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Gemischte Runde: Zum Talk fanden sich Ex-Profi Ingo Anderbrügge, Bernd Trockel (Kreisjugendausschuss), Nadine Kraus (aktive Spielerin 1. FFC Recklinghausen), FLVW-Vizepräsident Jürgen Schnieders und Moderator Manfred Breuckmann (von links) zusammen.

Fußball

Fußballkreis feiert 100-Jähriges und steht vor Herausforderungen

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RECKLINGHAUSEN - Ohne Pathos begeht der Fußball- und Leichtathletikkreis seinen Festakt zum 100-jährigen Jubiläum. Die Herausforderungen sind groß genug, es ändert sich viel, oder besser: Es muss sich viel ändern.

Der Präsident des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen, Gundolf Walaschewski, selbst war es, der mahnend den Finger hob: „Die Zukunft lässt uns keine Zeit. Sie beginnt in diesem Augenblick.“

Walaschewski wollte damit vor den rund 250 geladenen Gästen im Festspielhaus Recklinghausen nicht der Party-Crasher sein. Aber es stand der Veranstaltung gut zu Gesicht, dass sie einen würdigen und einen eher ernsten Rahmen bekam.

Da konnte selbst Moderator Manfred Breuckmann, als Dattelner Junge durchaus bestens vertraut mit dem heimischen Fußball, manchen Kalauer bringen. Über allem schwebte dann doch immer die Frage: Was ist erreicht, und wie geht es weiter?

Dass der Kreis stolz sein darf auf seine in Westfalen einmalige Geschichte, das hoben alle Festredner hervor. Aber sie hatten, wie Landrat Cay Süberkrüb, auch immer die Gegenwart im Blick: „Das Wichtigste ist nicht, dass man 100 Jahre hinter sich hat, sondern wie gut man immer noch dasteht.“ Hier, das hoben alle Redner hervor, sei der FLVW-Kreis Recklinghausen immer noch mehr als gut aufgestellt, ein „Vorzeige-Kreis“ sogar.

Und doch: Euphorie war fehl am Platze. Selbstkritisch, aber auch selbstbewusst trat Hans-Otto Matthey ans Mikrofon. „Man kann den Ehrenamtlern eine Profilneurose vorwerfen, im Einzelfall einen gewissen Machtgenuss. Aber man muss festhalten: Die Gesellschaft braucht uns“, sagte der Kreischef.

Beim Kreistag am 15. April will der „KV“ mit seiner Vorstandsmannschaft nochmals antreten, Matthey will dann in seine letzte Amtszeit an der Kreisspitze gehen. Es dürfte eine besonders arbeitsreiche sein, die zahlreiche Veränderungen mit sich bringt, wie dem Recklinghäuser wohl schwant.

Mehr als Organisation des Spielbetriebs

Denn ein Kreis sei eben nicht nur dazu da, den Spielbetrieb zu organisieren, das ist unter dem Strich eine seiner leichtesten Übungen. Die Frage, die nach 100 Jahren Fußballkreis über vielen, wenn nicht allen Diskussionen schwebte, war die: Wie ist es in Zukunft ums Ehrenamt bestellt? Wer wird, soll und kann demnächst hier noch tätig sein?

„Stellen Sie sich vor, der Kreis wäre der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg“, spielte Gundolf Walaschewski auf den Bestseller des schwedischen Autors Jonas Jonasson an. Wenn auf einmal die weg wären, die das Gebilde heute tragen. Das wäre „ein Dienstleistungsunternehmen, ohne den der Sport eben nicht organisiert wäre“, so der FLVW-Präsident.

Die Herausforderungen sind riesig: Bis 2040 leben in Westfalen laut Studien fünf Millionen Über-65-Jährige, also deutlich mehr als jetzt, aber nur noch rund 230.000 10- bis 16-Jährige, so der FLVW-Präsident. Kann der Amateurfußball da so weitermachen wie bisher, muss er sich nicht zwangsläufig neuen Spielformen und Regeln stellen?

„Da kommt was auf uns zu“, mahnte Walaschewski, und fragte zugleich: „Warum laufen wir der Entwicklung immer nur hinterher?“

Zu den geladenen Gästen gehörten auch die Vertreter aller kreisangehörigen Vereine. Nicht alle waren der Einladung ins Festspielhaus gefolgt. Neben vielen Beiträgen und einer interessant besetzten Talkrunde, wurde die Festveranstaltung durch Fußball-Akrobatik und Musik aufgelockert.

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