Viele Schätze fanden (v. l.) Dominik Lasarz, Gerd Gorny, Reiner Krolik, Joachim Sauer, Ralf Dragon. und auf dem Stuhl vorne Klaus Pauly.
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Viele Schätze fanden (v. l.) Dominik Lasarz, Gerd Gorny, Reiner Krolik, Joachim Sauer, Ralf Dragon. und auf dem Stuhl vorne Klaus Pauly.

Fußball

Abschied vom Dattelner Ostringstadion

  • vonAndre Hilgers
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„Ein Stück Heimat geht verloren“, betont Dominik Lasarz aus dem geschäftsführenden Vorstand der DJK SF Datteln. Beim letzten Arbeitseinsatz im altehrwürdigen Ostringstadion, an dem rund 20 Vereinsmitglieder teilnahmen, kam bei einigen Wehmut auf.

Nicht nur das: Beim Entrümpeln von Vereinsheim, Umkleiden und weiteren Bereichen der Anlage an der Elisabethstraße trat so manches „altes Schätzchen“ zu Tage. Vor 65 Jahren (1955), wurde das Ostringstadion eröffnet. Neben tausenden spannenden Fußballspielen von Kinder-, Jugend und Seniorenteams, kam es auch immer wieder zu unvergessenen Begegnungen.

Weg in den Profibereich war geebnet

Familien wuchsen hier über mehrere Generationen hinweg mit dem runden Leder auf. Drei Klubs fanden dort in dieser Zeit ihr sportliches und auch geselliges Domizil: SV Germania, SF Germania und die DJK SF Datteln. Stolz präsentiert der 80-jährige Gerd Gorny die Urkunde des Westfalenmeisters SV Germania Datteln aus dem Jahr 1961. „Das waren schöne Zeiten, vor allem eine tolle Kameradschaft“, erinnert sich das Urgestein, das von 1957 an bis 1972 für die zweite und dritte Mannschaft des SV Germania auf Torejagd ging.

Damals war die 1. Mannschaft der Kanalstädter in der höchsten Spielklasse des deutschen Amateurfußballs vertreten, ein Meilenstein. Der Weg in den Profibereich einzusteigen, war durch die Meisterschaft geebnet. „Aus finanziellen Gründen haben wir allerdings darauf verzichtet, diese Möglichkeit wahrzunehmen“, erklärt Lasarz. Das war nur einer von zahlreichen emotionalen Momenten im Ostringstadion.

Benefizspiele zählten zu den Höhepunkten

Neben Abstiegen und Wiederaufstiegen in den Folgejahren gehörten die Benefizspiele zweier Bundesliga-Klubs zu den größten Höhepunkten, die nicht nur am Ostring, sondern auch für den Fußballsport in Datteln Geschichte geschrieben haben. 1996 gab sich die Meistermannschaft von Borussia Dortmund dort die Ehre und trat gegen die „Erste“ der Germania an. „Bei dieser Partie stand noch Stefan Scheuner zwischen den Pfosten“, sagt Lasarz.

14 Jahre später sahen rund 5.000 Zuschauer den „Kracher“ zwischen dem FC Schalke 04 und einer Ruhrpottauswahl. „Es gab und gibt bisher in unserer Stadt kein Stadion, in das so viele Zuschauer hineinpassen“, so Lasarz, der ebenso wie viele seiner Vereinskollegen gerne am Ostring geblieben wäre. Doch vor gut vier Jahren fiel der Beschluss der Stadt, mit der Eröffnung des Sportparks Mitte, die Anlage an der Elisabethstraße zu schließen und dort ein Wohngebiet entstehen zu lassen.

Klaus Pauly hätte gern noch weitergemacht

Auch Klaus Pauly, Sportwart des Ostringstadions seit 1998, hätte gerne Rasen und Co. weitergepflegt: „Ich hätte es noch zehn Jahre gemacht.“ Sein Herz hänge am Ostringstadion. „Die Feiern waren das Beste hier“, meint Gorny. „Alles ist weg, nur der Durst ist geblieben“, ergänzt der 86-jährige Pauly augenzwinkernd, der schon in seiner Kindheit seinen Vater Paul Pauly am Ostring hat kicken sehen – bei den Alten Herren. „Eine Zeit, die nicht mehr wiederkommen wird“, trauert Gorny diesen Jahren nach.

Neben historischen Urkunden, entdeckten die Mitglieder beim Arbeitseinsatz auch noch Spielerpässe, Bierdeckel mit der Aufschrift „Westfalenmeister 1961“ und vieles mehr. In den kommenden Tagen wird die gesamte Anlage von der Stadt mit Bauzäunen abgesperrt, bevor in den darauffolgenden Wochen und Monaten die Abrissbagger anrücken und „ein Stück Heimat“ Vergangenheit werden lassen.

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