Timo Ostdorf, Trainer des Fußball-Oberligisten TuS Haltern, schaut über die Schulter.
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Timo Ostdorf, Trainer beim TuS Haltern, sieht eine Fortsetzung der Saison ab April kritisch.

Fußball

Videokonferenz mit allen Oberliga-Trainern: So denkt Halterns Coach Timo Ostdorf über eine Saison-Fortsetzung

  • vonOlaf Nehls
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Wie es mit der seit Oktober vergangenen Jahres unterbrochenen Saison in der Oberliga Westfalen weitergehen könnte, ob eine Fortsetzung überhaupt noch Sinn macht oder es besser wäre, die Spielzeit vorzeitig abzubrechen, darüber haben sich die Trainer der 21 Oberliga-Klubs in einer Videoschalte ausgetauscht - auch Halterns Coach Timo Ostdorf.

Schon vor der Saison war den 21 Oberliga-Klubs bewusst, dass diese Spielzeit mit ihren 42 Spieltagen eine Herausforderung werden würde. Die coronabedingte Unterbrechung hat die Lage deutlich komplizierter gemacht. Und längst hinterfragen die ersten auch die Sinnhaftigkeit einer Fortsetzung im April. Der Oer-Erkenschwicker Timo Ostdorf, Trainer beim TuS Haltern, gehört ganz sicher dazu. Und seine Argumente für einen vorzeitigen Abbruch der seit Oktober unterbrochenen Saison ohne Auf- oder Absteiger sind vielfältig.

„Zwei Wochen Vorbereitung reichen nicht aus“

„Das fängt doch schon mit der geplanten Vorbereitungszeit von nur zwei Wochen an“, sagt der 34-Jährige im Gespräch mit 24vest.de. „In der Regel haben wir zwischen zwei Saisons vier Wochen Sommerpause, um uns danach in vier bis sechs Wochen auf den Ligastart vorzubereiten. Jetzt spielen wir seit 137 Tagen keinen Fußball mehr und sollen uns in zwei Wochen für den Restart fit machen“, sagt er und legt nach: „Wenn ich von Verbandsfunktionären solche Sprüche höre, dass sich die höherklassigen Vereine ja alle individuell in der Coronapause fit halten würden, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Ein Ausdauerlauf kann ein Mannschaftstraining null Komma null ersetzen. Da sind Verletzungen vorprogrammiert.“

Die Tendenz der Trainer geht in Richtung Abbruch

Mit dieser Meinung steht der Halterner Coach längst nicht alleine da. Unlängst hatten sich die Übungsleiter der Oberligisten in einer gemeinsamen Videoschalte, initiiert vom TuS Ennepetal, über eine mögliche Rückkehr in den Spielbetrieb unterhalten. Von den 21 Trainern waren zwölf dabei. Auch Timo Ostdorf nahm teil. „Und da waren wir uns von der Tendenz einig, dass diese Saison annulliert werden muss“, sagt Ostdorf.

Sind Testspiele in der Vorbereitung möglich?

Es gäbe weiterhin viel zu viele ungeklärte Fragen bezüglich einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs und den Folgen. „Wir wissen ja auch gar nicht, ob wir in den zwei Wochen, in denen wir uns vorbereiten sollen, Testspiele bestreiten dürfen. Wenn die Politik Lockerungen erlaubt und sich demnächst vielleicht wieder zehn Leute aus drei verschiedenen Haushalten treffen dürfen, hilft uns Fußballern das noch lange nicht.“

50-Prozent-Regel könnte zu Wettbewerbsverzerrungen führen

Ostdorf stellt auch die Sinnhaftigkeit der 50-Prozent-Regel infrage, wonach die Saison gewertet werden soll – mit Auf- und Absteigern –, wenn mindestens die Hälfte aller Spiele (also 210 von insgesamt 420) absolviert wurden. „Die Saison zu werten, wäre nur gerecht, wenn am Ende mindestens einmal jeder gegen jeden gespielt hat. Wir hatten in unseren bisher zehn Spielen schon die sieben Mannschaften, die jetzt auf den Plätzen eins bis sieben liegen. Wer garantiert mir denn, dass wir es noch schaffen, auch gegen die Gegner zu spielen, die mit uns um den Klassenerhalt kämpfen“, fragt Ostdorf.

Corona-Verdachtsfälle könnten vorgeschoben werden

Trainerkollege Mutlu Demir vom RSV Meinerzhagen befürchtet gar noch ein anderes Problem. Da für die Wertung die durchschnittliche Punktzahl, also der Punkte-Quotient herangezogen wird, sieht er einen sportlich fairen Wettbewerb gefährdet. „Es könnten bewusst Spielausfälle herbeigeführt werden.“ Im Klartext: Wer seinen Quotienten nicht verschlechtern will, schiebt einen Corona-Verdachtsfall vor, um Spiele (und eventuelle Niederlagen) gegen einen vermeintlich übermächtigen Gegner zu vermeiden.

Videokonferenz mit dem Verband am 11. Februar

Am 11. Februar, also einen Tag nach der Bund-Länder-Konferenz und der Verkündung weiterer Maßnahmen, hat die Verbandsspitze alle 21 Oberliga-Klubs zu einer Videokonferenz eingeladen, um das weitere Vorgehen und die Stimmungslage in den Vereinen abzufragen. „Es ist die erste ernsthafte Kontaktaufnahme des Verbandes mit den Oberliga-Vereinen. Das zeigt doch schon, dass es hier ein echtes Kommunikationsproblem gibt“, sagt Ostdorf dazu.

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