BVB-Jugendhandball

Leonie Kockel nach der Deutschen Meisterschaft: "Trainerwechsel ist eine Chance"

Leonie Kockel (19) hat die BVB-A-Jugend zum Deutschen Meister gemacht, jetzt geht es für sie zur Junioren-EM. Im Interview spricht sie auch über den Trainerwechsel beim BVB und die U19-Fußballer.

Frau Kockel, herzlichen Glückwunsch zur Deutschen Meisterschaft. Hand aufs Herz: Wann sind Sie nach dem Finalsieg nach Hause gekommen, wann waren Sie am nächsten Tag wach?

Also ich habe bis 10.30 Uhr geschlafen. Und nach Hause gekommen bin ich, glaube ich, gegen 4 Uhr. Aber ehrlich gesagt, habe ich auch gar nicht mehr auf die Uhr geguckt. (lacht)

Wie war die Partynacht im Bus auf der Rückfahrt von Flensburg nach Hause?

Wir haben auf jeden Fall ausgiebig gefeiert. Und wir haben durchgefeiert. Wir hatten einfach alle total gute Laune. Wir verstehen uns wirklich super und der Titel war der perfekte Abschluss. Wir haben jetzt auch nochmal eine Abschlussrunde mit der 3. Liga-Mannschaft und der A-Jugend, da sind die Mannschaften ja fast identisch.

Das Finale gegen Leverkusen war ein richtiger Krimi, Sie haben ganz knapp mit 22:21 gewonnen. Wie groß war die Nervosität im Finale bei Ihnen?

Also vor dem Spiel ging es eigentlich, da war ich ganz ruhig, beim Aufwärmen hat es dann angefangen zu kribbeln. Aber beim Anpfiff habe ich dann die Nervosität ausgeschaltet. Natürlich ist auch immer ein bisschen Nervenkitzel dabei, aber ich konzentriere mich dann immer voll auf das Spiel.

Haben Sie während des Spiels jemals daran gezweifelt, dass sie den Titel holen würden?

Nein, ich habe immer daran geglaubt. Wir waren ja auch Favorit, ich habe nie davon abgelassen.

Geklappt hat dann ja auch alles: Sie haben in der letzten Sekunde das Siegtor geworfen. Da hatten sie doch vor dem Spiel bestimmt ein Ritual, das Ihnen Glück gebracht hat, oder?

Nein, ein Ritual habe ich nicht, aber meine Socken müssen immer richtig sitzen. (lacht)

Beschreiben Sie uns nochmal die Situation vor dem letzten Tor. Auf der Uhr standen noch 3 Sekunden und es gab einen Freiwurf für Sie. War es klar, dass Sie werfen?

Als es den Freiwurf gab, wusste ehrlich gesagt keiner von uns so richtig, was wir machen sollen, wir haben uns erstmal alle nur angeguckt. (lacht) Irgendwann war dann klar, dass ich werfe.

Wohin haben Sie geworfen?

Das weiß ich gar nicht mehr so richtig (lacht). Ich glaube so in Richtung halb oder unten in die kurze Ecke. Ich habe es gar nicht realisiert, dass ich getroffen habe. Ich habe nichts in den Kopf bekommen, nur die anderen jubeln sehen. Ich habe es bis jetzt noch nicht ganz realisiert, dass wir Deutscher Meister sind. Aber das hat meine Jugendzeit auf jeden Fall perfekt gemacht.

Wissen Sie schon, an welchen Platz Ihre Medaille kommt?

Einen Platz ausgesucht habe ich noch nicht, noch liegt sie auf dem Tisch neben mir. Aber die kommt auf jeden Fall neben mein Bett.

Ihre Zeit als Jugendspielerin ist mit dem Titelgewinn beendet. Die Saison der BVB-Handball-Frauen ist auch vorbei. Aber Pause haben Sie trotzdem noch nicht...

Genau, ab dem 5. Juni bin ich wieder mit der Junioren-Nationalmannschaft unterwegs, im Juli steht die Europameisterschaft an. Danach haben wir noch die Weltmeisterschaft und dann ist die Zeit in der Junioren-Nationalmannschaft vorbei.

Bei Ihrer ganzen Erfahrung - sind die Spiele in der Jugend nicht leicht für Sie, wenn man bedenkt, dass sie regelmäßig in der Bundesliga spielen?

Nein es ist nicht leichter, es ist einfach ein ganz anderes Spiel. Aber natürlich profitiert man von der Erfahrung aus der Bundesliga.

Mittlerweile sind Sie fester Bestandteil des Bundesliga-Teams. Erinnern Sie sich denn noch an ihr erstes Spiel für die BVB-Frauen?

Ehrlich gesagt nein. (lacht) Ich weiß nur noch, was ich damals für ein Gefühl hatte: Ich war super aufgeregt, hatt Gänsehaut. Man weiß einfach, dass einen ein paar Augen mehr beobachten und man will auf gar keinen Fall einen Fehler machen.

Von wem haben Sie in dieser Saison denn am meisten gelernt?

Das kann ich nicht an einer Person festmachen, ich habe von ganz vielen Leuten etwas gelernt - egal ob es um den Handball oder um Sachen außerhalb des Feldes ging. Ich habe versucht, mir so viel wie möglich abzuschauen. Und natürlich lernt man von so erfahrenen Spielerinnen wie Clara Woltering und Svenja Huber ein Menge. Da wurden wir jungen Spielerinnen wirklich klasse ins Team aufgenommen.

Über die Hälfte der Spielerinnen hat den BVB nach der Saison verlassen, es kommen viele neue, inklusive eines neuen Trainers. Macht Ihnen das Angst?

Nein, ich sehe das als Chance. Für mich und für alle anderen. Die Karten werden einfach neu gemischt.

Erfolge in der Jugend, Spiele in der Nationalmannschaft, der Bundesliga und dem Europa-Pokal. Sie haben die perfekten Voraussetzungen für eine Profi-Karriere, oder?

Das ist natürlich mein Ziel, aber ich denke da schrittweise. Ich versuche einfach, alles mitzunehmen, was kommt. Ich setze nicht alles blind auf Handball, ich brauche auch noch nebenher etwas.

Damit meinen Sie Ihr Studium?

Genau, ich studiere im 2. Semester Physiotherapie.

Sie studieren, hatten mit den Bundesliga-Frauen zuletzt acht Mal die Woche Training und haben regelmäßig Lehrgänge mit der Nationalmannschaft. Wie viel Freizeit bleibt Ihnen da unter dem Strich?

Die Zeit ist natürlich recht knapp (lacht). Aber ich nutze jede Gelegenheit, um mit Freunden und Familie was zu unternehmen. Aber für so Momente wie den Gewinn der Deutschen Meisterschaft lohnt sich der Zeitaufwand auf jeden Fall. So geht es, glaube ich, jedem Sportler. Um ein bisschen Zeit zu sparen, ziehe ich jetzt von Sprockhövel nach Dortmund in meine eigene Wohnung.

Haben Sie eigentlich mitbekommen, dass Sie gestern nicht das einzige BVB-Team waren, dass Deutscher Meister geworden ist?

Natürlich haben wir das mitbekommen, wir haben vor unserem Spiel im Hotel sogar noch ein bisschen das Finale der U19 geguckt. (lacht) Wir konnten es ja leider nicht zuende gucken, aber auf dem Weg in die Halle hat man auch immer noch nachgehorcht, wie es da so steht. (lacht)

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