Der damalige Vorsitzende der Spvgg. Erkenschwick, Hermann Silvers, 2016 beim Spiel anlässlich des 100-jährigen Vereinsbestehens gegen Borussia Dortmund.
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Hermann Silvers, ehemaliger Vorsitzender der Spvgg. Erkenschwick, wird heute 80 Jahre alt.

Für „seine" Spvgg. scheut er keinen Streit

  • Olaf Krimpmann
    vonOlaf Krimpmann
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Heute feiert der Ehrenvorsitzende der Spvgg. Erkenschwick, Hermann Silvers, seinen 80. Geburtstag. Er hat den Verein entscheidend mitgeprägt.

  • Heute wird Hermann Silvers 80 Jahre alt.
  • Der Ehrenvorsitzende ist seit 1949 im Verein.
  • Seit 1980 hat er im Verein alle entscheidenden Ämter bekleidet.

Kaum ein Funktionär hat in den vergangenen Jahren so polarisiert wie er: Hermann Silvers eckt an – wenn es sein muss und wenn es um die Spvgg. Erkenschwick geht. Heute wird Hermann Silvers 80 Jahre.

Einen vollkommen gelösten, geradezu strahlenden Hermann Silvers bei der Spvgg. Erkenschwick zu sehen, gehörte in den vergangenen Jahren zu den Ausnahmen: Die Jugendabteilung hat schon bessere Zeiten erlebt, die 1. Mannschaft ohnehin, die U23 war lange eine Dauerbaustelle, kurzum: Es gab zuletzt wenig zu Feiern am Stimberg.

Eine dieser Ausnahmen war der Sommer 2016, es war die große Jubiläumsfeier in der Stadthalle. Manfred Schnieders, Vizepräsident Fußball im FLVW, überreichte ein Ehrenschild, mit dem der DFB das einhundertjährige Vereinsbestehen der Spvgg. Erkenschwick beurkundete. Mit goldener Schrift auf grünem Grund wurde es wahrhaftig: Dieser Verein ist tatsächlich 100 Jahre alt geworden.

Das „njet“ zur Regionalliga spaltet den Verein

Es ist ein Jubiläum, das es so beinahe nicht gegeben hätte. Hermann Silvers, seit 1949 mit Unterbrechungen im Verein, hat seinen Anteil. 2014 und 2016 hatte sich die erste Mannschaft für die Regionalliga West qualifiziert. Beide Male scheiterte der Aufstieg am entschiedenen „njet“ des streitbaren damaligen Vorsitzenden. Der verwarf die Viertklassigkeit als zu teures Abenteuer – und vertrieb damit eine ganze Mannschaft, spaltete die eigenen Anhänger und stellte auch den eigenen Vorstand vor eine Zerreißprobe. „Ich habe alles richtig gemacht, den Aufstieg zweimal verhindert zu haben“, sagt Silvers auch heute. „Die Spvgg. Erkenschwick würde es ansonsten doch gar nicht mehr geben.“Die Oberliga Westfalen sei das maximal Mögliche in dieser Zeit, alles andere hält der Jubilar für schlichten Wahnsinn. Man kann und muss diese Haltung im Kontext des Insolvenzverfahrens (2008/ 2009) sehen, bei dem der Verein haarscharf am Exitus vorbei geschlittert war.

Wer zurückblickt auf die nunmehr 104-jährige Geschichte der Spvgg. Erkenschwick, kommt an Hermann Silvers nicht vorbei: 1949 in den Verein eingetreten, 1959 als A-Jugendlicher suspendiert („Angeblich habe ich die Frau von Trainer Herbert Theis geduzt“), Rückkehr zum Klub nach kurzem Gastspiel beim Nachbarn DJK Grün-Weiß, danach Stammkraft in der 2. Liga West, lauten die Stationen als Spieler.

Unterbrochen wurde die Laufbahn bei den Schwarz-Roten durch die berufliche Karriere, die den Ingenieur nach Ibbenbüren verschlug, ehe er Anfang der 70er-Jahre zurück kam ins Revier, bei Bekorit in Datteln eine Stellung annahm, später als Prokurist tätig war.

Hausverbot in Kreisgeschäftsstelle

Auch von seinen Verbindungen zehrte der Klub lange: „Leider sterben meine alten Bekannten alle weg, die früher was gegeben haben“, sagt er. Es war neben dem Alter mit ein Grund, warum Hermann Silvers 2019 aus erster Reihe abtrat, ehe er per Akklamation zum Ehrenpräsidenten des Vereins ernannt wurde. Da lagen 39 Jahre Funktionärstätigkeit hinter Hermann Silvers, der 1980 als 2. Vorsitzender unter Anton Stark begann, drei Präsidenten erlebte (Stark, Heinz Feld, Achim Trautmann), in all’ den Jahren Jugendleiter, Trainer, Geschäftsführer, kommissarischer und gewählter Vorsitzender war und damit eine einmalige Funktionärstätigkeit vorweisen kann.

Einem Konflikt ist Hermann Silvers nie aus dem Wege gegangen. Dass ihm der Fußball-Kreisvorsitzende Hans-Otto Matthey zeitweilig Hausverbot in der Kreisgeschäftsstelle erteilte, darüber mag man im Rückblick schmunzeln. Viele Leute im Verein verübelten es Hermann Silvers aber, als dieser sogar den allseits geschätzten Ehrenpräsidenten Anton Stark verklagte – es ging um Bürgschaften aus Zeiten, die ziemlich undurchsichtig waren. „Es ging einzig und allein um den Verein“, versichert Hermann Silvers, und fügt hinzu: „Ich würde es wieder so machen.“

Der Streit ist längst beigelegt, Schnee von gestern, und doch beweist er, wie weit der Jubilar für „seinen“ Klub bereit ist zu gehen. Stark und Silvers sind heute beide Ehrenpräsidenten des Vereins.

Handzahm wird er nicht mehr

Vorstandssitzungen und Staffeltage waren mit Hermann Silvers selten Spaßveranstaltungen, und doch rechnen ihm auch die größten Kritiker an, dass es dabei immer um den Klub ging. Das gilt auch heute, ohne Vorstandsamt. Als „graue Eminenz“ bleibt Hermann Silvers gegenwärtig, wenn auch „nur“ im Hintergrund (und verhältnismäßig leise dazu).

Handzahm ist er damit nicht, das will und wird er auch nicht mehr sein. Beim Testspiel der 1. Mannschaft heute Abend wird er fehlen: Hermann Silvers feiert seinen 80. im Kreise seiner Familie. „Weg“ ist er nicht: „Ich bin ja nicht aus dem Verein raus, ich unterstütze ihn doch weiter.“

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