Das Bild zeigt Volkan Ünlü 2004 als 20-Jährigen und Torhüter des FC Schalke 04.
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Volkan Unlü stand 2004 für den FC Schalke 04 im Tor. Heute spielt er bei SuS Bertlich im Feld.

Fußball

Kreisliga statt Bundesliga: Dieser Ex-Schalke-Keeper kickt jetzt für SuS Bertlich

  • Sebastian Schneider
    vonSebastian Schneider
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Im jungen Alter von 20 ist er schon da, wo viele hinwollen: in der Bundesliga. Jetzt, mit 37, kickt der ehemalige Schalke-Torhüter im Feld – für den Hertener Verein SuS Bertlich in der Kreisliga A.

  • Volkan Ünlü hat es in jungen Jahren bis zu den Profis des FC Schalke 04 geschafft.
  • Unter Trainer Ralf Rangnick hatte er keine Chance mehr, spielte danach u.a. für Besiktas Istanbul in der Türkei.
  • 2013 beendete er seine Torwart-Karriere beim KFC Uerdingen.
  • Zur neuen Saison spielt er als Feldspieler für SuS Bertlich in der Kreisliga A.

Viele Menschen verbinden mit Volkan Ünlü vor allem ein Spiel. Der damals 20-Jährige steht am 27. März 2004 in der wichtigen Partie des FC Schalke 04 beim VfL Bochum zwischen den Pfosten. In seiner vierten Bundesliga-Begegnung wirkt der türkische U21-Nationaltorhüter stark verunsichert – rettet den Königsblauen aber mit einer ganz starken Parade in der Schlussphase den 2:1-Sieg im Ruhrstadion. Nach dem Spiel fließen bei Ünlü vor der Schalker Kurve Tränen. Am Saisonende verpassen die Schalker unter Trainer Jupp Heynckes trotz dieses Sieges den Einzug in den UEFA-Pokal – für Volkan Ünlü kommt es aber noch schlimmer, wenn auch nur auf den ersten Blick.

Letztes Bundesligaspiel für Schalke beim VfL Bochum

In Bochum absolviert der gebürtige Gelsenkirchener seinen letzten Bundesliga-Einsatz für seinen Stammverein. Mit Heynckes’ Nachfolger Ralf Rangnick kommt er nicht zurecht. Unter den Folgestationen ist mit Besiktas Istanbul zwar auch ein Topklub. Die meisten Vereinsnamen in Ünlüs Vita wie Çaykur Rizespor oder MVV Maastricht versprühen aber nicht den ganz großen Glanz.
Von Bitterkeit ist bei Volkan Ünlü dennoch nichts zu spüren. Im Gegenteil: „Ich blicke mit strahlenden Augen zurück“, sagt der heute 37-Jährige, der seine Profikarriere 2013 beim KFC Uerdingen ausklingen lässt und danach noch ein Jahr bei der Schalker Reserve als Trainingstorhüter für den Notfall bereitsteht.

Fitgespritzt für den Einsatz bei den Profis

Dabei könnte man es verstehen, wenn Ünlü mit dem Schicksal hadern würde. Denn er hat geschafft, wovon Millionen ein Leben lang nur träumen, ist jung zum Bundesligaspieler geworden. Mit besten Aussichten. Seine Unsicherheit in Bochum hat einen guten Grund: „Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon länger muskuläre Probleme und mich schon in den Spielen zuvor eher durchgequält“, berichtet der 37-Jährige. Ünlü lässt sich fitspritzen. Und immerhin ist er da, als seine Mannschaft ihn am nötigsten braucht, und rettet den Sieg. Aber obwohl der Torhüter danach unter Trainer Ralf Rangnick keine Chance mehr bekommt: Ein böses Wort über damals kommt Ünlü nicht über die Lippen. Nur so viel: „Ich habe mich verpflichtet gefühlt zu spielen, es ging um viel. Und ich hätte mir gewünscht, dass man das in der Presse gewürdigt hätte“, sagt der Familienvater.

Kurschatke ist ein Ünlü-Fan

Die Karriere auf hohem Niveau ist zu Ende, dem Fußball bleibt Volkan Ünlü trotzdem erhalten, bis heute. In der Kreisliga wird er bei Arminia Ückendorf heimisch, bekleidet mehrere Ämter – und kickt, nun auf dem Feld. „Den richtig, richtig guten Fußballern – dazu zähle ich mich selbst nicht – ist es egal, in welcher Klasse sie spielen“, sagt Ünlü. Dabei ist er mehrfach auch Gegner von Frank Kurschatke, dem neuen Bertlicher Trainer, damals bei ETuS Bismarck verantwortlich. „Volkan hat mich häufig richtig geärgert“, sagt Kurschatke. Die meisten Duelle gehen an Ünlüs Mannschaft. „Der hat hinten alles weggeholt“, sagt Kurschatke. Weil er weiß, dass in Bertlich ein großer Umbruch bevorsteht, macht sich Frank Kurschatke im Frühjahr auch Gedanken über viele Spieler, die er aus Gelsenkirchen kennt. „Auch über Volkan Ünlü“, sagt der neue SuS-Coach. „Aber ich hätte nie gedacht, dass man ihn aus Ückendorf loseisen kann.“ Man kann, wenn auch über Umwege.

Christian Wetklo gibt den entscheidenden Tipp

„Irgendwann rief mich Christian Wetklo an und fragte, was ich von Volkan halte“, erzählt Frank Kurschatke, der aus allen Wolken fiel. Wetklos Kontakt zu Ünlü kommt über die Schalker Knappenschule, wo der stellvertretende Vorsitzende der Bertlicher Fußball-Abteilung die Torhüter der U23 trainiert – und Ünlü die der U19. „Christian erzählte, Volkan sei nach Bertlich gezogen“, sagt Frank Kurschatke, der seinen Ohren nicht traute. „Wolle“, so Ünlüs Spitzname, sei bei ihm gesetzt, auch ohne Training. Volkan Ünlüs letztes Spiel in der Bundesliga liegt nun schon mehr als 16 Jahre zurück, aber auch einigen jungen Bertlichern ist er noch ein Begriff. Einen hat er sogar zu seiner aktiven Zeit überzeugt. „Unser Torwart Marco Sievers war damals manchmal beim Schalker Training“, sagt Frank Kurschatke. „Er hat erzählt, Volkan sei da der beste Torhüter gewesen.“

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