Frauenfußball-Regionalliga

Berghofens Frauen schlagen den Tabellenführer - und stecken trotzdem im Abstiegskampf

Die Frauen-Regionalliga West? So eng zusammen wie nie. Die Verletztenliste in Berghofen? So lang wie selten zuvor. Aber der Sieg gegen Spitzenreiter Bielefeld gibt Selbstvertrauen.

Beim größten Triumph seiner Mädels war Thomas Sulewski gar nicht dabei. Der Coach der Berghofer Regionalliga-Frauen machte seine Truppe vor dem Spiel noch kurz ein bisschen heiß und verzog sich dann wieder ins Krankenhaus. Eine Nasen-OP stand an. Vom sensationellen Last-Minute-Sieg gegen den bis dahin ungeschlagenen Tabellenführer Arminia Bielefeld erfuhr Sulewski dann per Whatsapp: "Ich bin operiert worden", sagt Sulewski mit einem Grinsen, "damit ich nächstes Jahr einen besseren Riecher hab."

Keine Entspannung in der Tabelle

Die gute Laune war nach dem 3:2-Erfolg vom Wochenende spürbar, auch wenn die Tabellensituation noch keinerlei Entspannung zulässt: "Die Liga ist absolut verrückt", sagt Sulewski, "es bleibt bis zum Ende spannend."

Dass die Berghoferinnen sich in dieser Saison mit dem Abstiegskampf beschäftigen würden, war so natürlich nicht geplant: "Wir hatten uns zu Beginn extrem viel vorgenommen", sagt Torhüterin und Kapitänin Juliane Bauch, "aber dann hatten wir riesiges Verletzungspech und standen in einigen Spielen neben uns." Laura Hoffmann, Daniela Ließem, Paula Peck, Jennifer Kaleja - das sind nur die prominentesten Namen im Kader des Regionalligisten, die in dieser Saison länger ausfielen oder noch -fallen: "An den letzten Spieltagen hat sich der Kader von selbst aufgestellt", sagt Sulewski.

Andere Stimmung, andere Einstellung

Trotzdem hat der SVB von den vergangenen sechs Spielen nur eins verloren: "Wir sehen das Ganze nicht mehr so negativ", hat Bauch eine andere Stimmung und Einstellung vernommen. In der Hinrunde stand Berghofen nach sechs Spieltagen, vier Niederlagen und nur einem Sieg gegen den Tabellenletzten unten drin, Enttäuschung machte sich breit: "Es war nicht allen klar, dass es in diesem Jahr gegen den Abstieg geht. Es hat ein bisschen gedauert, bis wir die Situation angenommen hatten", sagt Bauch.

Videospielbericht vom 3:0 gegen Bochum:

Doch mittlerweile haben sich die Blau-Weißen stabilisiert. "Wir haben in der Winterpause auf ein 4-1-4-1 umgestellt und personell auch ein bisschen was geändert", erklärt Sulewski. Marie Grothe etwa, vergangene Saison mit 20 Toren zweitbeste Torschützin der Liga, spielt jetzt auch mal auf der Sechs: "Da ist sie wichtiger für die Mannschaft, schießt aber natürlich auch weniger Tore", sagt Sulewski. Sechs sind es bislang, dafür sind die Tore im Team besser verteilt.

Mehr Spielerinnen übernehmen Verantwortung

Vorne trifft Anna Beutler (13 Tore) zuverlässig - auch am Sonntag per Kopf gegen Bielefeld zum 1:0 - und dahinter reihen sich neben Grothe Jennifer Kaleja (6), Annalena Krapp (6) und Paula Peck (5) als Torschützinnen ein. "Es übernehmen jetzt mehr Spielerinnen Verantwortung", bestätigt Bauch, "auch jüngere sagen mal was." Sulewski ergänzt: "Wir sind nicht mehr so festgelegt auf einzelne Positionen."

Er selbst bleibt in vorderster Front an Bord, hat für die kommende Saison genauso zugesagt, wie ein Großteil des Teams: "Der Stamm bleibt so zusammen", sagt der Sportliche Leiter Stephan Gebling, Gespräche mit potenziellen Neuzugängen liefen derzeit: "Es besteht ja Handlungsbedarf", sagt Gebling. Laura Hoffmann habe ihre Karriere beenden müssen und Daniela Ließem sei auch noch länger verletzt.

"Es wird ein Fotofinish"

Dass noch nicht klar ist, in welcher Liga sie nächstes Jahr antreten, ist dabei ein Faktor: "Es wird ein Fotofinish. Wir haben es aber in der eigenen Hand und mit dem positiven Torverhältnis ein Pfund auf unserer Seite." Da der Aufsteiger aus dem Vorjahr - die SGS Essen II - direkt wieder runterkommt und Bielefeld noch in der Relegation scheitern könnte, ist es möglich, dass am Ende sogar vier statt bislang drei Teams absteigen.

"Die Tabellensituation spielt natürlich eine Riesenrolle", sagt Bauch, "wir denken deshalb nur noch von Spiel zu Spiel." Da stehen jetzt die Duelle mit dem starken Aufsteiger Bökendorf an (7. April) und dem nicht ganz so starken 1. FC Köln II (14. April).

DFB-Pokal im Hinterkopf

Und ein bisschen schielen sie in Berghofen auch noch auf den Pokal. An Ostern (22. April) steht das Westfalenpokal-Halbfinale gegen Regionalliga-Konkurrent Herford an, die sie in diesem Jahr in der Liga zweimal geschlagen haben, im Finale würde dann ein unterklassiger Gegner warten und im Anschluss der DFB-Pokal: "Das wär schon geil", sagt Sulewski.

Der Coach hat nur aus beruflichen Gründen überlegt, ob er Trainer in Berghofen bleibt: "Als das geklärt war, war es keine schwere Entscheidung mehr." In der Mannschaft kam das gut an: "Wir sind sehr zufrieden mit ihm, er ist ein junger Trainer, sammelt immer noch Erfahrungen und macht das besser und besser." Dass die Frauen von einem Mann trainiert werden, hält Bauch für richtig: "Wir sind ein Hühnerhaufen, er bringt da mit seiner männlichen Autorität Struktur rein."

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