Am Ortseingang von Horneburg steht ein Blumenkübel, in dem ein Fußball liegt
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Fußball und Horneburg, das passte zuletzt nicht mehr so richtig zusammen im Dorf. Dem Sportverein Horneburg liefen die Mitglieder weg. Jetzt soll der SVH „abgewickelt“ werden.

Vereinsauflösung

Der SV Horneburg wird bald von der Bildfläche verschwinden, aber was passiert mit den Schulden?

  • vonOlaf Nehls
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Die Vorstandsmitglieder haben bei der Mitgliederversammlung den Auftrag erhalten, den SV Horneburg abzuwickeln. Doch zuvor müssen noch einige Dinge - vor allem im finanziellen Bereich - geklärt werden.

  • Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Freitagabend stimmten die Mitglieder einstimmig dafür, dass der SV Horneburg aufgelöst werden soll
  • Der Verein hat aber offenbar noch Schulden im niedrigen fünstelligen Bereich bei der Stadt Datteln.
  • Über eine konkrete Summe will sich die Stadt, mit Hinweis auf den Datenschutz, nicht äußern.

Die Mitglieder haben dem noch amtierenden Vorstand bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Freitagabend im dritten Anlauf das Mandat erteilt, den Verein SV Horneburg abzuwickeln und beim Amtsgericht die Löschung im Vereinsregister zu beantragen. Bevor dieser Schritt aber eingeleitet werden kann, müssen noch einige – vor allem finanzielle – Dinge geklärt werden.

Über die Schuldenhöhe will niemand sprechen

Immerhin, so ist aus gut unterrichteten Kreisen zu hören, habe der Verein noch Schulden in fünfstelliger Höhe bei der Stadt, die aus dem Pachtvertrag für die Sportanlage am Landwehrring resultieren: Den hatte der ehemalige Vorsitzende Martin Kindermann seinerzeit ausgehandelt und unterschrieben. Über die genaue Höhe der noch offenen Summe schweigen sich alle Seiten aus. „Wir wissen es auch gar nicht ganz genau“, sagt etwa Albert Guse, der als Jugendleiter Mitglied im Vorstand ist.

„Corona hat uns das Genick gebrochen“

Aber wer kommt für diese Schulden auf? „Ich habe keine Ahnung, wie wir das geregelt bekommen“, sagt beispielsweise Robert Rohde, der bis zum endgültigen Ende des SVH gemeinsam mit Geschäftsführer Christian Wolf und Guse den geschäftsführenden Vorstand bildet. Die Kosten für Strom, Wasser oder Heizung, für die die Stadt Datteln in Vorkasse gegangen ist, seien immer weitergelaufen, erklärt Rohde. „Nur Einnahmen hatten wir am Ende kaum noch.“ Weil geplante Veranstaltungen ausfielen, an denen der SV Horneburg in der Vergangenheit immer gut verdient habe, und es zudem kaum noch Sponsoren gab, sei das Loch in der Kasse von Woche zu Woche größer geworden, klagt Robert Rohde.

Kassiererin ist spurlos verschwunden

Dass der Verein aktuell noch Schulden hat, das bestreitet der Vorsitzende nicht, der im Februar 2018 die Nachfolge des zurückgetretenen Martin Kindermann antrat. Von den damaligen Vorstandskollegen hätten sich zuletzt nur noch er selbst, Christian Wolf und Albert Guse um alle Angelegenheiten im Verein gekümmert, erzählt Robert Rohde. Der stellvertretende Vorsitzende Sven Moll war aus privaten Gründen aus dem Vorstand ausgeschieden. Wo Kassiererin Marina Blomenkemper abgeblieben ist, könne er nicht sagen, erzählt Rohde. „Die war auf einmal nicht mehr da.“

Kassenbericht nur für das laufende Jahr

Bei der Versammlung hatten einige Form und Inhalt des obligatorischen Kassenberichts bemängelt, den Christian Wolf als einfache Excel-Tabelle präsentierte – allerdings nur für das Jahr 2020, ohne Berücksichtigung der „Altschulden“. Es fehlten Belege, die Kasse wurde zudem nicht geprüft. Auf eine Entlastung des Vorstandes wurde daher verzichtet.

SV Horneburg befindet sich „in Liquidation“

Zu den Kritikern gehörte auch Ludger Formanowicz, der noch Mitglied im SVH ist, aber auch zu den Gründungsmitgliedern der anderthalb Wochen zuvor neu gegründeten Sportgemeinschaft Horneburg 48/20 gehört. „Wir hatten auf einen detaillierten Kassenbericht gewartet. Den gab es aber nicht. Es kursieren Zahlen im Dorf, dass der Verein mehr als 15.000 Euro Schulden habe“, sagt er. Juristisch betrachtet befindet sich der SV Horneburg jetzt „in Liquidation“. Da bei der Versammlung aber keine so genannten Liquidatoren gewählt wurden, muss der Vorstand diese Aufgabe übernehmen und mit einem notariell beglaubigtem Protokoll des Versammlungsbeschlusses nun beim Amtsgericht die Löschung des SV Horneburg beantragen.

Stadt Datteln gilt als einziger Gläubiger

Zuvor muss die finanzielle Seite geregelt werden. Bleibt am Ende Geld übrig, so kommt der Überschuss dem Deutschen Roten Kreuz zugute. So ist es in der Satzung des Vereins geregelt. Übersteigen aber die Schulden das Vermögen, das dürfte hier eher der Fall sein, müsste ein Insolvenzverfahren eröffnet werden, wenn Gläubiger, hier also die Stadt Datteln, auf die Begleichung der noch offenen Rechnungen beharren.

Pressesprecher der Stadt hüllt sich in Schweigen

Auf Nachfrage im Dattelner Rathaus, wie hoch denn die Verbindlichkeiten tatsächlich seien, die der SV Horneburg noch zu begleichen habe, und wie man vonseiten der Stadt damit umzugehen gedenke, gab es nur eine vage Antwort der Verwaltung.
Pressesprecher Dirk Lehmanski, verweist auf den Datenschutz, bittet um Geduld: „Grundsätzlich sind wir aber dazu verpflichtet, das Geld zurückzufordern.“ Bei der Frage nach einer zukünftigen Nutzung der Sportanlage am Landwehrring, für die sich kurz auch der FC 26 Erkenschwick interessierte, verweist der Stadtsprecher auf noch ausstehende Gespräche mit Vertretern der SG Horneburg. Der neue Veren war aus einer Rettungsinitiative für den SV Horneburg hervorgegangen.

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