Nach Stadionsturm

Offener Brief des ASC 09 Dortmund an den FC Schalke 04: "Wir erwarten eine Stellungnahme!"

Dem Stadionsturm gewaltbereiter Ultras des FC Schalke 04 vom vergangenen Sonntag ist weiterhin keine offizielle Stellungnahme der Gelsenkirchener gefolgt. Der ASC fordert sie nun vehement ein.

Wir veröffentlichen den offenen Brief des ASC 09 Dortmund, der an den Vorstand des FC Schalke gerichtet ist, an dieser Stelle ungekürzt. Lediglich die Zwischenzeilen sind wegen der besseren Lesbarkeit von uns hinzugefügt worden.

"Sehr geehrte Damen und Herren,

am gestrigen Sonntag (26. Mai) waren wir stolz, die U23 des FC Schalke 04 bei uns zu Gast zu haben. Für uns als Amateur-Club aus einem Dortmunder Stadtteil hat so ein Spiel immer etwas von großer Fußballwelt - und wir haben uns auf einen tollen Saisonabschluss nach einer für beide Mannschaften außerordentlich erfolgreichen Oberliga-Saison gefreut. Beim Einlaufen der Mannschaften haben unsere Spieler für den Meister S04 applaudierend Spalier gestanden. Ich erwähne das an dieser Stelle nur, um deutlich zu machen, welche Vorstellung von Fair-Play und Respekt wir in unserem Verein pflegen.

Kein toller Saisonabschluss

Leider kam es dann nicht zu einem tollen Saisonabschluss: Gegen 14:15 Uhr informierte uns die Polizei darüber, dass ca. 100 Schalker Anhänger, darunter zum Teil gewaltbereite Ultras, auf dem Weg zum Waldstadion sind. Da es im Vorfeld keinerlei Anzeichen für eine Eskalation gab, waren lediglich zwei Streifenwagen der örtlichen Polizei und unser eigener Ordnungsdienst vor Ort. Als die Ultras schließlich am Stadion ankamen, haben wir den Versuch unternommen, Eintritt zu kassieren und die Gruppe in einen gesonderten Bereich zu führen.

Leider war dies nicht möglich. Die Gruppe hat das Stadion durch den Eingangsbereich gestürmt. Nur dank der deeskalierenden Vorgehensweise der Ordner und der Polizei konnte Schlimmeres verhindert werden. Noch fast eine Stunde nach Spielende tummelten sich die Ultras auf unserem Platz, da die inzwischen eingetroffene Verstärkung der Polizei das Stadion abgeriegelt hatte, um ein Zusammentreffen mit Dortmunder Ultras zu verhindern.

Kinder mussten bedrohliche Situation hautnah miterleben

Für mich als Vorsitzenden des ASC 09 Dortmund e.V. war die Situation extrem belastend. Anlässlich des Saisonfinals, des attraktiven Gegners und zahlreicher Ehrungen und Auszeichnungen, die wir vorgenommen haben bzw. aufgrund der Ereignisse zum Teil gar nicht mehr vornehmen konnten, waren am Sonntag besonders viele Kinder und Jugendliche aus unserem Verein mit ihren Eltern im Stadion.

Sie mussten die bedrohliche Situation, die Androhung und Ausübung von Gewalt, den Einsatz von Tränengas und Schlagstöcken hautnah miterleben und konnten ihrerseits das Stadion für geraume Zeit nicht verlassen. Auch die Verabschiedung unserer scheidenden Spieler, darunter einige verdiente Akteure, die viele Jahre lang das ASC 09-Trikot getragen haben, konnte aufgrund der Tumulte nicht im angemessenen Rahmen stattfinden-

Aussage des Trainers unglücklich

Die Aussage ihres Trainers ("Es würde mich freuen, wenn die auch mal beim Heimspielen zu uns kommen würden") ist sicherlich unglücklich und der Situation geschuldet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er so reagiert hätte, wenn dieselben Leute seinen Vorgarten gestürmt hätten.

Noch bedauerlicher ist es, dass bislang sowohl eine Kontaktaufnahme des FC Schalke 04 mit dem ASC 09 noch eine Stellungnahme ihrerseits ausgeblieben sind.

Zeitnahe Stellungnahme gefordert

Wir, der Vorstand und die Mitglieder des ASC 09, distanzieren uns von jeglichen Gruppierungen, die unser Rechts- und Wertesystem missachten.

Wir würden uns freuen, wenn auch Sie hier klar Stellung beziehen und dieses Vorgehen verurteilen würden. Oder um es noch ein wenig deutlich auszudrücken: Wir erwarten zeitnah eine Stellungnahme des FC Schalke 04.

Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg,

mit sportlichen Grüßen

Michael Linke

ASC 09 Dortmund e.V.

1. Vorsitzender"

Die Vorgeschichte lesen Sie hier (RN+):

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