Revierderby stresst die Amateurfußballer

Fast alle wollen ihre Spiele verlegen, nicht immer klappt's

Dortmund - Wenn am 15. April um 15.30 Uhr das 152. Revierderby zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund angepfiffen wird, sind viele Fußballplätze im Ruhrgebiet verwaist. Dort, wo gespielt wird, herrscht Widerwille.

Besonders kurios ist die Situation beim Landesligisten BSV Schüren, der um 15.15 Uhr gegen Obersprockhövel ranmuss. Vor einigen Wochen sei der Antrag zur Spielverlegung beim Staffelleiter abgegeben und im Anschluss abgelehnt worden, weil der Gegner für den Samstag nicht genügend Spieler auf den Platz bekommen hätte. Staffelleiter Helmut Engelage berichtet allerdings auf Nachfrage, dass der Antrag nicht abgelehnt, sondern von Schüren zurückgezogen worden sei. Die Heimmannschaft hat nämlich bei einem Bundesligaspiel in unmittelbarer Nähe das Recht auf eine Verlegung.

"Schwach vom DFB"

Möglich, dass es hier ein Missverständnis gab, denn der Schürener Vorsitzende Peter Seifert kann sich nicht daran erinnern, den Antrag zurückgenommen zu haben. Entsprechend gefrustet ist Trainer Dimitrios Kalpakidis: "Da findet so ein Spiel statt, du stehst selbst auf dem Platz und jeder schielt mit einem Auge aufs Vereinsheim", sagt der Coach, der aber natürlich davon ausgeht, dass sein Team fokussiert zu Werke gehen wird. "Trotzdem ist es schwach vom DFB, so ein Spiel an einem Sonntag auszutragen."

Die Ansetzung des Revierderbys sorgt bei vielen Amateurklubs für genervte Gesichter. Fast alle Gelsenkirchener und Dortmunder Klubs haben ihre Spiele um das Derby herumgelegt oder es zumindest versucht. In der Bezirksliga 9 finden sechs von acht Spielen am Samstag statt, die Oberligisten ASC 09 Dortmund und der FC Brünninghausen haben ihre Spiele auf 13 Uhr vorverlegt, Westfalenligist Westfalia Wickede spielt erst zwei Wochen später gegen den Gelsenkirchener Klub Viktoria Resse: "Resse hatte sich bei uns gemeldet, wir hätten das aber auch selbst gemacht", sagt Trainer Alexander Gocke, der die Ansetzung sinnbildlich für die Entwicklung bei den Profis findet: "Leidtragender ist mal wieder der Amateurfußball", sagt Gocke.

Nicht immer läuft es glatt

Nicht überall lief es so glatt wie in Wickede: "Wir wollten verlegen, aber Scharnhorst nicht", sagt Dominik Grobe vom TuS Körne, der nun am Sonntag um 15.15 Uhr mit seiner Mannschaft um A-Liga-Punkte spielt. Die Alemannia hätte am Samstag kein Team zusammenbekommen, heißt es aus Scharnhorst. "Wenn Derby ist, spielen wir vor acht Leuten, wenn überhaupt...", sagt Grobe.

Auch eine Ebene höher in der Bezirksliga rollt der Ball parallel zu den Profis: "Wir gehen momentan davon aus, dass wir am Sonntag spielen", sagt Peter Brdonkalla vom SC Dorstfeld, der um 15 Uhr gegen Union Lüdinghausen ranmuss. "Wir wollten Samstag spielen, Lüdinghausen hat nur Donnerstag angeboten", sagt Brdonkalla, der die Terminierung "doppelt und dreifach ärgerlich" findet, weil seine Spieler das Spiel sehen wollen und keine Zuschauer zum Platz kämen. Ähnlich ist es beim TSC Eintracht Dortmund, der sein Duell mit dem VfL Kamen gerne verlegt hätte, bislang aber noch keinen Erfolg vermelden kann.

"Für den Amateurfußball"

Jörg Lange vom Westfalenligisten SV Brackel sieht die Situation dagegen pragmatisch. Zwar sei im Team über eine Verlegung diskutiert worden, doch Gastgeber Finnentrop/Bahmenohl hatte kein Interesse: "Im Endeffekt entscheidet man sich dann eben für den Amateurfußball." Diese Partien mit Dortmunder Beteiligung finden am Derby-Sonntag statt:

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