Fußball

TV-Bilder aus der Kreisliga - wer zieht noch mit?

Der Kreisligist TuS Bövinghausen streamt seine Heimspiele ab der Rückrunde live ins Internet. In der Regionalliga können Vereine damit sogar Geld verdienen. Denkbar ist das auch für die Oberliga und in den Ligen darunter.

Wenn Ralf Villis sich im nächsten Jahr die Spiele seines Sohnes Christopher anschauen möchte, muss er nicht mal mehr vor die Tür gehen. Die Kreisliga-Spiele des TuS Bövinghausen werden live ins Internet gestreamt. Das Essener Start-up-Unternehmen Soccerwatch macht es möglich. "Wir sind einer der ersten Vereine, die für die Pilotphase ausgewählt worden sind", sagt Ralf Villis, der beim TuS eigentlich für die Alten Herren zuständig ist. Seit Dienstag vor Weihnachten hängt das Kamera-System. Nach der einjährigen Pilotphase soll der Betrieb 8,90 Euro im Monat kosten.

Soccerwatch ist eines von zwei Unternehmen, das den Amateurfußball ins digitale Video-Zeitalter heben will. Während die Essener sich von unten nach oben arbeiten wollen, also bei kleinen Klubs anfangen und sie für ihre Idee begeistern, macht es der Konkurrent, SportTotal.tv aus Köln, genau anders herum: "Wir gehen über den DFB auf die Vereine zu", sagt Marketing-Manager Alexander Neyer dieser Zeitung.

Von oben nach unten

Von der Oberliga abwärts bis in die sechste Liga jedes Verbands will SportTotal seine Version der Live-Übertragung in den Amateurfußball bringen: "Ende 2018 wollen wir 1500 Systeme in Deutschland hängen haben." Aktuell sind es etwa 200. Um das zu schaffen, haben die Kölner gewichtige Partner an Bord - unter anderem zahlreiche Verbände wie den Westdeutschen. Der WDFV hat sogar direkt einen Zehn-Jahres-Vertrag unterzeichnet. Die Technik beider Anbieter unterscheidet sich für Laien nur marginal, Soccerwatch stellt in Deutschland her und streamt über LTE, SportTotal hat seine Lizenz aus Israel und benötigt einen Internetanschluss.

Beide haben nicht nur die Fans, die nicht vor Ort sein können, im Sinn, sondern auch die Spieler, die ihren Freunden das Tor vom letzten Wochenende zeigen können. "Wir schaffen also einen Mehrwert für die Amateurligen. Auch was das Scouting betrifft. Und wir wollen, dass auch die Spieler darauf Bock haben", sagt Neyer. Georg Moser von Soccerwatch plant im nächsten Jahr mit 1000 Systemen. Er hofft, dass sich "der Amateurfußball für uns entscheidet".

Noch in der Beta-Phase

Sein Team, das aus fußballverrückten Ruhrgebietlern besteht, ist bis zum Sommer noch in der sogenannten Beta-Phase. Heißt: Fehler sind nicht ausgeschlossen. Deshalb hat Bövinghausen bislang auch noch keinen Cent bezahlt, kassiert nach dem Pilotjahr dann die Hälfte der lokalen Werbe-Erlöse. Bei SportTotal gibt es ab dem 13. Monat des Drei-Jahres-Vertrags eine Beteiligung in bislang noch nicht genannter Höhe. "Aber", sagt Alexander Neyer von SportTotal, "in der Regionalliga verdienen die Klubs damit etwas.

Und wenn wir richtig groß werden, ist auch in der sechsten Liga noch was drin." Der BVB II hat sich bislang allerdings gegen die Anlage entschieden. Auch in Aplerbeck hängt noch nichts. In Brünninghausen wurde dagegen vor ein paar Wochen das System von SportTotal installiert. Für beide Systeme ist beim Fußball übrigens nicht Schluss: Auch Hallensport ist damit möglich. "Die Kamera kann das lernen", sagt Moser.

Alles automatisch

In Bövinghausen wird sie zum ersten Mal am 28. Januar angeworfen. Dann ist der TuS Heven zum Freundschaftsspiel zu Gast. "Alle Spiele, die offiziell angemeldet werden, zieht sich die Kamera automatisch und springt an", sagt Villis. Die TV-Bilder aus der Kreisliga kommen.

In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir geschrieben, dass in Brünninghausen noch keine Kamera hängt.

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