Turnen

Dortmund hat einen Bundesligisten mehr - vielleicht

Die Mädchen der KTV Dortmund feiern auch dank zweier Gäste die Zweitliga-Meisterschaft. Jetzt winkt ein Start in der deutschen Eliteklasse - doch vorher sind noch Fragen zu klären.

Dortmund hat einen stolzen neuen Erstligisten, und die Protagonistinnen selbst können es noch gar nicht glauben. "Wir sind als Aufsteiger gleich wieder aufgestiegen, das ist einfach unglaublich. Wahnsinn", sagt Jutta Horn, Trainerin der Kunstturn-Vereinigung (KTV) Dortmund, mit hörbarer Euphorie in der Stimme.

Das Saisonfinale der 2. Turn-Bundesliga in Berlin beendete die Dortmunder Riege mit 184,50 Zählern und damit elf Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten KTG Hannover und schrieb damit Vereins-Geschichte, denn Zweitliga-Meister und Erstliga-Aufsteiger, das war die KTV noch nie. "Unsere Mädchen haben sich toll durchgebissen. Zu Saisonbeginn war es keineswegs abzusehen, dass wir zu den besten Mannschaften des Landes zählen würden", beschreibt Horn das überraschende Ergebnis.

Stärke im Vierkampf

Vor allem Kira Budde fand pünktlich zum finalen Wettkampf zu ihrer Stärke im Vierkampf zurück. Angefeuert von ihren Mannschaftskameradinnen eröffnete sie ihren Wettkampf am Sprung mit einem gebückten Tsukahara, den die Kampfrichter mit 12,0 Punkten belohnten. Auch Janine Woeste zimmerte ihren Überschlag Salto gehockt in den perfekten Stand (12,70 Punkte). Doch obwohl die KTV-Riege wenig Abzüge bekam, erklomm Hannover nach dem ersten Gerät die Spitze. Theresa Geyer setzte daraufhin zur Aufholjagd am Stufenbarren an.

Dafür fuhr die 14-jährige Dortmunderin, die inzwischen im Bundesleistungszentrum in Chemnitz turnt und dort das Internat besucht, volles Risiko und präsentierte erstmals in der Bundesliga ihr Flugelement: den Jägersalto. Die zweifache Deutsche Jugend-Meisterin von 2017 an Barren und Balken händelte diese Höchstschwierigkeit souverän und führte das Team mit 11,70 Punkten an die Spitze.

Fehlerfreie Performance am "Zitterbalken"

Beflügelt von den hervorragenden Barrenresultaten feierte Maila Rüter (16) nach zwölfmonatiger Verletzungspause ihr Comeback am Schwebebalken. "Es war ein tolles Gefühl, wieder dabei zu sein. Wir waren eine echte Mannschaft und haben uns gegenseitig aufgebaut", strahlte die Goethe-Gymnasiastin. Das galt auch für die zwei KTV-Gastturnerinnen aus Chemnitz, die durch Geyers Einsatz spontan einsprangen für die krankheitsbedingt geschwächten Dortmunderinnen. Dank einer fehlerfreien Performance am "Zitterbalken" durch Lisa Schöniger baute die KTV den Vorsprung aus. Jasmin Haase steuerte 11,80 Punkte am Boden bei.

"Jasmin war in diesem Wettkampf unser Ruhepol. Die Harmonie in der Mannschaft hat definitiv einen großen Teil zum Erfolg dieses Wettkampfs beigetragen", analysiert Team-Chefin Jutta Horn, die ihre Schützlinge fünf Mal wöchentlich jeweils drei Stunden lang in die Turnhalle an der Lissaboner Allee bittet.

Deutsche Turn Liga - ja oder nein?

In Kürze wird sich die KTV-Trainerriege zusammensetzen, um über die Bundesliga-Zukunft zu beraten, denn das Konzept ist klar auf Lokalkolorit ausgelegt. "Wir genießen jetzt erst einmal den Erfolg und die Chance, in der Deutschen Turn Liga (DTL) antreten zu können", sagt die Cheftrainerin, schiebt aber ehrlicherweise nach: "Ohne die Chemnitzerinnen und natürlich ohne Theresa hätten wir das nicht geschafft, sie haben den Rest des Teams beflügelt". Noch startet Geyer, die im Bewegungskindergarten der Dortmunder Turngemeinde von KTV-Trainerin Filiz Quandel entdeckt wurde und nun Bundeskader-Athletin ist, für ihren Heimatverein, das wird künftig anders sein.

Die Kunstturnvereinigung, die sieben Mannschaften in unterschiedlichen Ligen und Altersklassen stellt und 15 Trainer beschäftigt, sieht sich auch ohne 1. Liga gut aufgestellt. Jutta Horn: "Wer in Dortmund Lust aufs Turnen hat, findet beste Möglichkeiten. Wir haben ein durchdachtes System, das schon in den Kindergärten ansetzt. Unsere Halle ist knallvoll, wir haben zahlreichen und vor allem guten Nachwuchs". Zur Zeit muss die KTV Kinder an die Stammvereine weiterleiten, denn Turnen in Dortmund boomt.

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