Verschlossenes Stadiontor bei der SG Suderwich wegen der Corona-Pandemie
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Verschlossene Stadiontore wie im vergangenen Frühjahr bei der SG Suderwich: Sollte es wieder dazu kommen, wäre eine Mehrheit der Fußballer vor Ort sicher nicht böse drum.

Entscheidung des Fußballkreises Recklinghausen trifft nicht überall auf Zustimmung

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  • Christine Horn
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Unterbrechen oder weitermachen? Vorerst, so die Entscheidung des Fußballkreises, geht der Punktspielbetrieb weiter, in den höheren Spielklassen ohnehin. Das Echo von der Basis ist unterschiedlich.

Thomas Mlodoch, Trainer des A-Kreisligisten SV Hochlar 28: „Der laufende Spielbetrieb soll bis Ende des Jahres pausieren und Mitte Januar 2021 neu starten. Weil die zweite Corona-Welle mit voller Wucht auch die Freiluft-Sportarten trifft.“ Wegen eines Verdachtsfalls hat der verlustpunktfreie Spitzenreiter vom Segensberg Freitagvormittag das für Sonntag geplante Derby beim FC/JS Hillerheide absagen müssen. „Der Verband muss eine einheitliche Regelung finden“, fordert der SVH-Trainer. Auch, weil er nicht nur den Sport im Blick hat. „Welcher Arbeitgeber macht es denn mit, wenn man immer wieder wegen des Fußballs in Quarantäne muss?“

Rabi Such, Trainer FC/JS Hillerheide: Bereits zum vierten Mal fällt in dieser Saison ein Spiel seiner Elf aus. Die drohende Mehrbelastung mit englischen Wochen werde nicht spurlos an seinen Spielern vorübergehen, befürchtet Such. „Auch wenn wir nur Hobbyfußballer, also Amateure, sind, brauchen wir einen gewissen Rhythmus.“

Unverantwortlich vom Kreis

Andreas Tewes, Interimstrainer SW Meckinghoven: „ Der Kreis Recklinghausen ist ein Hochrisikogebiet, wo sich nur fünf Leute aus zwei Haushalten treffen dürfen. Und ich soll 22 Mann auf den Platz schicken? Dann verstoße ich doch gegen das Gesetz. Wir hatten am 7. März unser letztes Spiel. Im April wurden die Plätze gesperrt, weil es zu gefährlich war. Jetzt haben wir die doppelten oder dreifachen Werte und alles ist gut? Das ist unverantwortlich.“

Marcel Peters, Borussia Ahsen: „Meine Stadt Oer-Erkenschwick hat einen Inzidenz-Wert von über 180. In anderen Bundesländern wie Bayern kommt es zum Lockdown und hier verweist der Verband auf die lokalen Ämter und die Vereine. Die Fußballkreise Herne und Unna haben eine Pause eingelegt, in Duisburg hat Stadt entschieden, dass nicht mehr gespielt werden darf. Und im Kreis Recklinghausen, der einer der Hotspots ist, wird gesagt, man wolle das Wochenende abwarten. Da wird mit der Gesundheit von Spielern und Zuschauern jongliert.“

Selcuk Civelek, Kültürspor Datteln: Er befindet sich in einer Zwickmühle. „Wenn es zu einem Abbruch der Saison kommt und sie nicht gewertet würde, dann wäre ich traurig.“ Immerhin will Kültürspor auf jeden Fall aufsteigen – was im Frühjahr mit Saisonabbruch nicht klappte. Aber er stellt auch ganz eindeutig klar: „Wichtig ist, dass die Leute nicht erkranken. Denn die Gesundheit ist wichtiger als alles andere.“

„Das passt nicht zusammen“

Klaus Reichardt, DJK SF Datteln: „Die Entscheidung des Verbandes, weiterspielen zu lassen, kann ich nachvollziehen, denn im Münsterland oder Sauerland gibt es nicht so viele Infizierte wie hier. Die Entscheidung des Fußballkreises Recklinghausen halte ich für einigermaßen unvernünftig. Draußen dürfen sich nur fünf Leute treffen, da dürfen aber 30 Fußball spielen? Das passt nicht zusammen. “

Carsten Schwarma, stellvertretender Abteilungsleiter VfB Hüls: Die Bezirksliga-Fußballer des VfB Hüls befinden sich nach positiven Corona-Tests aktuell noch in der Zwangspause. „Auf der einen Seite steht die Gesundheit an erster Stelle“, sagt Schwarma. „Auf der anderen Seite bin ich aber fußballverrückt und will – mit Mund- und Nasenschutz – sonntags am Platz Fußball gucken.“

