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Die Bälle liegen bereit. Fehlen nur die Spieler, die pünktlich die Vorbereitung aufnehmen. Der eine oder andere könnte die Corona-Krise nun zu einem Vereinswechsel nutzen, fürchtet man in den Klubs.

Fußball

Freie Fahrt für Hobbykicker sorgt Fußballvereine 

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Die Corona-Krise setzt den Amateurfußball mächtig zu. Nicht nur die Frage von Meisterschaft und Abstieg beschäftigt Klubs und Verbände.

  • Ein möglicher Abbruch der Saison im Amateurfußball wirft organisatorische und sportrechtliche Fragen auf.
  • Amateure können nach sechs Monaten ohne Spiel den Verein ohne Ablöse wechseln. 
  • Regel könnte Vereine besonders in Bedrängnis bringen, der DFB arbeitet an einer Lösung. 

Einfach abbrechen? Alles auf Null stellen und im Spätsommer wieder von vorn beginnen? Was in der Corona-Krise viele Klubs und Amateurfußballer fordern, dürfte den Entscheidern im DFB und seinen Landesverbänden einiges Kopfzerbrechen bereiten. 

Tatsächlich wirft ein Abbruch der Saison organisatorische und sportrechtliche Fragen auf, die es zu klären gilt. Am besten vorab. Das betrifft nicht nur die beiden großen und derzeit wohl am meisten diskutierten Fragen: Ist die Saison im Fall eines Abbruchs überhaupt zu werten? Und wenn ja: Wie halten wir’s mit Auf- und Abstieg? Auch auf Details kommt es jetzt an. 

AufParagraf 22 der Spielordnung des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV) zum Beispiel. Der sorgt in der Fußballszene gerade für einige Unruhe. Absatz 9 regelt, dass im Amateurbereich alle Fußballerinnen und Fußballer, die sechs Monate lang kein Spiel absolviert haben, jederzeit die Möglichkeit zu einem Vereinswechsel haben. Sie sind also sofort spielberechtigt, ohne dass eine Ablöse fällig würde. 

Keiner soll länger zuschauen als nötig 

Entsprechende Regelungen finden sich in den Spielordnungen aller Landes- und Regionalverbände. Sie stellen damit sicher, dass Amateurkicker bei einem Streit um einen Vereinswechsel nicht über Gebühr ausgesperrt bleiben, sondern in überschaubarer Zeit wieder ihrem Hobby nachgehen können. 

Nur: DieRegel ist für ein normales Fußballjahr konzipiert. Uwe Schirrmeister, der Vorsitzende des TuS 05 Sinsen, hat schon bei der Diskussion über die Petition der Spvgg. Erkenschwick ("Abbruch der Saison sofort") darauf hingewiesen: „Wenn wir über einen Abbruch der Saison reden, müssen wir auch über die Sechs-Monate-Regel sprechen. Die könnte nämlich für viele Vereine zu einem Problem werden.“ 

„Die Sorge ist berechtigt“

Fußballkreis-Chef Hans-Otto Matthey pflichtet bei: „Die Sorge ist aus meiner Sicht berechtigt.“ Denn: Der letzte Spieltag in Westfalen fand am 8. März statt, einige Mannschaften, im Fußballkreis wie in Westfalen, waren aufgrund von Absagen eine Woche zuvor oder gar im Februar zuletzt am Ball. 

Würde die Saison nun abgebrochen, wären Spieler schon im September für neue Klubs spielberechtigt – ohne Ablöse. Andere, die aufgrund von Verletzungen in diesem Jahr noch gar nicht am Ball waren, noch früher. Matthey fürchtet: Das könnten Spieler oder Vereine ausnutzen, um sich einen Vorteil zu verschaffen. 

Gefahr für die Vereinslandschaft? 

Das Problem wird ein Landes- oder Regionalverband nicht allein lösen können. „Beim DFB ist man sich darüber im Klaren, dass etwas passieren muss“, hat Matthey recherchiert. 

Der Recklinghäuser rechnet damit, dass in den kommenden Wochen eine Lösung präsentiert wird. Eine Regelung, welche die aktuellen Spielordnungen ergänzt oder – zumindest interimsmäßig – außer Kraft setzt. Hans-Otto Matthey: „Sonst besteht am Ende die Gefahr, dass ganze Mannschaften verschwinden und die Vereinslandschaft nach der Corona-Krise weiter ausdünnt.“

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