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Angekommen im Profifußball: André Pawlak (vorne), hier bei der Pressekonferenz mit dem Geschäftsführer Sport beim 1. FC Köln, Armin Veh.

Fußball

Auf einen Kaffee mit Armin Veh

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KÖLN - Wie sich die Zeiten ändern: Als André Pawlak Ende der 90er-Jahre bei BW Post Recklinghausen die Flanken auflegte, waren zwei Fotografen vor Ort. Im Geißbockheim war der Rummel jetzt deutlich größer.

Spieler ist Pawlak längst keiner mehr, seit 18 Jahren ist er als Trainer tätig. Und als der ist er dort angekommen, wohin es die meisten seiner Kollegen gar nicht erst schaffen: An diesem Montag wurde der 48-Jährige als Chefcoach von Zweitliga-Tabellenführer 1. FC Köln vorgestellt. Interimsweise bis Saisonende, wie Kölns Geschäftsführer Sport, Armin Veh, beteuert. Aber ausgestattet mit der wichtigsten Mission im Verein: die Rückkehr in die Bundesliga perfekt zu machen. Vor etlichen TV-Kameras und dutzenden Medienvertretern im Geißbockheim wirkte André Pawlak abgeklärt. Seine Fußballlehrer-Lizenz habe er ja nicht gemacht, um in der Kreisliga Trainer zu werden, meinte er über seine Ambitionen – wobei er definitiv nichts gegen Kreisligafußball gesagt haben wolle, wie er rasch zufügte. Diese Bescheidenheit ist sein großer Trumpf: Starke Sprüche sind vom zweifachen Familienvater, der bis vor drei Jahren noch als Lehrer an der Martin-Luther-Schule in Herten-Westerholt tätig war, ehe er als Jugendtrainer an den Rhein geholt wurde, selten zu hören. Einen guten Namen hatte Pawlak schon damals: Regionalliga-Aufstiege mit Wattenscheid, Velbert und Uerdingen sprechen für sich. In Köln hat es André Pawlak geschafft, seinen Status zu festigen. Schon vor einem Jahr rettete er die U21 in der Regionalliga vor dem Abstieg. Daraufhin stellte ihn der Klub frei, damit er die Fußballlehrer-Lizenz machen kann. Die hat er, angeblich mit einer vorzüglichen Note. 286 Glückwünsche auf dem Handy Zugleich musste er wieder Feuerwehrmann spielen, hat die U21 in diesen Monaten erneut aus dem Schlamassel gerettet, holte zuletzt 29 Punkte aus 15 Spielen. „Das Schiff ist im Wasser, deshalb musste ich nicht lange überlegen“, sagt er, wieso er ruhigen Gewissens das Angebot annahm, zu den Profis zu wechseln. Dass dort Trainer Markus Anfang nach drei Niederlagen in Serie auf der Kippe stand, war in Köln kein Geheimnis mehr. Als am Samstag dessen Aus amtlich war, das Telefon klingelte und sich am anderen Ende Armin Veh sich meldete, wusste André Pawlak, was kommen würde: „Es war klar, dass er mich nicht nur zum Kaffee einladen wollte.“ Veh selbst ist von der Interimslösung überzeugt. „Wichtig ist, dass ein Trainer die Mannschaft mitnimmt, dass er sie führen kann. André kann die Dinge regeln. Die Entscheidung für ihn ist nicht gefallen, nur weil er gerade da war“, bekräftigt der Geschäftsführer Sport. Im Hause Pawlak hat es schnell grünes Licht gegeben: „Meine Frau Gillian hat mir immer den Rücken freigehalten, sie hat sofort gesagt: Du musst das machen“, so Pawlak. Seine Zweitliga-Feuertaufe wird er am Montag mit dem Spiel bei der SpVgg. Greuther Fürth bestreiten. André Pawlak kennt die hohe Erwartungshaltung in Köln. Da tut die Wertschätzung, die er erfährt, gut: „Als es öffentlich wurde, dass ich es mache, hatte ich mein Handy aus, weil die U21 spielte. Als ich es anschaltete, waren 286 Nachrichten drauf! Mit den ganzen Glückwünschen auf Facebook waren es gefühlt 1 000 Nachrichten, darunter von alten Weggefährten, die ich gar nicht mehr auf dem Schirm hatte. Das war der Wahnsinn.“

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