Holger Flossbach als Trainer des DSC Wanne-Eickel.
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Holger Flossbach hat mitgezählt: 788 Mal stand der Marler so engagiert wie hier als Trainer an der Seitenlinie.

Fussball

„Für jede 1000 ein Tor“: Holger Flossbach feiert runden Geburtstag

  • Thomas Braucks
    vonThomas Braucks
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Ob er ein Fußball-Raubein war? „Ein Raubein?“, fragt Holger Flossbach zurück. „Ich war auf dem Platz ein Drecksack.“ An diesem Sonntag feiert der ehemalige Oberliga-Kicker, Trainer und Fußball-Scout aus Marl seinen 60. Geburtstag.

Holger Flossbachs letzte Saison im hochklassigen Amateurfußball, sie ist eine Achterbahnfahrt mit der SpVg Marl. 1988/89, als die Oberliga Westfalen noch nicht fünftklassig ist wie heute, sondern direkt auf die 2. Bundesliga folgte. Gleich zwei Mal, mit 4:2 und 4:0, schlagen die Schwarz-Gelben im dem Jahr den alten Rivalen aus dem Kreis, die Spvgg. Erkenschwick. Bei Arminia Bielefeld erlebt die SpVg ein Fiasko.

„8000 Fans waren auf der Alm. Für jede 1000 haben wir ein Tor bekommen“, erinnert sich Flossbach und lacht. 8:0 werden die Gäste vermöbelt. Eine Woche später laufen elf Marler mit Messern zwischen den Zähnen im Volkspark gegen Westfalia Herne auf. Vor mehr als 1000 Zuschauern nehmen sie den Traditionsklub regelrecht auseinander. 5:0 steht es am Ende. Flossbach schießt das 3:0. Was will man mehr?

Lieblingsposition: Mittelstürmer

Für Holger Flossbach, der an diesem Sonntag seinen 60. Geburtstag feiert, war trotzdem Schluss nach der Saison. „Ich hatte ein gutes Angebot, als Spielertrainer zum SV Lembeck zu gehen. Außerdem habe ich mir gesagt: Besser wird es nicht mehr. “Es hätte besser laufen können – glaubt Hansi Scherer, Marler Physiotherapeuten-Legende und Fußball-Fachmann. „Hansi hat gemeint: Wenn ich von Anfang an in der Abwehr gespielt hätte, hätte ich Profi werden können“, erzählt Flossbach. Das sei natürlich übertrieben. „Das Talent hatte ich nie.“

Außerdem will Flossbach viel lieber Mittelstürmer sein. Schon immer. Er kommt aus dem Marler Ortsteil Brassert. Herzensverein seiner Familie ist die SG Marl. Hier lernt er das kleine Einmaleins des Fußball. Erst auf dem alten Platz in der Schlenke, den es längst nicht mehr gibt. Später auf dem Ascheplatz an der Hervester Straße. Holger ist der erste Flossbach, der dem Verein untreu wird – und zur SpVg Marl wechselt.

Er spielt für Schwarz-Weiß Essen, TSV Marl-Hüls, FC Recklinghausen, FC Rhade und ab 1987 wieder für die SpVg Marl. Ob man ihm zu nahetritt, wenn man ihn als Fußball-Raubein bezeichnet. „Ein Raubein?“, fragt Flossbach. „Auf dem Platz war ich ein Drecksack.“

Wehe, der Schiedsrichter pfeift das Spiel an

Ein Typ, mit dem man sich gern auf ein Bier trifft (auch wenn er dann nur eine Fanta bestellt) und über Gott und die Welt plaudert. Aber wehe, der Schiri pfeift an und man hat das falsche Trikot an . Etwas von dieser Mentalität nimmt Holger Flossbach mit in seine Laufbahn als Trainer. Neun Jahre ist er bei der SpVg Marl, inzwischen ein Klub mit kleinem Budget. Mit eingeschworenen Mannschaften und viel Kampfgeist verteidigt er am Volkspark die Verbandsliga. Bis ein Vorstand ihn und seinen Trainerstil nicht mehr will.

Es folgen turbulente Stationen, unter anderem bei der Spvgg. Erkenschwick, wo er in einer der größten Krisen der Klubgeschichte kurzzeitig Sportlicher Leiter und Trainer ist. Ehrenamtlich, wie es damals heißt. Den TSV Marl-Hüls coacht er von 2010 bis 2014 von der Bezirksliga zurück in die Westfalenliga. Anschließend arbeitet er drei Jahre beim Westfalenligisten DSC Wanne-Eickel.

788 Mal steht er als Trainer an der Seitenlinie

Über all das führt Holger Flossbach Buch. Genau 788 Mal steht als Trainer an der Seitenlinie, bevor er 2019 als Scout bei der U23 des FC Schalke 04 anheuert. „Der Verein, für den man mich bekanntlich nachts jederzeit wecken kann“, sagt Holger Flossbach. Und der ihm tatsächlich gerade viele schlaflose Nächte bereitet.

Ob man ihn noch einmal auf einer Trainerbank erleben wird? „Man soll bekanntlich niemals nie sagen“, sagt Holger Flossbach. „Im Moment bin ich mit dem, was ich tue, total glücklich.“ Hauptsache Fußball. Ohne wird es bei ihm auch im siebten Lebensjahrzehnt garantiert nicht gehen.

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