem Bier geht in die Höhe. Vor allem aber wird die nächste WM durstigen Fußballfans die Möglichkeit geben, die Bierstatistik aufzubessern.

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