DEB-Team verpasst Olympia-Wunder

Silber wie Gold! Sturm-Team schreibt trotz 3:4 Geschichte

Pyeongchang - Die deutschen Eishockey-Cracks verlieren ein denkwürdiges Olympia-Finale in der Verlängerung. Die Mannschaft von Bundestrainer Marco Sturm muss sich den Olympischen Athleten aus Russland 3:4 geschlagen geben und reist mit der Silbermedaille aus Pyeongchang ab.

Dieses Silber fühlt sich wie Gold an. Auch wenn das deutsche Eishockey-Sensationsteam das Wunder im Olympia-Finale dann doch knapp verpasste, verneigt sich Deutschland vor dieser Auswahl von Bundestrainer Marco Sturm. Nach dem hoch dramatischen 3:4 (0:1, 1:0, 2:2) nach Verlängerung gegen die Olympischen Athleten aus Russland (OAR) am Sonntag in Pyeongchang bleibt es bei der zuvor bereits perfekten Silbermedaille. Allein dies ist der größte Erfolg in der Geschichte des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB).

"Wenn wir mal auf das gesamte Turnier zurückblicken, dann können wir unglaublich stolz sein, was wir hier mit der Mannschaft erreicht haben", sagte Verteidiger Christian Ehrhoff. "Wir waren so knapp davor, Gold zu gewinnen, deswegen war es natürlich im ersten Augenblick extrem schmerzhaft, das mitzuerleben", meinte Yannic Seidenberg: "Aber als die Medaillen rauskamen, war ich einfach nur unglaublich stolz, dabei gewesen zu sein und sie in der Hand zu haben."

Müller erzielt die Führung

Dank unglaublicher Leidenschaft stand das deutsche Team kurz davor, sogar Gold aus Südkorea mitzunehmen. Jonas Müller (57.) traf in der Schlussphase zur zwischenzeitlichen 3:2-Führung, doch die Russen retteten sich mit einem Treffer 55,5 Sekunden vor Schluss noch in die Overtime. Die wundersame Siegesserie der DEB-Cracks, die unter anderem mit den völlig unerwarteten Erfolgen gegen Weltmeister Schweden und Sotschi-Olympiasieger Kanada die Sportprominenz weltweit und die Fans in Deutschland verzückt hatten, fand im Finale erst spät ein Ende. Kirill Kaprisow traf 10:19 Minuten vor dem Ende zum Sieg der Russen.

Gegen die russischen Stars um Pawel Dazjuk und Ilja Kowaltschuk kämpfte das deutsche Team, warf sich in Schüsse, checkte die Gegner, doch am Ende reichten die Kräfte nach dem emotionalen Olympia-Highlight gegen den nicht mehr alleinigen Rekord-Olympiasieger Kanada nicht mehr.

Erstes Olympia-Gold seit 26 Jahren

Wjatscheslaw Wojnow (20. Minute), Nikita Gussew (54./60.) mit einem späten Doppelschlag und Kaprisow schossen die Russen zum nun ebenfalls neunten Olympiasieg. Für das OAR-Team war es das erste Olympia-Gold seit 26 Jahren. Damals hatte die Sbornaja nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion als Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) triumphiert. Felix Schütz erzielte im zweiten Abschnitt das zwischenzeitliche 1:1 (30.), bis zum Ende blieb das Endspiel tatsächlich ausgeglichen. Dominik Kahun (54.) traf in einem wahren Thriller nur zehn Sekunden nach der neuerlichen Führung des Favoriten erneut zum verdienten Ausgleich, ehe Müller sogar die erstmalige Führung erzielte.

Von Beginn an war Deutschlands erneut bravourös haltender Torhüter Danny aus den Birken enormem Druck ausgesetzt. "Besonders am Anfang wollen die Russen mit Macht die Führung erzielen. Ich bin gespannt, wie sich unsere Mannschaft in das Spiel hineinarbeiten kann", hatte DEB-Präsident Franz Reindl vor dem Spiel dem ZDF gesagt.

Kampf und Leidenschaft

Und die DEB-Auswahl arbeitete sich hervorragend rein. Wie immer in diesem Turnier hielt sie mit Kampf und Leidenschaft gegen den Rekord-Weltmeister dagegen, hatte vor dem Tor aber kein Glück. Eine halbe Sekunde vor dem Ende des ersten Drittels schlug es dann doch noch im deutschen Tor ein. Gegen Wojnows Schlagschuss war aus den Birken machtlos. Im zweiten Drittel steigerte sich der krasse Turnier-Außenseiter. Stürmer Schütz, der viele Russen aus seiner Zeit in der KHL kennt, überwand den russischen Goalie Wassili Koschetschkin.

Nach dem Jahrhundertspiel gegen Kanada, in dem sich die deutsche Mannschaft teilweise in einen Rausch gespielt hatte, versuchten die Spieler um Deutschlands Fahnenträger bei der Schlussfeier, Christian Ehrhoff, im Schlussdrittel noch einmal alles. Im stärksten Abschnitt waren sie sogar spielbestimmend und es kam zu einem dramatischen Endspurt mit mehreren Führungswechseln. Russland rettete sich gerade noch so in die Verlängerung.

Von dpa

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