Marvin Schult, Spielertrainer TuS 05 Sinsen II: „Das Herz gehört dem Fußball, aber es ist die Frage, ob mit 11.000 Infektionen am Tag deutschlandweit nicht eine Grenze überschritten ist.“

„Dann ist vom Alltag nichts mehr übrig“

Ilker Ciloglu, Trainer Fenerbahce Istanbul Marl: „Wenn man den Spielern das auch noch wegnimmt, dann ist vom Alltag nichts mehr übrig“, sagt er. „Solange die Vereine mitspielen und Fälle auch wirklich melden, sollte weitergespielt werden.“

Mani Mulai, Trainer FC Marl: „Ich kann mit der Entscheidung gut leben. Wir spielen jetzt am Wochenende noch einmal, und dann ist Allerheiligen. Da ruhen die Ligen, nur Nachholspiele finden statt. Da ist dann Zeit sich anzuschauen, wie es sich entwickelt.“

Henry Schoemaker ist pessimistisch

Henry Schoemaker, Trainer SC Marl-Hamm: „Ich glaube nicht, dass wir bis zum Winter kommen.“ Er geht davon aus, dass es hier so kommt wie in seiner Heimat. „In den Niederlanden sind Kontaktsportarten schon seit zwei Wochen wieder verboten.“ Die Hammer Löwen haben für das Spiel gegen BVH Dorsten aus eigenem Antrieb Maßnahmen getroffen: Die Tore für Zuschauer bleiben geschlossen.

Johannes Brune-Gringmuth, Trainer der Bezirksliga-Damen beim SV Titania Erkenschwick: „Ich bin absolut dafür, die Saison zu unterbrechen. Mit der Familie sind die Kontaktpersonen begrenzt, aber beim Fußball darf man sich locker mit 30 schwitzenden Personen in einer Kabine aufhalten und zu den Auswärtsspielen mit mehreren Personen in einem PKW zusammensitzen, obwohl sie aus verschiedenen Familien kommen. Die Zahlen steigen, daher bin ich mir sicher, dass es nicht mehr lange dauert, bis die Saison unterbrochen wird.“

Patrick Warning, Trainer der Spvgg. Erkenschwick II: „Ich finde die Entscheidung, den Spielbetrieb fortzusetzen, richtig. Zum einen halte ich das Infektionsrisiko beim Fußball für relativ gering, denn die Spiele finden ja im Freien statt. Man sollte solange weiterspielen, wie es möglich ist. Denn keiner weiß, wie sich die Zahlen in den nächsten Monaten weiterentwickeln.“

Patrick Korat, Trainer der DJK GW Erkenschwick II: „Als Fußball-Romatiker bin ich absolut dafür, die Saison fortzusetzen. Aber auf Grund der immer weiter steigenden Zahlen muss man auch eine Saisonunterbrechung mit in Betracht ziehen.“

„Wir haben genügend Termine frei“

Thomas Synowczik, Trainer der DJK GW Erkenschwick I. „Weiterspielen, solange wie es geht. Aus meiner Sicht macht es keinen Sinn, jetzt den kompletten Spielbetrieb ruhen zu lassen. Es gibt Fußballkreise in denen ist noch nicht ein Spiel wegen Corona ausgefallen. Und wir haben genügend Termine frei, um die ausgefallenen Spiele nachzuholen.“

Guido Siekirka, Vorsitzender Eintracht Waltrop: „Für mich ist das ein Tropfen auf dem heißen Stein. Entweder sollte jetzt abgebrochen werden, oder man entscheidet sich dafür, das durchzuziehen. Aber dieses Rum-Geiere führt zu nichts. Ich verstehe auch die Regelung nicht, dass die Zuschauer 90 Minuten lang die Maske tragen müssen, im Anschluss dann aber mit den Spielern zusammen vor der Kabine stehen.“

Stephan Oberkönig, Marketing-Verantwortlicher bei Teutonia SuS Waltrop: „Die Schulen müssen geöffnet bleiben und die Wirtschaft muss laufen. Aber nicht der Fußball. Da kann es jetzt einen Cut geben. Ich habe nichts dagegen, wenn zwei Mannschaften, innerhalb derer alle vermeintlich fit sind, auf Kreis- oder Stadtebene gegeneinander spielen. Ich kann es aber nicht verstehen, wenn zu einem Bezirksliga-Spiel in Waltrop ein Schiedsrichter aus Soest kommt.“

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